«Last Night in Soho»: Das Interview mit Hauptdarstellerin Thomasin McKenzie

Im Film von Edgar Wright spielt die Neuseeländerin ein Landei, das in London Mysteriöses erlebt. Wir sprachen mit ihr über Spoiler und die 50 Horrorfilme, die sie zur Vorbereitung schauen musste.

Thomasin McKenzie in «Last Night in Soho» © Universal Pictures International Switzerland

Zwar reden viele in Zusammenhang mit Last Night in Soho über Regisseur Edgar Wright (Baby Driver) und Schauspielerin Anya Taylor-Joy, deren Bekanntheitsgrad dank der Netflix-Miniserie The Queen's Gambit im vergangenen Jahr regelrecht explodiert ist. Doch Thomasin McKenzie, die Hauptdarstellerin von Last Night in Soho, ist ebenfalls keine Unbekannte. Seit ihrer gefeierter Performance in Debra Graniks feinfühligem Vater-Tochter-Drama Leave No Trace ist die junge Neuseeländerin äusserst gefragt. So war sie in den letzten Jahren unter anderem in dem Netflix-Epos The King, in der oscarprämierten Tragikomödie Jojo Rabbit von Taika Waititi und dem Shyamalan-Horrorfilm Old zu sehen.

In Last Night in Soho spielt Thomasin McKenzie nun die Hauptrolle der Ellie, die in London Mode studieren möchte. Was jedoch kaum jemand weiss: Ellie besitzt die Gabe, sich in andere Zeiten zu träumen. Da sie völlig fasziniert ist von den Swinging Sixties, reist sie jeden Abend in diese Zeit zurück, wo sie auf Anya Taylor-Joys Sandie trifft, die ein Geheimnis umgibt. Wir hatten die Gelegenheit, mit McKenzie über diesen besonderen Film zu sprechen. Und keine Angst: Spoiler gibt es keine im Interview.

Zur Vorbereitung auf deine Rolle hast du von Regisseur Edgar Wright eine Liste mit 50 Horrorfilmen bekommen. Hast du die wirklich abgearbeitet?
Ich mag eigentlich gar keine Horrorfilme und schaue mir diese in meiner Freizeit auch gar nicht an, deshalb war das schon eine grosse Herausforderung. Aber ich konnte mich mit dieser Aufgabe anfreunden, da es auch eine tolle Filmschule war. Ich werde jeweils an Sets gefragt, ob ich diesen oder jenen Film gesehen habe und oft muss ich das vereinen. Nun hoffe ich aber, dass ich diese Frage öfters mit «Ja» beantworten kann. Am Ende schaffte ich übrigens 49 von 50 Filmen auf Edgars Liste. Vor Suspiria hatte ich mich gedrückt. (lacht)

© Universal Pictures International Switzerland. All Rights Reserved.

Was waren sonst noch für Filme auf der Liste?
Ùnter anderem Don't Look Now und Repulsion, aber ich bekam auch Fotos zur Orientierung. Bilder von Twiggy und Julie Christie, diesen Ikonen der Sechziger, von denen meine Figur Ellie so fasziniert ist. Edgar Wright war wirklich sehr hilfreich. Er weiss alles über diese Zeit, egal ob Film oder Musik. Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung, woher er die Zeit nimmt, um das alles zu sehen und zu hören. (lacht)

In mehreren Szenen schaust du in einen «Spiegel», in dem du Anya Taylor-Joys Figur siehst und ihr müsst euch deshalb gleichzeitig bewegen. War das schwierig, in diesen Szenen ernst und fokussiert zu bleiben? Denn Filmfans kommt dabei als erstes natürlich die berühmte Szene aus Duck Soup (siehe unten) in den Sinn, falls du den gesehen hast.
Mist, jetzt habe ich gedacht, dass mir das mit den nicht gesehenen Filmen nicht mehr passieren wird (lacht). Den muss ich mir noch ansehen. Es war wirklich schräg und wir mussten auch einige Takes abbrechen. Wir mussten uns jeweils recht lange anstarren oder uns für gewisse Takes selbst lange im Spiegel betrachten.

© Universal Pictures International Switzerland. All Rights Reserved.

Du warst in diesem Jahr auch in M. Night Shyamalans Horrorfilm Old zu sehen. Was sind so die Gemeinsamkeiten bei Edgar Wright und Shyamalan?
Beide sind sehr präzis, wenn es darum geht, was sie wollen und wie sie das zu erreichen gedenken. Zudem sind sie Filmliebhaber, die beide auch auf Film gedreht haben.

Die Presse wurde darum gebeten, nichts über die zweite Hälfte des Filmes zu verraten, was absolut Sinn macht. Was wären die Strafen gewesen, wenn jemand aus dem Cast im Vorfeld etwas gespoilert hätte?
(Lacht) Mir ist nichts über irgendwelche Strafen bekannt - ausser natürlich jenen, die ich mir selbst auferlegt hätte, wenn ich was verraten hätte. Ich hätte mich so furchtbar schlecht und schuldig gefühlt. Aber von der Produktionsseite her gab es keinen Strafenkatalog, den es aber auch gar nicht gebraucht hätte. Wir alle haben unser Herzblut für diesen Film gegeben und wollten unsere harte Arbeit nicht ruinieren.

Thomasin McKenzie mit Edgar Wright am Set von «Last Night in Soho»
Thomasin McKenzie mit Edgar Wright am Set von «Last Night in Soho» © Universal Pictures International Switzerland. All Rights Reserved.

Es ist schwierig Last Night in Soho einem Genre zuzuweisen. In welches Genre würdest du den Film stecken?
Ich würde sagen, dass es sich um einen psychologischen Thriller handelt. Wenn ich es mir aber überlege, sind Edgar-Wright-Filme fast schon ein eigenes Genre. Er packt in seine Werke Horror und Komödie und baut clever visuelle Effekte und Animation ein. Ein sehr schönes Beispiel finde ich Scott Pilgrim vs. The World, wo er Videospiele zu einem integralen Teil der Story machte. So fantastisch. Ich würde also definitiv sagen, dass Last Night in Soho ins Genre «Edgar Wright» gehört.

Last Night in Soho läuft ab dem 11. November 2021 in den Deutschschweizer Kinos.

Trailer

© Universal Pictures

Die Spiegel-Szene aus «Duck Soup»

Christoph Schelb [crs]

Christoph arbeitet seit 2008 für OutNow und leitet die Redaktion seit 2011. Seit er als Kind in einen Kessel voller Videokassetten gefallen ist, schaut er sich mit viel Begeisterung alles Mögliche an, wobei es ihm die Filmfestivals in Cannes und Toronto besonders angetan haben.

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