«Contra»: Das Interview mit Regisseur Sönke Wortmann

Nach «Der Vorname» hat Sönke Wortmann auch mit «Contra» ein Remake eines französisches Kassenschlagers gedreht. Wir sprachen mit ihm über das Original und seine Arbeit als Drehbuchautor.

Sönke Wortmann am Set von «Contra» © 2020 Constantin Film Verleih GmbH

Contra ist das deutsche Remake des französischen Hits Le Brio. Im Original wie auch in der Neuauflage wird ein Professor nach von ihm gemachten, diskriminierenden Aussagen dazu verdonnert, eine junge Studentin auf einen Debattierwettbewerb vorzubereiten. Am Zurich Film Festival 2020 trafen wir Regisseur Sönke Wortmann zum Gespräch.

Wo hören Sarkasmus und britischer Humor auf, wo beginnt Fremdenfeindlichkeit?
Britischer Humor und Fremdenfeindlichkeit schliessen sich wohl aus. Ich glaube, dass Humor eine gewisse positive Distanz hat. Ich glaube, dass Leute, die Humor haben, für Fremdenfeindlichkeit nicht so anfällig sind wie Leute, die ihn nicht haben.

Warum braucht es bereits nach drei Jahren dieses Remake?
Das liegt natürlich am Thema Rassismus und Migration. Das französische Original lief im Sommer 2018 und in Deutschland hat es niemand gesehen, da es ein richtig toller Sommer war und auch WM lief. Der Film ging komplett unter. Die Menschen hätten sich den Film trotzdem anschauen können, und da es nicht der Fall war, ergriffen wir die Chance, diesen Film zu produzieren. Das Thema ist unserer Meinung nach so wichtig, dass wir es dem deutschsprachigen Publikum nochmals zeigen wollen.

Christoph Maria Herbst und Nilam Farooq in «Contra»
Christoph Maria Herbst und Nilam Farooq in «Contra» © Praesens Film

Du hast in deiner Karriere schon Drehbücher als Autor komplett selbst geschrieben, sie adaptiert und einfach inszeniert. Worin unterscheidet sich für dich die Herangehensweise?
Bei uns in Deutschland fahre ich eher auf der kommerziellen Schiene und schreibe nur wenig selbst. Ich finde es auch ein ganz gutes Prinzip, wenn ein Regisseur ein Drehbuch verfilmt, das er nicht selber geschrieben hat. Vier Augen sehen mehr als zwei und da sich das gut ergänzt, habe ich den Eindruck, dass so etwas Besseres dabei herauskommt. Bei einigen Filmen war ich Co-Autor, aber dabei hat es sich um Vorlagen gehandelt. Als Originaldrehbuch habe ich nur Kleine Haie geschrieben und dazu einige Romane adaptiert. Ich bin schlecht im Erfinden von Dingen, aber ich denke, dass ich hingegen ganz gut darin bin, tolle Drehbücher dramaturgisch zu inszenieren.

In einer Szene über Recht und Wahrheit kommt das Paradies vor. Was denkst du darüber?
Persönlich kann ich mit dem Begriff gar nichts anfangen. Das Paradies als Vorstellung, dass es irgendwo einen Platz gibt nach dem Tod, wo es schön sein soll, kommt ja aus der Religion, aber ich bin kein religiöser Mensch. Insofern glaube ich auch nicht ans Paradies. Es gibt natürlich das Adjektiv paradiesisch, das einen Idealzustand beschreibt, aber zu Paradies fällt mir nichts ein.

Christoph Maria Herbst ist ein sehr begabter Komiker und Nilam Farooq begegnet ihm auf Augenhöhe. Durften die beiden dabei auch improvisieren?
Improvisation kommt bei mir eigentlich nie vor. Je besser ein Drehbuch und seine Dialoge sind, desto weniger muss man improvisieren. Die Aufgabe ist es dann, es rechtzeitig im Gespräch mit den Schauspielern so vorzubereiten, dass sie das gut sprechen können, damit es überzeugend und authentisch ist. Danach muss man es nur noch drehen.

Contra kommt am 28. Oktober 2021 in die Deutschschweizer Kinos.

© Praesens Film

Giancarlo Schwendener [gia]

Giancarlo ist James Bond 15 Jahre lang auf Augenhöhe begegnet. Mit dem Abgang von Daniel Craig ist damit vorerst Schluss. Er liebt die grosse Anzahl an tollen Filmen, aber die Fab Five stehen für ihn eine Stufe höher: Sergio Leone, Marlon Brando, Robert De Niro, Sean Connery und Quentin Tarantino.

  1. Artikel
  2. Profil
Teilen
Auf Facebook teilen  Auf Twitter teilen 
Datum
Quelle
OutNow
Thema