«Erzähle ich meiner besten Freundin von der Serie, versteht sie meist nullkommagarnichts!» - Das «The Witcher»-Interview mit Freya Allan

Freya Allan spielt Prinzessin Ciri in «The Witcher». Die Britin verrät, wer ihre Vorbilder sind, warum es ihr egal ist, wenn sie spoilert und wie sie mit all den Machos am Set umsprang.

Freya Allan als Prinzessin Ciri in der Netflix-Fantasy-Serie «The Witcher». © Netflix

Spürst Du grösseren Druck, jetzt wo The Witcher in die zweite Staffel geht?
Das bekomme ich fast nicht mit. Ciri hatte in Staffel 1 als Figur noch keine so tragende Rolle wie in der zweiten Staffel. Ich war deshalb vor allem erleichtert, dass ich sie nochmals spielen durfte. Und ich war vor allem aufgeregt.

Hat dir Lauren Schmidt, die Showrunnerin, je verraten, warum sie dich als Ciri gecastet haben?
Das Casting dauerte sehr lange. Es war mir nicht immer klar, was gerade vor sich ging. Man wollte mich zwar in der Rolle haben, aber es ergaben sich andere Projekte für mich. Deshalb bot man mir eine kleinere Rolle in The Witcher an. Normalerweise juckt mich das nicht. Aber hier war es anders, weil ich fühlte, dass der Part genau richtig für mich war. Plötzlich wollten mich dann die Regie, die Produzenten und Lauren in England selber treffen für die Rolle der Ciri. Es wurde dann eine sehr spezielle Vorstellungsrunde. Ich spielte die Szene, in der meine Grossmutter stirbt. Alle waren zu Tränen gerührt, und die Regisseurin umarmte mich danach. Ein spezieller Moment, bei dem ich spürte, dass ich die Rolle auf sicher hatte.

Freya Allan birgt als Princessin Ciri einige Geheimnisse, die es in «The Witcher» zu entdecken gibt.
Freya Allan birgt als Princessin Ciri einige Geheimnisse, die es in «The Witcher» zu entdecken gibt. © Netflix

Lauren ist eine sehr engagierte Showrunnerin. Warum ist die Zusammenarbeit mit ihr speziell?
Sie ist immer offen für unsere Sicht der Dinge, wenn wir Fragen haben oder bei einer Dialogzeile unsicher sind. Sie möchte, dass alle glücklich sind. Sie ist zwar eigentlich die Chefin des Ganzen, aber sie lässt alle am kreativen Prozess teilhaben. Ich liebe ihre Präsenz und Energie. Dabei gibt sie sich aber als ganz normale Person und schwingt nicht immer ihr Zepter.

Gibt es Vorbilder aus Film und Fernsehen, an denen Du dich für Ciri orientiert hast?
Mit 13, 14 Jahren hatte ich eine Phase, in der ich ganz vernarrt in Fantasy war. Ich liebte damals Snow White and the Huntsman. Vor Staffel 1 zog ich deshalb Parallelen zu der Rolle und liess mich davon inspirieren. Für Staffel 2 habe ich mich dann aber bereits ganz in Ciri gefunden. Aber natürlich lässt man sich unterbewusst von allen möglichen starken Frauen inspirieren, ob das nun meine Mutter ist oder Freundinnen von mir.

In den Szenen auf Kaer Morhen geht es richtig männlich zu und her. Wie bist du damit umgegangen?
Ganz ehrlich, die ganze Dynamik wirkte teilweise amüsant. Ich habe die Jungs immer als meine grossen Brüder behandelt. Ich wirkte wie die kleine, freche Schwester. Und es hatte etwas Belustigendes, wenn ich mich als kleines Persönchen ständig an all den verdammt grossen Kerlen vorbeiwuseln musste - mit meinem Schwert und diesem weissen Kleidchen. Es war ein grosser Spass.

Allein unter Männern: Freya Allan als Ciri auf der Witcher-Hochburg Kaer Morhen.
Allein unter Männern: Freya Allan als Ciri auf der Witcher-Hochburg Kaer Morhen. © Netflix

Ciri wird im Verlauf der zweiten Staffel immer wichtiger.
Ich liebe es, Teil dieser Welt zu sein. Es wird immer interessanter, Ciri zu spielen. Ich lese bereits die ersten Passagen aus der dritten Staffel und es wird noch besser für sie. Die Rolle kommt für mich zu einem idealen Zeitpunkt. Ich wachse als Freya sozusagen mit der Rolle mit. In Staffel 1 war noch vieles ganz neu für mich. Nun werde ich quasi erwachsen mit dieser Rolle.

Kannst du Plot-Geheimnisse gut für dich behalten?
Darin bin ich schlecht. Ich erzähle alles weiter. Als ich die Rolle bekam, wurde mir gesagt, dass ich die Klappe halten sollte. Und trotzdem habe ich alles meinem Onkel weitererzählt. Mit The Witcher ist es aber so, dass viele gar nicht klarkommen mit dem Material. Erzähle ich meiner besten Freundin davon, versteht sie meist nullkommagarnichts. Sie kann deshalb auch nicht zur Presse rennen, und schreien: «Darum geht's in The Witcher!». Mein Bekanntenkreis freut sich also meist darüber, dass ich über «irgendwas» ganz aus den Häuschen bin.

Wie waren die Dreharbeiten während der Pandemie?
Wir hatten ständig Tests, und die Crew trug Masken. Das war's eigentlich. Die Energie war trotzdem da und alle waren froh, dass es nach dem Lockdown wieder losging. Da ich die Crew aus der ersten Staffel schon kannte, wusste ich auch, wie ihre Gesichter aussahen. Aus schauspielerischer Sicht tat mir die Zwangspause auch gut. Ich kam nach den ersten beiden Folgen, die vor dem Lockdown gedreht wurden, mit einem ganz anderen Mindset zurück ans Set für die restliche Drehzeit.

Freya Allan trug auf dem Roten Teppich zur Premiere von «The Witcher» ein Kleid von Versace.
Freya Allan trug auf dem Roten Teppich zur Premiere von «The Witcher» ein Kleid von Versace. © StillMoving.net for Netflix

Geniesst du die Arbeit mit Anya Chalotra?
Es ist sehr schön, weil wir an der ungefähr selben Stelle starteten und beide nur wenige grosse Projekte vor The Witcher hatten. In dieser Grössenordnung hatten wir bisher beide sowas noch nicht erlebt. Es war beruhigend für mich, dass wir uns in einer ähnlichen Situation befanden. Wir waren die Häschen im Abblendlicht auf der Fahrbahn. Ausbalanciert wurde das ganze durch Henry Cavill, der schon ganz andere Dinge mitgemacht hat.

Hast du mittlerweile mal einen seiner Filme gesehen?
(Sie überlegt) Mein kleiner Bruder hat Enola Holmes geschaut. Ich hab zumindest das mal einigermassen gesehen. Ansonsten glaub ich echt nicht, dass ich schon was gesehen hab mit ihm: Weder Superman noch diesen einen Mission-Impossible-Film. Peinlich. Aber er hat von mir sicher auch noch nicht viel gesehen: meine vielen, vielen Kurzfilme!

Roland Meier [rm]

Roland sammelt 3D-Blu-rays, weil da die Publikationen überschaubar stagnieren, und kämpft im Gegenzug des Öfteren mit der Grenze der Speicherkapazität für Aufnahmen bei Swisscom blue TV. 1200 Stunden Film und Fernsehen ständig griffbereit sind ihm einfach nicht genug.

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