Das grosse Interview mit Oscar Isaac zu «Moon Knight»

Er war Pilot in Star Wars, hat in tollen Independent-Filmen mitgespielt und steigt jetzt ein in das grosse Marvel-Universum. Zum Launch von «Moon Knight» hat sich Oscar Isaac für uns Zeit genommen.

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In der neuen Marvel-Serie Moon Knight spielt Oscar Isaac gleich mehrere Charaktere, die sich einen Körper teilen. Was er vor seinem Engagement von dem Superhelden wusste, wie er mit Green Screen und Tennisbällen am Set umging, wer sein liebster Comic-Held als Kind war und was er neben Schauspielern und Musikmachen noch gut kann, hat er uns im Interview erzählt.

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OutNow: Hallo Oscar, was hast du von Moon Knight gewusst, bevor du mit dem Projekt in Verbindung gebracht wurdest?

Oscar Isaac: Nicht viel. Also eigentlich gar nichts. Ich habe zwar als Kind Comics gesammelt, aber dieser undurchsichtige Held war mir nicht bekannt.

OutNow: Und wie hast du dich denn auf diese Figur vorbereiten können?

Oscar Isaac: Ich musste natürlich viel recherchieren, wie es ist, mit verschiedenen Stimmen im Kopf zu leben. Eine grosse Hilfe war das Buch von Robert Aksman, der beschreibt, wie es ist, mit einer solchen Schwierigkeit zu leben. Ausserdem habe ich eine Dokumentation gesehen, in der eine Frau mit verschiedenen Stimmen und Wesen im Kopf über ihren Alltag erzählte. Das war sehr beeindruckend und sehr hilfreich.

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OutNow: In der Show ist den Charakter einige Male in der Situation, wo er über Leben und Tod entscheiden muss. Hattest du auch schon solche Erlebnisse?

Oscar Isaac: Glücklicherweise war ich noch nicht in einer solchen Lage und ich wüsste auch nicht, wie ich dann reagieren würde. Am ehesten würde ich wohl Ruhe bewahren können, aber ich möchte es eigentlich gar nicht herausfinden.

OutNow: Du warst im Star-Wars-Universum, jetzt bist du bei Marvel. Zudem machst du viele interessante Independent-Filme. Wo liegt der grösste Unterschied?

Oscar Isaac: Wir hatten bei Moon Knight glücklicherweise die Möglichkeit, Dinge mit dem Charakter zu probieren. Wir konnten Genres vermischen, Figuren biegen und die Geschichte so präsentieren, wie wir es für richtig gehalten haben. Das hast du bei grösseren Projekten weniger. Deshalb sind wir sehr froh, das man uns diese Chance gegeben hat.

OutNow: Hattest du selber Identitätsprobleme, nachdem du in der Serie einen solchen Charakter gespielt hast?

Oscar Isaac: Nein, eigentlich nicht. Das ist etwas, was wir in der Schauspielschule gelernt haben. Eine Figur erschaffen, das Drehbuch benutzen und somit den Charakter entwickeln. Das klappt noch heute sehr gut. Ich konnte die verschiedenen Charaktere gut voneinander trennen und hatte auch keine Probleme damit, nach Abschluss des Drehtages.

OutNow: In der Serie spielst du oft gegen Spiegelbilder oder Tennisbälle. War das eine grosse Herausforderung?

Oscar Isaac: Herausfordernd war es definitiv, denn es ist kein Traum eines Schauspielers, gegen einen Tennisball zu reden. Ich hatte während der ersten Wochen Marc und Steven (die beiden Charaktere, die Isaac in Moon Knight spielt) aufgeteilt. So haben wir mit dem einen gestartet und sind dann während des Drehs zum andern übergegangen. Mein Bruder, auch Schauspieler, hat dann jeweils die Figur gespielt, mit der ich agieren musste. So wurde es etwas angenehmer und ich konnte mich daran gewöhnen. Aber diese Art von Arbeit ist halt schon sehr aufwändig.

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OutNow: Wie hat dein Umfeld, deine Familie, reagiert, als du ihr mitgeteilt hast, dass du Moon Knight spielen würdest?

Oscar Isaac: Da die Figur nicht besonders bekannt war, gab es natürlich viele Fragen, aber dann grosse Aufregung und Freude. Ich habe auch die Figur des Steven Grant daheim ausprobiert und mit der Familie so gesprochen wie Grant. Sozusagen als Test für die Show. Erst als ich sah, dass diese Art daheim ankam, habe ich sie Regisseur Justin Benson vorgeschlagen, der sie gern in die Show übernommen hat.

OutNow: Leider ist Gaspard Ulliel, der in Moon Knight Auftritte hatte, kürzlich verstorben. Was hast du für Erinnerungen an ihn?

Oscar Isaac: Was für eine Tragödie. Dieser junge Mann war so bereit, seine Rolle zu spielen, war voll von Talent und ist jetzt nicht mehr unter uns. Ich bin so traurig über diesen Verlust.

OutNow: Du hast früher Comics gesammelt. Warst du oder bist du noch immer ein Nerd? Und was war dein Lieblingsheld?

Oscar Isaac: Ich würde mich nicht als Nerd bezeichnen, obwohl ich natürlich einer bin… Ich habe die X-Men-Comics immer geliebt und wir träumten davon, dass man diese Geschichten irgendwann mal verfilmen würde. Lustigerweise hat das ja geklappt und ich konnte in X-Men: Apocalypse sogar als eine meiner Lieblingsfiguren mitspielen. Der andere Liebling war natürlich Wolverine.

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OutNow: Wie vertraut bist du mit der Geschichte und Kultur von Ägypten?

Oscar Isaac: Die Macher haben für die Serie extra einen ägyptischen Filmemacher (Mohamed Diab) engagiert, der dafür sorgte, dass die Authentizität jederzeit gewährleistet war. Für mich ist es weniger die Mythologie, die interessant ist, als die Kultur. Sie hat diesen bestimmten Rhythmus, der für uns immer irgendwie mysteriös und interessant klingt und den wir nicht richtig einordnen können. So eine Art Musikstil, der für uns nicht gewohnt ist und deshalb umso interessanter wirkt.

OutNow: Mohamed Diab war komplett neu in diesem Marvel-Universum. Hattest du ihm Ratschläge geben können?

Oscar Isaac: Das war eigentlich gar nicht nötig, denn er hat von Beginn weg ein grosses Vertrauen ausgestrahlt. Aber es war eine harte Zeit für ihn, da er von kleineren Produktionen kommt und eine andere Gangart gewohnt ist. Das Tempo dieser grossen Produktionen ist so brutal, dass er nach ein paar Monaten schlichtweg erschöpft war, weil er so viele Dinge gleichzeitig bearbeiten musste. Das war er nicht gewohnt. Aber er hat mit viel Gefühl seine Vision umgesetzt, was wir vor allem in der ersten Episode zu spüren bekommen.

OutNow: Hand aufs Herz, bist das immer du im Kostüm, wenn es zur Sache geht?

Oscar Isaac: Sagen wir mal, es ist etwa 50/50. Bei Nahaufnahmen bin ich es und bei den gefährlichen Dingen ist ein Mitglied des tollen Stuntteams im Kostüm.

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OutNow: Würdest du lieber nochmals einen Star-Wars-Film drehen oder nun einen mit Moon Knight?

Oscar Isaac: Nun ich habe Poe Dameron ja dreimal gespielt, das sollte eigentlich reichen. Von daher ist natürlich Moon Knight aktuell interessanter. Zumal ich dort ja mehr als einen Charakter spiele und wir noch jede Menge Luft nach oben haben, was Geschichten und Entwicklungen angehen.

OutNow: Du bist in Moon Knight als «Executive Producer» aufgeführt. Wie sehr warst du denn überhaupt involviert?

Oscar Isaac: Ich war sehr involviert. Ich wollte das so, weil mir das Projekt so am Herzen liegt und die Herren von Marvel mich mit offenen Armen willkommen hiessen. So war ich schon am Anfang bei diversen Entscheidungen dabei und wurde im Lauf der Dreharbeiten zum Produzenten. Das hat mir grossen Spass gemacht und ich habe noch nirgends soviel Einfluss genommen wie hier. Ich werde zwar immer wieder als Produzent aufgeführt, aber in Moon Knight war ich sicher am meisten beschäftigt.

OutNow: Worin bist du richtig gut und was kannst du nicht besonders?

Oscar Isaac: Haha, ich bin eigentlich in den meisten Dingen nicht gut. Vielleicht Schauspielern und Musik machen ausgenommen. Oder Pingpong, da bin ich stark! Aber alles andere, das kannst du vergessen.

OutNow: Warum kommt Moon Knight als Streamingserie und nicht als Kinofilm?

Oscar Isaac: Wir sind sehr glücklich mit diesem Schritt, weil wir so viel mehr Platz für Experimente haben. Da ist kein Druck vom Box-Office und wir können das schräge und psychologische Drama der Hauptfigur besser entwickeln lassen. Wir kriegen mehr Raum für unsere Visionen und wollen diese auch ausnützen.

OutNow: Besten Dank für deine Zeit Oscar und viel Erfolg mit Moon Knight!

Die sechsteilige Miniserie Moon Knight ist ab dem 30. März 2022 exklusiv auf Disney+ zu sehen. Bis zum 4. Mai 2022 wird immer mittwochs eine neue Folge dazukommen.

Dani Maurer [muri]

Muri ist als Methusalem seit 2002 bei OutNow. Er mag (fast) alles von Disney, Animation im Allgemeinen und Monsterfilme. Dazu liebt er Abenteuer aus fremden Welten, Sternenkriege und sogar intelligentes Kino. Nur bei Rom-Coms fängt er zu ächzen an. Wobei, im IMAX guckt er auch die!

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