36. Festival International du Film de Fribourg: Die Welt zu Gast

Vom 18. bis zum 27. März 2022 fand die 36. Ausgabe des Filmfestivals von Fribourg statt. Das vielseitige Programm bot Entdeckungen sowie Klassiker. Freelancerin Teresa war für OutNow vor Ort.

«La Civil» © Menuetto Film

Vom 18. bis 27. März 2022 fand das Festival International du Film de Fribourg statt. Das Festival richtet jeweils einen Wettbewerb für Langfilme und einen für Kurzfilme aus. Im ersten konkurrierten 12 Spielfilme, die meisten Co-Produktionen aus mehreren Ländern, gegeneinander. Ausnahmslos alle Filme wurden in Fribourg als Schweizer Premieren gezeigt. Noch hat keiner von ihnen einen bestätigten Kinostart in der Schweiz. Es war also eine wertvolle Gelegenheit, Titel mit einer gewissen Exklusivität zu sehen. Wiederkehrende Themen der Filme waren Familie, individuelle existentielle Krisen und der damit verbundene Mut.

In La Civil, der letztes Jahr in Cannes uraufgeführt wurde, kämpft eine Mutter in Mexiko dafür, ihre von einem Drogenclan entführte Tochter wiederzufinden. Sie wirbelt ziemlich viel Staub auf. Für seinen Sohn tut der ehemalige Ringer Khali in Brighton 4th auch alles, aber in aller Bescheidenheit und Ruhe. Der Gegensatz zwischen diesen beiden Werken steht exemplarisch für die Vielfältigkeit der Werke. Die Stimmung und die Machart variieren von emotionalem Drama über spannenden Politthriller bis hin zu Musical, doch alle Filme verpflichten sich einer zeitlosen und allgemeingültigen solidarischen Botschaft.

Sowohl mit dem Kritiker*innen als auch mit dem Preis der Grand Jury wurde der ukrainische Film Klondike ausgezeichnet. Maryna Er Gorbach erzählt darin die Geschichte, inspiriert von wahren Ereignissen, einer jungen Frau, die sich 2014 in von den Russen besetzten Gebieten der Ukraine befindet und entscheiden muss, ob sie fliehen will oder nicht. Die Dringlichkeit des Stoffes hat dem Film in der aktuellen Zeit eine neue Relevanz gegeben.

Bereits in den beiden Wettbewerben fiel auf, dass das Festival eine Vorliebe für Genre hat. In den Nebensektionen wurde dies noch deutlicher beziehungsweise offen angegangen. So war eine Reihe Werken gewidmet, die sich mit einer eigenen Vorstellung von «Apokalypse» beschäftigen. Neben einigen Klassikern wie Soylent Green von Richard Fleischer, Stalker von Andrei Tarkovsky oder 12 Monkeys von Terry Gilliam, konnte man aktuellere Filme entdecken wie der ungewöhnliche «La terra die figli» von Claudio Cupellini von 2021, der in Fribourg seine Schweizer Premiere feierte. Insbesondere lohnte es sich aber The World, the Flesh and the Devil von Ranald MacDougall von 1959 auf der grossen Leinwand zu sehen, der auf frappante Weise an Aktualität kaum eingebüsst hat.

Das Festival bot all jenen etwas, die sich für asiatisches Kino interessieren. Es waren, wie das eher für das gesamte Programm gelten kann, keine ausgesprochene Autorenfilme vertreten - also die «klassischen» Festivalfilme, besonders verkopfte oder plakativ politische Werke mit einer offenen, essayistischen Form - doch war es möglich, Grossproduktionen zu erleben, die nur vereinzelt, wenn überhaupt, den Weg in die Schweizer Kinos finden werden.

Besonders gut repräsentiert war in dieser Ausgabe des Festivals Südkorea. Escape from Mogadishu von Abenteuer-Action-Star-Regisseur Ryoo Seung-wan (The Berlin File) war der Eröffnungsfilm. Südkorea reichte diese recht tendenziöse Reinterpretation der gemeinsamen Flucht der süd- und nordkoreanischen Botschafter aus Somalia 1991 für die Oscars ein, im eigenen Land feierte er exorbitante Erfolge. Spannend ist der Film wirklich, doch war es eine Fehlentscheidung des Festivals, ihn in einem 4DX-Saal zu zeigen. Nach zwei Stunden konnte es einem nur schlecht werden - fand man sich auch «körperlich» mitten in einem Kriegsgeschehen wieder. Statt das «Erlebnis» nachempfinden zu lassen, hätte sich der Film nämlich hervorragend für eine kritische Auseinandersetzung mit dem Inhalt angeboten. Die Darstellung der Nordkoreaner durch die Südkoreaner ist nur eines der Hauptthemen.

Im Langfilm-Wettbewerb waren gleich zwei koreanische Filme vertreten, die beim Festival sogar ihre Weltpremiere feierten. Das Musical Life is Beautiful von Choi Kook-hee, das zuweilen genauso kitschig ist wie der Titel andeutet, aber durchaus auch anrührend und humorvoll und die wirklich spannende Kriminalgeschichte Confession von Yoon Jong-seok, die mit sehr wenigen Mitteln auskommt, aber durch eine ausgeklügelte Struktur und der schauspielerischen Leistung der beiden Protagonisten besticht. Und schliesslich sorgten noch zwei Südkoreaner in der «Mitternachtsvorführungen» für einen Adrenalinschub: Die «Fast & Furious»-Abwandlung Special Delivery von Park Dae-min und der Horror-Episodenfilm «The Night Shift» von Jo Ba-reun.

Teresa Vena [ter]

Alles begann bei Teresa damit, dass sie, noch viel zu jung dafür, ihren Vater überzeugen konnte, «Gremlins» im Fernsehen schauen zu dürfen. Seitdem gehört absurder Humor und Spannung zu jedem guten Film dazu. Kino aus Asien und Lateinamerika, aber auch aus der Schweiz sind ihre Steckenpferde.

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OutNow