«Mein Rat an alle Studis an den Schauspielschulen: Spuckt mehr Äpfel!» - Das «The Witcher»-Interview mit Anya Chalotra

Anya Chalotra spielt eine Hauptfigur in der Netflix-Fantasy-Reihe «The Witcher». Mit OutNow sprach sie über den Druck am Set, Furcht vor Monstern und darüber, wer am längsten in der Maske sitzt.

Anya Chalotra spielt in bisher zwei Staffeln die Magierin Yennefer. © Netflix

Wie hast du dich auf die Rolle der Yennefer vorbereitet?
Ich habe die Romane vor den Dreharbeiten gelesen. Nicht alle zwar, aber ein paar. Die Charaktere in The Witcher sind so lebendig, überzeugend und allgemein sehr rund. Ich arbeite deshalb in erster Linie anhand des Drehbuchs. Das ist meine Hauptinspirationsquelle.

Der Druck auf die zweite Staffel muss immens sein, nachdem Netflix die Serie erfolgreich lanciert hat?
Für mich war der der Druck bei Staffel 1 grösser, weil ich nach meinem San-Diego-Comic-Con-Moment bemerkte, wie viele Fans die Serie eigentlich hat. Was natürlich nicht bedeutet, dass es für die zweite Staffel nicht trotzdem Druck als Schauspielerin gab - einfach eher den alltäglichen.

Als Yennefer muss Anya Chalotra auch in der zweiten Staffel von «The Witcher» einige Strapazen überstehen.
Als Yennefer muss Anya Chalotra auch in der zweiten Staffel von «The Witcher» einige Strapazen überstehen. © Netflix

Hat Showrunnerin Lauren Schmidt Hissrich dir je verraten, warum sie dich für die Rolle der Yennefer erwählt hat?
Es gab da einen Moment im Casting-Prozess, als ich einen Apfel-Biss ausspucken musste, bei dem es bei Lauren anscheinend «klick» machte.

Nach all dem Schauspiel-Unterricht reicht es manchmal, Apfelstücke zu spucken?
Ja! Hier mein Rat an alle Studis an den Schauspielschulen: Spuckt mehr Äpfel!

Gab es für die Rolle einer Magierin wie Yennefer Vorbilder aus anderen fiktionalen Welten?
Ich schaute auf ihr menschliches Leiden und verglich es mit den Schicksalsschlägen der Menschen - vor allem Frauen - um mich herum.

Spielten andere Hexen oder Frauen mit Superkräften wie Wanda Maximoff / Scarlett Witch oder Rey aus den Star-Wars-Filmen keine Rolle? Oder ist es dir verboten, über «die Konkurrenz» zu sprechen?
Doch, wir dürfen über andere Heldinnen sprechen. Meine Inspiration bleibt trotzdem mein Umfeld: all die Leute am Set, die beeinflussen, wie ich bestimmte Zaubersprüche ausführe. Das gab mir Referenzen.

Yennefer (Anya Chalotra) mit Fringilla (Mimi Ndiweni) in einer Szene aus «The Witcher».
Yennefer (Anya Chalotra) mit Fringilla (Mimi Ndiweni) in einer Szene aus «The Witcher». © Netflix

Die Namen der Figuren in The Witcher sind der Hammer und nicht immer leicht zu merken.
Genau. Wir hatten alle Varianten, die Figurennamen auszusprechen. Auch in der Pressearbeit nach der ersten Staffel gab es deswegen Verwirrung. Wir mussten uns auf eine Aussprache einigen.

Yennefer Rolle ist sehr physisch. Sie kämpft mit Waffen, öffnet Portale mittels Zauberei. Magst du das?
Ich liebe es, körperlich aktiv zu sein. Ich konnte nie genug davon bekommen. Ich bin begeistert über die Stunt-Aspekte meiner Rolle und liebe es, vollen Körpereinsatz zu geben.

In der ersten Staffel war Yennefers Körper noch entstellt. Wie erlebt man es, als schöne Frau eine Bucklige zu verkörpern?
Es gefiel mir sehr, sie in jüngeren Jahren zu spielen. Ich bin zwar froh, dass dieser mental und körperlich doch anstrengende Teil meines Jobs vorbei ist, aber es gehört dazu, meinen Körper für etwas einzusetzen, dem schlussendlich etwas Wahrhaftes innewohnt. Ich hoffe, dies ist mir gelungen.

Wer hatte länger in der Maske: du oder Henry Cavill?
Henry! (Sie lacht.)

Wegen seiner weissen Perücke?
Ganz sicher bin ich mir da gar nicht. Wahrscheinlich bin ich am Ende doch diejenige, die länger braucht. Aber ich hätte gerne, es wäre Henry.

Ist deine Augenfarbe in The Witcher ein Computer-Effekt oder sind es Kontaktlinsen?
Beides. Ich mag Linsen nicht besonders, weil sie mich hindern, meine Bestleistung zu geben. Ich trage sie in den Szenen, wenn meine Augen eine bestimmte Farbe haben sollen und nehme sie raus, wenn man sie nicht ganz so genau sehen muss.

Anya Chalotra während der Londoner Premiere von «The Witcher».
Anya Chalotra während der Londoner Premiere von «The Witcher». © StillMoving.net for Netflix

The Witcher hat einige furchteinflössende Kreaturen und Monster. Gruselst du dich vor denen?
Die sehen wir am Set meist noch nicht. Jeder hat deshalb ein bisschen ein anderes Bild der Monster, vor denen wir flüchten oder die wir auch mal bekämpfen. Ich grusle mich aber sicherlich, wenn ich «The Witcher» streame. Es ist der Horror. Es fühlt sich alles so echt an.

Findest du nicht auch schade, dass «The Witcher» kein Titelthema hat?
Toss a Coin ist doch ein einprägsamer Song. Jeder sollte den als Klingelton einrichten.

Was steht für dich in Zukunft an?
Es wird eine dritte Staffel von «The Witcher» geben. Was danach für mich kommt, weiss ich noch nicht, aber ich freue mich enorm auf meine Zukunft.

Roland Meier [rm]

Roland sammelt 3D-Blu-rays, weil da die Publikationen überschaubar stagnieren, und kämpft im Gegenzug des Öfteren mit der Grenze der Speicherkapazität für Aufnahmen bei Swisscom blue TV. 1200 Stunden Film und Fernsehen ständig griffbereit sind ihm einfach nicht genug.

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