«Die schwarze Spinne»: Das Interview mit Regisseur Markus Fischer

Im Gespräch mit OutNow spricht Fischer über Stolpersteine, die Angst vor Spinnen und weshalb sich die Leute dieses Mystery-Drama made in Switzerland unbedingt ansehen sollten.

Regisseur Markus Fischer © 2022 Ascot Elite Entertainment Group. All Rights Reserved.

Jeremias Gotthelfs Novelle «Die Schwarze Spinne» gibt es ja seit 1842. Wann sind Sie der Geschichte zum ersten Mal begegnet?
Ich habe die Novelle vor vielen Jahren mal gelesen und ich suchte nach einem historischen Filmstoff. Da ist mir mir Gotthelfs Novelle wieder in den Sinn gekommen, und die Gotthelf-Geschichte hat mich auch sofort wieder gepackt. Die Novelle ist in einem stark religiösen, moralistischen Kontext geschrieben, und ich habe mich gefragt, ob wir nicht eine moderne Kinoerzählung für die grosse Leinwand entwickeln können.

Wer hat Ihnen bei der Suche danach geholfen?
Ich habe die Drehbuchautoren Plinio Bachmann und Barbara Sommer gefunden. Mit ihnen habe ich bereits schon zusammengearbeitet. Zusammen fokussierten wir auf das Herz der Novelle: den Pakt mit dem Teufel. Der Stimmung der Novelle wollte ich zwar treu bleiben, aber die Autoren hatten sehr tolle, neue Ideen für eine moderne Kino-Umsetzung des historischen Stoffs. Christine - eine herausragende (Lilith Stangenberg) ist bei im Film keine Fremde, keine Zugezogene, sondern die Hebamme des Dorfs. Sie ist nun jene, die mithilft, die ungetauften Kinder auf die Welt zu bringen - auf die es der leibhaftige Teufel eben abgesehen hat.

Der Film ist etwas düster und hat gewisse Horror-Elemente. Was waren Ihre Gedanken dazu?
Nein, kein Horrorfilm, es ist eher ein Mystery-Drama um Unterdrückung, Schuld, Rache und Sühne. Mein Vorbild war da der erste Alien-Film, wo man das Ungeheuer kaum sieht, es ist meist in den Köpfen und Fantasie der Zuschauerinnen, das ist für mich die beste Spannung - aber am Ende ist sie dann schon auch da, die Spinne.

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Gab es während dem Dreh grössere Unterbrüche oder oder Stolpersteine?
Wir konnten den Film während der Pandemie ganz ohne «Verseuchung» drehen. Wir waren auch fast die einzigen, die noch produziert haben. In Ungarn lag alles still. Schade war ein wenig, das wir den Film nicht im Emmental haben drehen können. Dafür haben wir die Burgdorfer Bartholomäuskirche nach Ungarn geholt und im Studio nachgebaut.

Kann man diese Kirche also in der Schweiz anschauen?
Ja, in Burgdorf neben dem Siechenhaus. Und sie ist auch aus dem Mittelalter. Aber um das Emmental und die Berner Alpen in seiner Schönheit zu zeigen, haben wir diese Landschaft und das Schluss und die Burgen in der Post-Produktion hinzugefügt. Das Emmental im dunklen Mittelalter darzustellen, war eine besondere Herausforderung.

Wie stehen Sie persönlich zum Mysteriösen?
Ich liebe das Genre. Damit kann man sehr spannende Geschichte erzählen und spannende Geschichten interessieren mich im Kino und im Leben. Man schaut viel stärker hinter die Kulissen des Bösen. Hier haben wir den Ritter Hans von Stoffeln (der grossartige Ronald Zehrfeld), welcher über ein durch blutige Schlachten verursachtes Trauma erkrankt ist. Solche Charaktere kann man so vertieft erzählen. Und die Schlacht gegen die Mongolen mit König «Heinrich dem Frommen» gab es wirklich. So kommt auch der Krieg nach Sumiswald, auch wenn nur in den Albträumen von Hans von Stoffeln.

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Wie haben sich die Schauspieler auf die Rollen vorbereitet?
Lilith Stangenberg, Ronald Zehrfeld, Nurit Hirschfeld, Marcus Signer, Ueli Jäggi, Fabian Krüger undsoweiter sind alles Top-Schauspieler. Wir führten intensive Rollengespräche. Das Schwerste war, in die reale Welt aus dem 13. Jahrhundert zu kommen. Da helfen Kostüm und Maske natürlich mit.

Haben sich alle wohl gefühlt?
Ja. Alle haben alles gegeben. Lilith Stangenberg geht in ihrer Rolle durch die Hölle. Sie rief ihrer Agentur an und sagte: «Diese Rolle muss ich haben!» Und Nurit Hirschfeld, die Christines Zwillingsschwester Maria spielt, ist das perfekte Pendant zu Lilith. Diese beiden Kämpferinnen prägen den Film enorm. Nurit ist zwar noch eine Newcomerin, aber ihr Talent ist unbestritten. Leider wird sie, die auch noch Sängerin ist, von der Presse noch zu wenig beachtet, aber man wird noch viel von ihr hören.

Der im Jahr 2015 verstorbene Schauspieler Matthias Gnädinger spielt in vielen Ihrer Produktionen mit. Hätten Sie sich Ihn in «Die schwarze Spinne» auch gewünscht, und falls ja, in welcher Rolle?
Er hätte schon versucht, für ihn eine Rolle zu finden. Aber im Mittellalter wurde man kaum älter als 50. Auch mit Ueli Jäggi (spielt im Film den Pater) habe ich auch schon viele Filme gemacht. In «Brandnacht» hat er an der Seite von Bruno Ganz auch bereits den Pfarrer gespielt. Da wollte ich ihn hier auch gerne wieder als Pfarrer, der Kreis war geschlossen. Wir sind fast so eine Art Filmfamilie geworden über die Jahre.

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Menschen, die Angst vor Spinnen haben, können bei gewissen Szenen etwas ins Zittern geraten. Haben Sie selbst Angst vor Spinnen?
Nein. Gar nicht. Ausserdem werden die Spinnen im Film sehr subtil eingesetzt, sie sind animiert und verkörpern nicht den Horror, eher sind die das Symbol für Angst, Verrat und Tod.

Wann hat die Produktion von Die schwarze Spinne begonnen?
Vor sechs Jahren hatte ich die Idee dazu, vier Jahre arbeiteten wir am Drehbuch und an der Entwicklung. Zuerst wollten wir in Burgdorf drehen, mussten dann nach Luxemburg ausweichen, das entsprach aber nicht ganz unseren Vorstellungen. Dann folgte Tschechien, und in Ungarn wurden wir fündig, wo auch die grossen, internationalen historischen Filme gedreht werden, auch aktuelle Netflix-Serien wie Barbarians oder Witcher. Nebenbei: Wir durften in einem Witcher-Set drehen. Für Schweizer Verhältnisse hatten wir hier schon ein wenig Hollywood.

Können Sie sich vorstellen, auch andere Märchen oder Sagen aus der Schweiz zu verfilmen?
Klar. Geschichten hätte es genug bei uns, aber in der Schweiz wäre es aufgrund der finanziellen und technischen Mittel nicht mal möglich gewesen, Die schwarze Spinne zu drehen, die ungefähr fünf Millionen gekostet hat. Da hat man auch von der Kostenstruktur her in Ungarn ganz andere Möglichkeiten. Was ich immer gerne machen wollte, war das «Totenschiff» von B. Traven. Oder man kennt ja die Sage der Teufelsbrücke aus dem Kanton Uri.

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Und wie geht es jetzt mit Ihnen weiter?
Wir machen nun mit dem Cast und der Crew eine Kino-Tour durch die Schweiz. Dabei wollen wir unseren Film persönlich präsentieren und Fragen aus dem Publikum beantworten. Die Leute hier wissen fast alle, dass es diese «schwarze Spinne» gibt. Sie haben sie noch aus der Schulzeit in ihren Köpfen, und ich wollte eine Verfilmung des Stoffs, wie es dies in dieser Form als Schweizer Film noch selten gegeben hat. Auch ist ein Programm für Schulklassen erarbeitet worden. Es wird auf jeden Fall ein spannender Ausflug der Schülerinnen und Schüler ins Kino.

Warum sollte jeder den Film gesehen haben? Was sagt der Film aus?
Das Publikum kann eintauchen in eine unbekannte, faszinierende Welt des Mittelalters in der Schweiz, wie man es ja noch nie gekannt hat. Weiter gibt der Film die «Message» mit auf den Weg, dass man sich selber, bei allem was man tut, bewusst sein muss, mit wem man im Leben nicht Geschäfte machen sollte. Wir machen es aber ganz ohne moralischen Zeigefinger. Und noch etwas: Mit dem eigenen, inneren «Bösen» müssen wir uns auch selber manchmal auseinandersetzen. Da muss man halt, wenn man sich für den «Teufel» entscheidet, auch die Konsequenzen tragen.

Die schwarze Spinne läuft ab dem 10. März in den Deutschschweizer Kinos.

© Ascot Elite

Sandro Götz [goe]

Sandro bringt seit 2021 für OutNow seine Worte auf den Bildschirm. Sein erster Kinofilm, «The Lion King», hat den Löwen in ihm geweckt. Seither liebt und lebt er alles, was mit dem Thema Film zu tun hat. Auch für Videospiele ist er stets zu begeistern und daddelt gerne auf Controllern rum.

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