«Geralt war schon immer ein Beschützer. Er hat es einfach ein bisschen versteckt.» - Das «The Witcher»-Interview mit Henry Cavill

Superstar Henry Cavill kämpfte stark um die Hauptrolle in «The Witcher». Wie er sich in die Rolle einbringt und wie er die Zusammenarbeit mit Kim Bodnia gestaltete, verrät er im Video-Call mit OutNow.

Henry Cavill als Geralt von Riva in der Titelrolle der Netflix-Serie «The Witcher». © Netflix

Wann war der Druck grösser? Vor dem Release der ersten Staffel oder jetzt zur Staffel 2?
Der Druck ist für mich immer bei 100 Prozent. The Witcher ist eine wichtige Entertainment-Marke. Nicht nur für viele Fans, sondern auch für mich. Deshalb habe ich mir die Rolle des Geralt auch erkämpft. Druck hat auf mich aber keinen negativen Einfluss. Ich arbeite immer hart, dass ich den Dingen aus der Vorlage gerecht werde, die ich beeinflussen kann.

Konntest du als Fans der Games und emsiger Leser der Roman-Reihe Einfluss nehmen auf kleine Details innerhalb der TV-Serie?
Da sind meine Mittel begrenzt. Ich kann Geralt als Figur formen, habe aber wenig zu sagen beim Plot. Nur bei den Dialogen kann ich mich ein wenig einbringen. Für mich war wichtig, den Geralt aus den Büchern in die Show zu bringen. So gut es halt ging, und es immer noch zu Lauren Schmidt Hissrichs Vision der Serie passte.

Henry Cavill zeigt als Geralt in der zweiten Staffel von The Witcher auch seine sensible Seite.
Henry Cavill zeigt als Geralt in der zweiten Staffel von The Witcher auch seine sensible Seite. © Netflix

Wer hätte gedacht, dass in Geralt eine Beschützer-Seele haust.
So ist Geralt. Vor allem in der Romanvorlage. Ein weiser Intellektueller, der auch der Philosophie nicht abgeneigt ist. Natürlich ist er auch mürrisch, gereizt und manchmal schwierig. In der ersten Staffel erzählt er seinem Pferd Roach, wie er sein erstes Monster tötete. Das liegt in seiner Natur. Er hat sich deshalb nicht unbedingt verändert. Geralt war schon immer ein Beschützer. Er hat es einfach ein bisschen versteckt. Er versucht, sich aus vielem herauszuhalten, muss dann aber trotzdem die Kohlen aus dem Ofen holen. Ciri ist nun einfach der Schlüssel zum Schloss, das sein kaltes Herz öffnet.

Auf Kaer Morhen herrscht zwischen Geralt und den anderen Witchern eine ziemliche Männer-Dynamik.
Kim Bodnia und ich haben dafür gesorgt, dass zwischen den Witchern eine Seelenverwandtschaft entsteht. Kaer Morhen ist ein trauriger Ort und erfüllt mit Melancholie. Dort leben Mutanten, die in den Bergen hausen, weil sie von der Gesellschaft ausgegrenzt werden. Dies musste ebenso durchscheinen wie die tiefe Verbundenheit und Liebe zwischen den Charakteren. Die Witcher werden aussterben, und es ist ein bisschen, wie wenn man die letzten zwei Nashörner in Afrika beobachtet. Was auch immer passiert, diese Spezies wird's bald nicht mehr geben. Dieses Gefühl wollte ich einbringen, auch wenn dies nicht explizit im Drehbuch stand. Kameradschaftsgeist war mir wichtig, da ich selbst aus einer Soldaten-Familie stamme.

Der dänische Charakterdarsteller Kim Bodnia (links) hat eine Gastrolle in der zweiten Staffel von «The Witcher».
Der dänische Charakterdarsteller Kim Bodnia (links) hat eine Gastrolle in der zweiten Staffel von «The Witcher». © Netflix

Wie war die Zusammenarbeit mit Kim Bodnia als Vesemir?
Ich kannte ihn bisher nicht. Er ist ein Phänomen. Er ist als Person sehr geerdet. Er lebte in der Natur, und er hat viele Geschichten zu erzählen. Zusammen etablierten wir diese Connection. Es musste für uns mehr sein als diese Dienstleistungsebene für eine TV-Serie. Wir wollten deep und emotional agieren. Dafür hat Kim Bodnia das Talent.

Wie gehen Dreharbeiten während der Corona-Pandemie von statten?
Wir waren im Lockdown. Es war rund um Weihnachten, als die Fallzahlen besonders hoch waren. Der Dreh wurde auch ein bisschen verschoben. Es gab Masken, und wir wurden oft getestet. Zuerst waren die Tests ungewohnt - mittlerweile ist man sich aber daran gewöhnt. Die menschlichen Verbindungen haben mir gefehlt. Die Arbeit am Set ist sehr hart. Man arbeitet lange, weshalb die Teamarbeit wichtig ist. Wenn man die Gesichter nicht sieht und die Augen nur erkennen kann, macht es das schwieriger. Alle haben sich zwar durchgekämpft, aber es wäre grossartig, wenn man sich nach Drehschluss wieder im Pub treffen könnte.

Henry Cavill beantwortet Fragen während der Londoner Premiere.
Henry Cavill beantwortet Fragen während der Londoner Premiere. © StillMoving.net for Netflix

Du sahst bei der Premiere blendend aus: Was macht mehr Spass auf dem Roten Teppich: Sich aufbrezeln oder mit den Fans interagieren?
Beides macht Spass. In Zeiten von Covid darf man sich nicht mit den Fans treffen. Und es war mir ein Privileg, den Massanzug der Leute von «Huntsmen» zu tragen.

Roland Meier [rm]

Roland sammelt 3D-Blu-rays, weil da die Publikationen überschaubar stagnieren, und kämpft im Gegenzug des Öfteren mit der Grenze der Speicherkapazität für Aufnahmen bei Swisscom blue TV. 1200 Stunden Film und Fernsehen ständig griffbereit sind ihm einfach nicht genug.

  1. Artikel
  2. Profil
  3. E-Mail
  4. Twitter
Teilen
Auf Facebook teilen  Auf Twitter teilen 
Datum
Quelle
OutNow
Themen