OutNow Spotlight: Für die kleinen, ganz feinen Filme

Die Liste mit den meistbesuchten Filmen des ersten Halbjahres 2022 zeigt nur Blockbuster. Deshalb starten wir nun eine neue Artikelreihe, in der wir jede Woche einen kleinen Film herausheben.

«The Worst Person in the World», «Everything Everywhere All at Once», «Soul of a Beast», «El Buen Patron» © Frenetic, Filmcoopi, Ascot Elite, Pathé Films AG

Das Schweizer Kinopublikum wird im Ausland mehrheitlich als anspruchsvoll angesehen. Dies kommt daher, dass in der Schweiz nicht nur die grossen Blockbuster viel Geld einspielen, sondern auch Arthousefilme starke Zahlen schreiben. So schaffen es in der Schweiz nicht nur «Marvel» und «Star Wars» weit über die 100'000-Ticketmarke, sondern auch Filme wie Green Book (363'440), Parasite (140'138), Three Billboards Outside Ebbing, Missouri (139'443), Darkest Hour (115'764) und selbst Dokus wie Demain (156'250) und More Than Honey (256'253).

Das war jedoch vor der Pandemie. Seit die Kinos nach den Lockdowns wieder offen haben, harzt es besonders bei den kleineren Filmen. Schaut man sich die bisherige Top-10 der Schweizer Kinocharts 2022 an, lassen sich dort nur Blockbuster finden. Erst auf Platz 16 taucht mit Presque (59'297) eine Independent-Produktion auf.

Die Top-10 des ersten Halbjahres 2022

1. Top Gun: Maverick - 381'798
2. Spider-Man: No Way Home - 251'468
3. Fantastic Beasts 3 - 250'102
4. Uncharted - 225'581
5. The Batman - 215'560
6. Doctor Strange 2 - 200'324
7. Sing 2 - 134'429
8. Jurassic World: Dominion - 132'624
9. Sonic the Hedgehog 2 - 124'934
10. The Bad Guys - 121'167

«Top Gun: Maverick»
«Top Gun: Maverick» © Paramount Pictures

Woran liegt es?

Gegen die Erfolge von Blockbustern ist nichts einzuwenden, sind sie doch seit den Siebzigern und den durchschlagenden Erfolgen von Jaws und Star Wars das Rückgrat der Kinoindustrie. Doch es scheint so, als würden sich Frau Schweizerin und Herr Schweizer seit einem Jahr fast nur noch diese Filme im Kino ansehen.

Woran liegt das? Trauen sich die Personen, die normalerweise die Arthouse-Kinos aufsuchen, noch nicht zurück in die Säle? Oder sagen sich viele, dass man nur noch die grossen Kisten auf der grossen Leinwand sehen muss und man den Rest zu Hause im Streaming schauen kann? Immerhin haben sich ja viele während den Lockdowns Netflix, Disney+ und Co. angeschafft. Ist das Kino im Gegensatz dazu zu teuer geworden? Ist es vielleicht ein Generationenproblem und das jüngere Publikum schaut sich das meiste einfach in den eigenen vier Wänden an - im schlimmsten Fall auch noch ohne etwas dafür zu bezahlen? Diese Fragen muss jede und jeder selbst beantworten.

«Un monde»
«Un monde» © Dragons Films

Fakt ist jedoch, dass unabhängige Schweizer Filmverleiher und Kinos wegen dem wegbleibenden Publikum schwere Zeiten durchmachen. Wie den Publikumsschwund rückgängig machen? Wird es etwa bald so sein - wie von Steven Spielberg prophezeit -, dass die Lichtspielhäuser zu reinen Blockbuster-Tempeln werden und kleinere Filme nur noch an Filmfestivals auf Publikumsjagd gehen können? Denn an solchen sind die Säle jeweils voll.

«Dann wollen wir mal den kleinen Filmen etwas unter die Arme greifen»

Darauf wollen wir es bei OutNow nicht ankommen lassen und laniceren deshalb die Artikelreihe «OutNow Spotlight», in der wir jeweils am Mittwoch den Neustart eines kleineren Filmes herausheben und ins Scheinwerferlicht rücken möchten. Wer also den Blockbuster der Woche schon gesehen hat und noch Lust auf Kino oder grad keinen Bock auf die grossen Leinwandspektakel hat, erhält so einen Tipp für einen kleinen, aber ganz feinen Film.

So möchten wir unseren Beitrag dazu leisten, dass solch fantastische Filme wie Un monde (1'213 Tickets), Soul of a Beast (5'444), El Buen Patron (6'103), Everything Everywhere All at Once (momentan erst bei 7'720) und The Worst Person in the World (9'063) wieder ein grösseres Publikum finden.

Denn Kino ist nicht nur toll, wenn es chlöpft und tätscht, sondern auch wenn es berührt und einen zum Denken anregt. Was für Actionfilme gilt, gilt auch für Komödien, Dramen und Horror: Ein Kino verstärkt auch durch diese Filme ausgelösten Emotionen und macht diese einfach besser.

«Illusions Perdues» macht den Anfang

Zum Start empfehlen wir euch den siebenfach mit dem César ausgezeichneten Historienfilm Illusions perdues mit Benjamin Voisin, Cécile De France, Vincent Lacoste, Xavier Dolan und Gérard Depardieu.

Alles, was ihr zu diesem Filmhighlight wissen müsst.

Chris Schelb [crs]

Chris arbeitet seit 2008 für OutNow und leitet die Redaktion seit 2011. Seit er als Kind in einen Kessel voller Videokassetten gefallen ist, schaut er sich mit viel Begeisterung alles Mögliche an, wobei es ihm die Filmfestivals in Cannes und Toronto besonders angetan haben.

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