Klein, aber oho! So sind die ersten beiden Folgen von «Willow»

34 Jahre nach dem kultigen Fantasyfilm «Willow» bringt Disney+ nun die Fortsetzung im Serienformat. Wir verraten unsere Eindrücke von den ersten zwei Folgen des Fantasyabenteuers.

Guess who's back! © Disney+

Worum geht's?

Während einer Zeit des Schreckens kam ein Kind zur Welt, das laut einer Weissagung dereinst eine weise und gütige Kaiserin werden und das Böse vernichten sollte. Die grausame Königin und Zauberin Bavmorda setzte alles daran, um das Mädchen Elora Danan zu töten, doch der Nelwyn Willow Ufgood (Warwick Davis) und der Schwertkämpfer Madmartigan (Val Kilmer) beschützten das Baby und konnten Bavmorda mithilfe von deren Tochter Sorsha (Joanne Whalley) vernichten. Doch kurz nach diesem Sieg hatte Willow eine Vision: Das Böse wird zurückkommen, die weisgesagte Kaiserin vernichten und ein neues dunkles Zeitalter einläuten. Deshalb wurde Elora Danan verborgen, damit niemand, nicht einmal sie selbst, ihre Identität kennen sollte.

Viele Jahre später herrscht Sorsha als gütige Königin über das Königreich Tir Asleen. Mit Madmartigan, der seit Jahren verschollen ist, hat sie zwei inzwischen erwachsene Kinder, die Zwillinge Kit (Ruby Cruz) und Airk (Dempsey Bryk). Während der Schwerenöter Airk sich die Zeit mit dem Küchenmädchen Dove (Ellie Bamber) vertreibt, soll die ungestüme Kit mit Prinz Graydon von Galadoorn (Toni Revolori) verheiratet werden, um die beiden Königreiche zu vereinen.

Doch in der Nacht vor der Hochzeit wird das Schloss von grässlichen Gestalten angegriffen, die Prinz Airk verschleppen. Um den Prinzen zu retten, macht sich Prinzessin Kit mit ihrer Freundin Jade (Erin Kellyman), Graydon und dem zwielichtigen Thraxus Boorman (Amar Chadha-Patel) als Führer auf, um den legendären Zauberer Willow um Hilfe zu bitten. Unterwegs stösst auch Dove zu ihnen, die alleine aufgebrochen ist, um Airk zu retten.

Im Dorf der Nelwyns angekommen, verrät ihnen Willow, dass Airk im Auftrag der Withered Crone (dt. Welten Vettel) von den Gales entführt und in die Immemorial City jenseits der Shattered Sea (dt. Verborgene Stadt hinter der Zerteilten See) verschleppt wurde. Und er enthüllt, dass Elora Danan tatsächlich viel näher ist, als sie alle gedacht hatten. Während sich die kleine Truppe bei den Nelwyns ausruht und Willow sich zurückerinnert, wie es zwischen ihm und Sorscha zum Zerwürfnis kam, machen sich die Schergen des Bösen auf ihre Fährte.

Into the Unknown!
Into the Unknown! © Disney+

Wie wars?

2022 war serienmässig mit Grossproduktionen wie The Lord of the Rings: The Rings of Power und House of the Dragon ja schon einiges los in Sachen Fantasy. Disney+ legt jetzt noch einen nach und bringt die Fortsetzung eines Fantasy-Kultklassikers aus den Achtzigerjahren. Damals noch ohne Computereffekte, schaffte es Willow (der Film) mit dreckigem Look, eindrücklichem Creature-Handwerk und gut ausgearbeiteten Figuren, eine epische Fantasywelt zu kreieren.

Wenn man's sich genau anschaut, ist bei der Story wie auch bei der Inszenierung ziemlich viel Star Wars drin. Kein Wunder, stammte die Geschichte des Filmes doch von George Lucas, und so passt es auch, dass nun Jonathan Kasdan die Zügel bei der Serie übernehmen durfte, der immerhin das Drehbuch zu Solo: A Star Wars Story verfasst hat und dessen Vater Lawrence Kasdan gleich mehrere Star-Wars-Drehbücher geschrieben hat.

Die Serie setzt Jahrzehnte nach den Ereignissen des Filmes ein und ist keine Neuinterpretation, sondern führt die Geschichte der Filmhandlung mit zeitlichem Abstand fort. Dafür schlüpfen einige der Originaldarsteller erneut in ihre alten Rollen, in erster Linie natürlich Joanne Whalley und Warwick Davis. Beide sind nicht nur in älteren Jahren zu sehen, sondern auch in Rückblenden, die zeigen, wie es zwischen den beiden nach dem (vermeintlichen) Happyend zum Streit kam und dass zwischen Film und Serie viel passiert ist, was noch aufgearbeitet und erzählt werden muss.

Es ist ungewohnt und schön, die beiden bekannten Figuren wiederzusehen, vor allem wenn man sie mit den Rückblende-Szenen vom Anfang der ersten Folge vergleicht. Warwick Davis war bei den Dreharbeiten zum Film immerhin erst 18 Jahre alt! Wegen gesundheitlicher Probleme und der Pandemie konnte Val Kilmer leider nicht erneut sein Schwert aufnehmen - allerdings ist auch noch nicht klar, ob Madmartigan überhaupt noch lebt. Was mit dem grossen Helden passiert ist, ist nämlich eines der grossen Geheimnisse der Serie, die es im Laufe der Staffel zu lösen gilt.

Was die Serie richtig gut hinbekommen hat, sind die neuen Figuren, die in der ersten Folge eingeführt werden und mit denen man gleich mitfiebert. Man spürt das Knistern zwischen der burschikosen Prinzessin Kit und ihrer «Freundin» Jade, lacht über den oberflächlichen Schwerenöter Airk und staunt über das liebenswürdige «Muffingirl» Dove, das sich ganz unerwartet als eine der spannendsten Figuren herausstellt und von Ellie Bamber mit viel Charme gespielt wird. Mit Boorman, dem einstigen Knappen von Madmartigan, ist zudem noch ein Schlufi dabei, bei dem nicht ganz klar ist, er vertrauenswürdig oder einfach ein berechnender Dieb mit grosser Klappe ist

Mit der Figurentruppe, die ins grosse Abenteuer zieht, wird dann auch schnell mal klar, dass Willow sich keinen Deut um klassische Fantasyklischees schert. Ja, wir bekommen Schlösser, dreckige Ruinen und episch-unberührte Landschaften zu sehen, aber sonst fühlt sich die Serie immer wieder sehr modern an.

Das fängt schon mal bei der Heldentruppe selbst an, die den klassischen weissen muskulösen Helden einfach mal beiseite lässt; stattdessen dürfen gleich drei Frauen, zwei Kleinwüchsige sowie zwei nicht-weisse Männer ins Abenteuer ziehen (Toni Revoloris Wurzel liegen in Guatemala, Amar Chadha-Patel stammt aus Indien). Die gezeigte Welt mag vielleicht ans Mittelalter erinnern, orientiert sich in Sachen Sprache, Beziehungen und Geschlechterrollen aber deutlich an unserer Gegenwart. Und tatsächlich stört das überhaupt nicht - ja, nicht einmal, dass am Ende jeder Folge das Cover eines bekannten Popsongs zu hören ist.

Helden am Strand
Helden am Strand © Disney+

Fazit der ersten beiden Episoden

Willow spricht bestimmt vor allem Fans des alten Films an, erklärt aber alles so, dass auch Neueinsteiger in diese fantastische Welt gut mitkommen dürften (Aber mal ehrlich, wer den Film nicht gesehen hat: Bildungslücke! Nachholen!). Die ersten beiden Folgen bieten einen tollen (Wieder-)Einstieg und halten gekonnt die Balance zwischen Humor, Grusel, Spannung und abenteuerlicher Unbekümmertheit. Dazu gibt's am Ende der ersten Folge eine Überraschung, die es in sich hat.

Wusstest du, dass…?

…Annabelle Davis, die Mims, die Tochter von Willow spielt, auch im richtigen Leben die Tochter von Willow-Darsteller Warwick Davis ist? Wie ihr Vater war auch sie bereits als Creature-Performerin bei mehreren Star-Wars-Produktionen dabei.
…dass Ralph Ineson, der hier mit seiner brummenden Stimme den Commander Ballantine gibt, in David Lowerys The Green Knight den titelgebenden Ritter gespielt hat?

Willow läuft ab dem 30. November 2022 exklusiv auf Disney+.

Petra Schrackmann [pps]

Petra arbeitet seit 2007 für OutNow und haut auch für Lektorat und Listicles in die Tasten. Als Genrefan verbringt sie ihre Film- und Serienabende lieber mit Zombies, Hobbits oder RVAGs als mit Rom-Coms. Als Leseratte ist sie fasziniert von Comic- und Buchverfilmungen (sogar den schlechten!).

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