Chris' (Prä-)Historie des Saurierfilms: Auf den Spuren von «Jurassic Park»

Derzeit toben die Dinosaurier wieder auf der Leinwand. Im Zuge dessen hat Outnow-Dino-Nerd Chris die Zeit zurückgedreht und blickt auf die lange Geschichte des Dinosaurier-Films zurück.

Bild aus «Jurassic World: Dominion» © Universal Pictures International Switzerland

In der ersten Ausgabe von «Chris' (Prä)historie des Saurierfilms» werfen wir einen Blick auf die prägendsten Filme des Dinosaurierfilms, die zu dem immensen Erfolg des ersten «Jurassic Park»-Teils 1993 geführt haben. Also, Zeitmaschine anschmeissen und los geht's.

The Lost World

USA, 1925
Regie: Harry O. Hoyt
Cast: Wallace Beery, Bessie Love, Lloyd Hughes

Über den Film

Bereits für den ersten abendfüllenden Auftritt von Dinosauriern im Film hat man alle Register gezogen. Als Vorlage diente der gleichnamige Abenteuerroman aus der Feder von Sherlock-Holmes-Erfinder Sir Arthur Conan Doyle. The Lost World handelt von einer Gruppe Abenteurer, die auf einem südamerikanischen Hochplateau nach lebenden Dinosauriern suchen - und sie selbstverständlich auch finden und fortan um ihr Leben kämpfen müssen.

Der wahre Star des Filmes ist zweifellos Stop-Motion-Pionier Willis O'Brien. Er zauberte unzählige Dinosaurier auf die Leinwand, inszenierte blutige Duelle und gar eine Stampede während eines Vulkanausbruchs. Ein Spektakel, dass seinerzeit übrigens selbst Showmagier Harry Houdini verblüffte.

Aus heutiger Sicht mag der Stummfilm antiquiert wirken, übt aber immer noch eine Faszination aus, die Filmschaffende und Dinofans gleichermassen begeistert und Wegbereiter war für vieles, was in heutigen Monsterfilmen gang und gäbe ist. Das für den Film abgeänderte Finale, das einen Brontosaurus in London Amok laufen und ganze Häuserzeilen zum Einsturz bringen lässt, bildete beispielsweise die Grundlage für die ganzen Zerstörungsorgien, welche Godzilla und Co. in späteren Dekaden so berühmt gemacht haben.

The Lost World wurde im Verlauf der Jahrzehnte mehrfach neu verfilmt und interpretiert und diente Willis O'Brien quasi als Fingerübung für sein nächstes Filmmonster, das wohl allen Cineasten ein Begriff sein dürfte: King Kong.

Chris' Meinung

Dieser antike Schinken verblüfft mich immer wieder aufs Neue. Sieht man von Texttafeln und Blackfacing ab, hat man hier einen modernen Blockbuster - mit fast 100 Jahren auf dem Buckel. Du willst Dinos? Hier kriegst du sie. Zwar etwas hüftsteif und antiquiert, aber trotzdem beeindruckend in ihrer Menge und Details.

Fantasia

USA, 1940
Regie: diverse

Über den Film

Der Disney-Konzertfilm Fantasia ist eine Collage aus verschiedenen Trickfilmsequenzen, die mit klassischer Musik unterlegt werden. Zwischen Ballett-tanzenden Krokodilen und einem schusseligen Mickey Maus als Zauberlehrling blieb vielen Kids wohl vor allem eine Sequenz im Gedächtnis: die Entstehung des Lebens. In einer rund 22-minütigen Episode, untermalt von Igor Strawinskys «Le Sacre du Printemps» erleben wir die Ära der Dinosaurier bis zu ihrem Untergang. Wer Disney-typische Niedlichkeit erwartet, kommt auf die Welt. Die Saurier wurden - nach damaligem Stand der Wissenschaft - realistisch gestaltet und präsentieren sich als meist plumpe, aber furchteinflössende Kreaturen.

Eindrücklich animiert, zeigt die Sequenz nebst nistenden Flugsauriern sowie einem gnadenlosen Kampf zwischen einem Stegosaurus und einem Tyrannosaurus auch das Massensterben mit elendig verreckenden Urzeitviechern. Albträume garantiert.

Chris' Meinung

Klassische Musik und Dinos, für den Kiddie-Chris damals eine unschlagbare Kombi. Und ist es auch heute noch. Geärgert hat Kiddie-Chris lediglich, dass der Tyrannosaurus drei Finger hatte statt deren zwei - und nie mit Stegosaurus zusammengelebt hat. So jung und schon ein Klugscheisser.

The Beast from 20,000 Fathoms - Panik in New York

USA, 1953
Regie: Eugène Lourié
Cast: Paul Hubschmied, Paula Raymond, Cecil Kellaway

Über den Film

Nach Atombombentests in der Arktis erwacht ein tiefgefrorenes Ungeheuer aus grauer Vorzeit. Der übergrosse Dinosaurier überquert die Meere und geht in New York an Land, wo es für Angst und Zerstörung sorgt.

Klingt nach Godzilla? Richtig. Ist es aber nicht. Denn ein Jahr bevor Japans berühmtestes Ungeheuer seine Erfolgsgeschichte antrat, hat Willis O'Briens Protegé Ray Harryhausen mit seinem erfundenen Rhedosaurus den Archetyp des «Monster legt Stadt in Schutt und Asche»-Films geschaffen. Als Grundlage diente die Kurzgeschichte «The Fog Horn» von Sci-Fi-Autor Ray Bradbury.

Chris' Meinung

The Beast from 20,000 Fathoms - Panik in New York liefert genau das, was Monsterfans wollen: viel Krawall. Genretypisch gehen einem die menschlichen Protagonisten komplett am Poppes vorbei und auch sonst hat der Film abseits der für damalige Verhältnisse beeindruckenden Special Effects relativ wenig zu bieten. Aus (prä)historischer Sicht aber definitiv einen Blick wert.

One Million Years B.C.

UK, 1966
Regie: Don Chaffey
Cast: Raquel Welch, John Richardson, Robert Brown

One Million Years B.C. ist das Remake des deutlich zahmeren Films von 1940, folgt aber derselben papierdünnen Story: Romeo und Julia in der Steinzeit. Mit Dinos.

Über den Film

Der Film ist in vielerlei Hinsicht kompletter Quatsch, die Prämisse behämmert und das Schauspiel kaum der Rede wert. One Million Years B.C. begeistert aber mit Schauwerten der anderen Art. Der Film hat wohl so manch pubertierenden Jungen ins Grübeln gebracht, was er denn nun faszinierender findet. Die einmal mehr hervorragend getricksten Stop-Motion-Dinos von Effektmeister Ray Harryhausen oder die perfekt aufgetakelten und spärlich bekleideten Urzeit-Schönheiten mit Postergirl Raquel Welch an der Spitze?

Chris' Meinung

Kann man über «Dialoge» in einer ulkigen Fantasiesprache und einige Längen hinwegsehen, kriegt man hier ein paar tolle Dino-Sequenzen zu sehen. Besonders hervorzuheben ist die Szene, in der ein diabolisch grinsender Allosaurus ein Urzeit-Dorf auseinandernimmt. Nur schade, erwischt er das nervig schreiende Kind nicht, das sich dumm plärrend in einem Baum versteckt.

The Land Before Time - In einem Land vor unserer Zeit

USA, 1988
Regie: Don Bluth
Voice-Cast: Pat Hingle, Gabriel Damon, Judith Barsi

Über den Film

Oh Boy, noch so ein Film, der eine ganze Generation von Kindern geprägt - und traumatisiert - hat. Der Brontosaurus-Junge Littlefoot irrt nach dem Tod seiner Mutter durch das Gebiss eines Tyrannosauriers (aka Scharfzahn) durch eine sterbende und finstere Landschaft. Zusammen mit einer wild zusammengewürfelten Truppe von anderen Dino-Kids sucht er das «Grosse Tal», den einzigen grünen Ort in dieser von Vulkanen und Erdbeben zerstörten Welt. The Land Before Time ist herzerwärmend erzählt und wunderschön animiert. James Horners atmosphärischer Soundtrack tut sein Übriges.

Dem nur knapp 70 Minuten langen Animationsfilm gelingt der Spagat, eine schöne Geschichte über Freundschaft und Zusammenhalt zu erzählen, ohne ins Kitschige abzudriften. Das liegt auch an teils düsteren Szenen, an die sich heute wohl kein Kinder-Trickfilm mehr trauen würde.

Obwohl in den Folgejahren eine ganze Flut von Fortsetzungen aus der kreativ ausgetrockneten Ursuppe geschöpft wurden, bleibt das Niveau dieses Meisterwerks unerreicht. Der Film hat nicht nur Kinder begeistert, sondern auch Co-Produzent Steven Spielberg mit dem Dinofieber angesteckt. Denn wenige Jahre später begann er mit den Vorbereitungen für seinen ersten eigenen Dinofilm: Jurassic Park

Chris' Meinung

Ach, was hab ich damals geheult - als mein heiss geliebter Scharfzahn am Ende des Films in den Tod stürzte. Die VHS-Kassette lief damals in der Endlosschleife und eine jüngste Sichtung bewies: Der Film hat den (Scharf-)Zahn der Zeit überdauert und begeistert noch heute.

In der nächsten Ausgabe von «Chris' (Prä)historie des Saurierfilms» gräbt Chris noch etwas tiefer und präsentiert einige der kultigsten Dinofilme.

Chris Bucher [chb]

Chris ist ein Luzerner Filmemacher, Journalist und leidenschaftlicher Gamer. Er mag alles, was mit Horror zu tun hat. Seine Devise lautet: Je morbider, desto besser. Für OutNow schreibt er seit 2019 regelmässig Reviews. Er hat eine Schwäche für alte Dinosaurierfilme.

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