«Emily in Paris - Staffel 2» oder: Je ne veux pas travailler

Emily is back! Farbiger, französischer und mit fantastischem Haar (wirklich, ihre Locken halten sogar einem ganzen Nachmittag im Dampfbad stand)! Der Überraschungshit von 2020 geht in die 2. Runde.

© Netflix

Emily (Lily Collins) arbeitet für eine amerikanische Marketingfirma. Als sie nach Paris geschickt wird, um die Tochterfirma Savoir, die Luxusgüter vermarktet, im Social-Media-Bereich zu unterstützen, wird für sie ein Traum wahr. Verträumte Cafés an der Seine, gutaussehende Menschen in Haute Couture, Ménage-à-trois zum Frühstück: So klischeehaft stellt sich Emily das Leben in Paris vor - und hat damit auch völlig recht! Die erste Staffel liess ein überspitztes Klischee dem anderen folgen und stellte die Franzosen als altmodische, kettenrauchende, fremdgehende Modefetischisten dar. Emily sollte da einen frischen, amerikanischen Wind in die Bude bringen, trat mit ihrer unwissenden, nicht französischsprechenden Art aber von einem Fettnäpfchen ins nächste. In der zweiten Staffel geht es ähnlich weiter, aber eben nicht ganz. Immerhin sieht man Emily auch tatsächlich mal den Französischunterricht besuchen und ihr Wortschatz hat sich von «bonjour» und «merci» auf einen ganzen vollständigen Satz weiterentwickelt: «Voulez-vous coucher avec moi?» Bravo Emily! Oder, um beim Französisch zu bleiben: Chapeau!

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Apropos Kopfschmuck und Kleider: Davon sehen wir eine Menge. Schliesslich stammt Emily in Paris von derselben Hand wie Sex and the City, derjenigen Darren Stars. Da dürfen schrille, völlig unpraktische Outfits selbstverständlich nicht fehlen. Ob man die Outfits für etwas anderes brauchen kann, denn wie ein Knallbonbon auszusehen, sei mal dahingestellt. Im Zusammenhang mit dem eher fehlenden Arbeitsethos der Hauptdarsteller, die alle die meiste Zeit in irgendeinem Café, einer Bar oder einem Restaurant herumhängen, stellt sich die Frage wie sie sich die ganzen Klamotten überhaupt leisten können. Aber wir sind ja in Paris, hier wird man schliesslich mit einem vollen Kleiderschrank geboren! Aber lassen wir das.

Nicht nur ihr Französisch hat sich verbessert, auch Emily als Person hat sich weiterentwickelt. Als starke unabhängige Frau lässt sie nun nämlich ihr Leben nicht mehr vom hübschen Koch Gabriel - Lucas Bravo, haha das hatten wir doch schon mal - leiten, nein, das macht jetzt Alfie (Lucien Laviscount). Er kommt aus London und findet Paris voll doof und Emily total langweilig. Imfall. So kommt sie etwas in den Stress, weil sie jetzt nämlich in ihre Café-Bar-Restaurant-Park-Routine auch noch mit einer Vespa fahren muss, damit sie Alfie zeigen kann, wie unlangweilig sie ist.

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Da war aber noch etwas anderes in der Story. Klar, die Arbeit, die im ganzen Drama etwas unterging. Also, die Arbeit läuft. Mit und ohne Emily.

Alles in allem bietet auch die zweite Staffel von Emily in Paris viel übertriebene Klischees, wenig, was man noch nicht gesehen hat und eine vorhersehbare Story. Dank dem, dass sich weder die Darsteller*innen noch der Plot ganz ernst nehmen, funktioniert die Serie aber nach wie vor. Damit bietet Emily in Paris neben vielen Fremdschämmomenten und Stereotypien eben doch auch ganz witzige Momente und ermöglicht uns in diesem grauen Frühjahr bunte Abwechslung. Und Emily bzw. Lily Collins, die ist halt trotz der nassen Füssen vor lauter Fettnäpfchen très sympa.

Diana Rolny [dro]

Diana arbeitet seit 2013 als Freelancerin bei OutNow. Sie liebt Dokumentationen wie «The Life of Brian» und Wanderfilme aus Mittelerde. Zu schwarzhumorigen Komödien geniesst sie gerne einen Martini Dry, bei Sci-Fi einen Pangalactic Gargleblaster und bei sinnfreien Kunstfilmen einen Molotowcocktail.

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