«Euphoria» - Season 2: So ist Folge 3

Die zweite Staffel scheint einen echten Steigerungslauf hinzulegen. Nach der schon starken zweiten Episode wird diese in der dritten - u.a. mit einem Blick in die Vergangenheit - nochmals getoppt.

© Sky Show

Was wissen wir eigentlich genau über Figuren in Filmen und Serien? Natürlich nur, was uns die Macherinnen und Macher während der Spielzeit über sie mitteilen und dabei auch unsere Empathie steuern. Vor der dritten Episode der zweiten Staffel war so Cal Jacobs einfach nur der strenge Vater von Nate, der einige Leichen im Keller hat. Wie es jedoch in ihm drinnen aussieht, das enthüllt nun eben diese Episode - und fügt damit noch einmal ein Puzzleteil hinzu, welches das Gefühlschaos in den Köpfen der Euphoria-Fans nochmals ein Stück verkompliziert.

Gezeigt wird dies anhand eines fast 14-minütigen Flashbacks, während dem sich der hier Schreibende immer wieder sehr alt fühlte. Wir sind nun 2022 in einem Jahr angelangt, in denen Väter auf ihre Jugend zurückblicken, in denen sie - wie ich - unter anderem Lenny Kravitz' «It Ain't Over 'Til It's Over» gehört haben. Entschuldigt, ich muss kurz überprüfen gehen, ob ich schon graue Haare auf dem Kopf habe.

So, bin wieder zurück. Der Blick zurück in die Neunziger überzeugt aber nicht nur durch den Soundtrack und die Frisuren, sondern auch mit einer emotionalen Tiefe. Mist, jetzt fühlen wir auch noch mit einer Person mit, die wir zuvor als Arschloch abgestempelt haben.

Als wäre das nicht schon genug kompliziert, scheint zwischen Rue, Jules und Elliot eine Dreieckskiste zu entstehen, bei welcher der Ausgang mehr als nur unsicher ist. Mögen tun wir dabei irgendwie alle drei Figuren und es wird schmerzen, eine von ihnen unglücklich zu sehen. Am einfachsten zu verkraften wäre das am ehesten noch bei Zendayas Rue, die ein paar Sympathiepunkte in der neusten Episode verspielt. Nach ihrem heftigen Rückfall in ihre Drogensucht stellt sie nun Bemühungen an, selbst ein Dealer im grossen Stil zu werden. Das kann ja nur schiefgehen.

Apropos schiefgehen: Es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, bis das Liebesdreieck zwischen Maddy, Nate und Cassie in Tränen enden wird. Im Gegensatz zur anderen Dreiecksgeschichte scheint das aber nicht die gleichen Emotionen auszulösen. Für das ist Maddy zu oberflächlich und Nate weiterhin zu hassenswert. Deshalb wäre es gut gewesen, wenn Cassie die Wahrheit wirklich an Maddys Kopf geschleudert hätte und dies nicht wieder so ein unsäglicher «Aber genau das, was wir euch jetzt gezeigt haben, ist eben nicht passiert»-Moment gewesen wäre.

Am stärksten ist diese Episode aber nicht mit dem Drama, sondern mit dem Humor. Wie Rue mit Fourth-Wall-Breaks eine Lektion über Drogenrückfälle gibt und Lexi uns hinter die (wortwörtlichen) Kulissen ihres Lebens blicken lässt, ist einfach verdammt lustig.


Euphoria gibt es auf Englisch mit englischen Untertiteln im Entertainment-Pass von Sky Show, der pro Monat 14.90 Franken kostet. Die deutsche Synchronfassung soll auf Sky im April folgen. Die Episode gibt es aber auch während der kommenden 13 Tage gratis zum Streamen in der Mediathek des Westschweizer Senders RTS un. Als Sprachfassungen stehen Englisch und Französisch zur Verfügung.

Zur dritten Episode in der RTS-Mediathek.

Chris Schelb [crs]

Chris arbeitet seit 2008 für OutNow und leitet die Redaktion seit 2011. Seit er als Kind in einen Kessel voller Videokassetten gefallen ist, schaut er sich mit viel Begeisterung alles Mögliche an, wobei es ihm die Filmfestivals in Cannes und Toronto besonders angetan haben.

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