«Turning Red»: Das Interview mit Visual Effects Supervisor Danielle Feinberg

Danielle Feinberg ist die erste Frau in 20 Jahren, die bei Pixar die Stelle des Visual Effects Supervisor innehat. Wir sprachen mit ihr über mühsame Umarmungen, Animes und «Spider-Verse».

«Turning Red» © Disney/Pixar

Viele können sich nicht vorstellen, wie mühsam selbst kleinste Dinge bei der Produktion eines Animationsfilmes sein können. Was war das grösste «Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie schwierig das war»-Problem, das ihr bei Turning Red lösen musstet?
Ein grosses Problem war sicherlich, dass wir wegen der Pandemie viel von zuhause aus arbeiten mussten. Aber um ein spezifisches Problem bei der Animation zu nennen, muss ich das Umarmen erwähnen. Auf den von Hand gezeichneten Storyboards sieht das alles so einfach aus. Aber wenn man dies dann animiert, muss man viele Dinge beachten, die sich bei einer simplen Umarmung verändern müssen - vor allem, wenn dann noch Haare eines roten Pandas involviert sind.

Du bist die erste Frau in 20 Jahren, die bei Pixar die Stelle des Visual Effects Supervisor innehat. Was bedeutet dir dies?
Es bedeutet mir sehr viel. Besonders weil ich immer versuche, Mädchen für mathematische Wissenschaft und Technologie zu begeistern. Jetzt diese Stelle zu haben, ist wunderbar. Auch um aufzuzeigen, dass der Mut, diesen Karriereweg zu bestreiten, sich nun ausgezahlt hat.

«Turning Red»
«Turning Red» © Disney

Im Film gibt es ein paar Cringe-Momente. Wie hält es das Animationsteam aus, an diesen Szenen wochenlang zu arbeiten?
Es war lustig. Oftmals haben wir uns gefragt, ob wir mit diesen Szenen durchkommen und sie dann wirklich im fertigen Film sein werden. Es war sicherlich auch ein Trost, dass diese Cringe-Momente nicht uns passierten. (Lacht) Die letzten zwei Jahre waren wegen der Pandemie nicht wirklich toll und so war es schön, dass wir uns mit dieser urkomischen Geschichte ablenken konnten - und die Cringe-Szenen waren da sozusagen das Ablenkungs-Sahnehäubchen obendrauf.

Der Animationsstil von Turning Red erinnert immer wieder an Animes. War es schwierig, die 2D-Welt der Animes in die 3D-Animationswelt von Pixar zu bringen?
Ja, das war es wirklich. Wir bei Pixar versuchen bei unseren Animationen zwar nie fotorealistisch, aber trotzdem glaubhaft zu sein, sodass man sich mit den Figuren identifizieren kann. Aber was ist, wenn die Figuren jetzt plötzlich Sterne in den Augen haben. Sieht das dann so aus, als hätten sie Sticker auf den Augen? Wie sollen wir das bloss machen? Das braucht sehr viel Zeit, Herumexperimentieren und Kreativität, bis man so etwas simpel Klingendes in eine komplexe 3D-Welt hineingebracht hat - ohne, dass es das Publikum aus dem Film wirft. Es war eine Herausforderung für alle Departemente.

«Spider-Man: Into the Spider-Verse»
«Spider-Man: Into the Spider-Verse» © Sony Pictures Releasing Switzerland GmbH

Wurdet ihr auch ein bisschen von Spider-Man: Into the Spider-Verse inspiriert/angestachelt, deren Macher Comicbuch-Kunst in einen 3D-Film gebracht haben?
Als Comic-Fan hat mich «Spider-Verse» schlicht umgehauen. Die haben sich wirklich selbst übertroffen. Für alle, die mit Animation zu tun haben, sind solche Filme äusserst motivierend. Filme, die den Animationsfilm auf eine neue Art nutzen. Dies hat uns sehr angesprochen und so wollten auch wir neue Dinge ausprobieren. So sind bei Turning Red die Kamerabewegungen so, als wäre die Kamera selbst eine eigene Figur. Das fügt eine weitere Ebene an Humor dazu.

Turning Red (dt. Titel: «Rot») ist ab sofort auf dem Streamingdienst Disney+ abrufbar.

Chris Schelb [crs]

Chris arbeitet seit 2008 für OutNow und leitet die Redaktion seit 2011. Seit er als Kind in einen Kessel voller Videokassetten gefallen ist, schaut er sich mit viel Begeisterung alles Mögliche an, wobei es ihm die Filmfestivals in Cannes und Toronto besonders angetan haben.

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