«Contra»: Das Interview mit Hauptdarstellerin Nilam Farooq

In der Komödie von Sönke Wortmann spielt Nilam Farooq eine Studentin, die von einem grummligen Professor auf einen Debattierwettbewerb vorbereitet wird. Wir trafen die Schauspielerin zum Interview.

© Praesens Film

In Contra wird die von Nilam Farooq gespielte Studentin Naima von dem angesehenen Professor Richard Pohl diskriminiert - mit ungeahnten Folgen. Denn der böse Professor wird draufhin dazu verdonnert, Naima bei einem wichtigen Debattierwettstreit zur Seite zu stehen. Trotz ihrer Gegensätze werden Naima und Pohl zu einem starken Team.

Die Komödie von Regisseur Sönke Wortmann feierte ihre Weltpremiere am Zurich Film Festival 2020 - ja, 2020. Aufgrund der Pandemie musste der geplante Kinostart im Dezember 2020 dann auf den 28. Oktober 2021 verschoben werden. Wir hatten während des ZFF 2020 die Gelegenheit, mit Nilam Farooq über Fremdenfeindlichkeit, politisch unkorrekten Humor und ihren Co-Star Christoph Maria Herbst zu sprechen.

Wo hören Sarkasmus und britischer Humor auf, wo beginnt Fremdenfeindlichkeit?
Tatsächlich obliegt das dem Objekt, dem das entgegengebracht wird. Einige Menschen empfinden etwas schneller als angreifend als andere. Die Person, die diesen Sarkasmus aussendet, sollte dabei jedoch sehr sensibel sein und sich eher zwei Schritte zurücknehmen. Oft ist es ja auch das Problem, dass Menschen etwas sogar nett meinen, es aber ganz schwierig formulieren. Die Grenze ist sehr schwammig und jemand sollte lieber vorsichtig als zu forsch dabei sein. Ich bin eine Freundin von Sarkasmus, Ironie und dunklem bösem Humor. Da muss ich mich immer selber zurücknehmen. So lange es niemanden verletzt, finde ich das eigentlich immer ganz witzig.

Nilam Farooq in «Contra»
Nilam Farooq in «Contra» © Praesens Film

Was hältst du von politisch unkorrektem Humor?
Es provoziert und erregt somit auch immer Aufsehen. Wenn das Ganze auf eine gute Botschaft hinausläuft, kann es manchmal ganz gut sein, zu provozieren. Im Film ist das glücklicherweise der Fall. Ich finde die Geschichte, die wir erzählen, ganz toll und wir zeigen nicht mit dem Finger auf jemanden. Die Sätze, die im Film fallen, sollen durch das Provozieren ja auch politisch nicht ganz korrekt sein. Das entspricht auch der Realität, denn wer ist schon immer politisch korrekt? Ich mag es, wenn Filme Realitäten abbilden und damit eben auch eine Botschaft aussenden, die hoffentlich in dem einen oder anderen Kopf etwas bewirkt.

Die Pointen deiner Figur stehen im Drehbuch, aber du begegnest mit deiner Präsenz Christoph Maria Herbst auf Augenhöhe. Woher hast du deine Schlagfertigkeit?
Ich habe die Zeit mit Christoph auf dem Set echt genossen. In den Drehpausen war er mein Sparringpartner. Christoph ist ein hochintelligenter Mensch, der so schlagfertig und so schnell ist, dass ich jeweils immer nur vor ihm sass und staunend von ihm lernte. Teilweise habe ich mir die Sprüche versucht zu merken, die er mir gebracht hat, weil die so gut waren. Ich glaube, dass ich nicht auf den Mund gefallen bin und vielleicht transportiert sich das. Mir kam zugute, dass ich kein stilles Mäuschen bin.

In einer Szene über Recht und Wahrheit kommt das Paradies vor. Was denkst du darüber?
Ich habe mich noch nicht entschieden, ob ich daran glaube oder nicht. Beim Thema Religion finde ich generell die Vorstellung schön, dass es so vielen Menschen hilft. Wenn Menschen ihre Religion friedlich leben und darin eine Kraft finden, finde ich das klasse. Ich bin einig mit der Passage im Film, dass die meisten religiösen Menschen einen Grossteil ihrer Religion sehr friedlich ausleben und für ihre eigenen guten Zwecke nutzen. Genauso ist es mit dem Paradies. Wenn jemand das glauben möchte und das ihm hilft, unterstütze ich das. Was am Ende ist, werden wir alle erst sehen oder auch nicht. Ich weiss es nicht und habe mich noch nicht festgelegt.

Nilam Farooq mit Christoph Maria Herbst in «Contra»
Nilam Farooq mit Christoph Maria Herbst in «Contra» © Praesens Film

Als du argumentieren musst, wieso Herr Bohlen im Heissluftballon bleiben soll, geht daraus eine von vielen Szenen hervor, in denen du zur Hochform aufläufst. Wie hast du dich dabei selbst eingebracht?
Ich habe mich vorbereitet. Natürlich gibt es ein Drehbuch, in dem die Texte stehen. In dieser Hinsicht kommt wenig von mir selber. Ich habe viel Debattier- und Rhetorik-Coaching genommen. Dabei konnte ich mit einer ganz tollen Frau arbeiten, die sich auch beruflich damit befasst. Für den Alltag konnte ich dabei sehr viel für mich selbst herausnehmen. Natürlich haben mir ihre Anweisungen, wann beispielsweise welche Gesten zum Zug kommen, auch für meine Rolle und ihre Reden sehr geholfen. Wir haben uns auch Beispiele von Merkel, Obama und anderen Rednern angeschaut. Was wir zusammen erarbeitet haben, habe ich in die Rolle eingebracht.

Wirst du wegen deinem Nachnamen noch immer mit latentem Rassismus konfrontiert?
Überall. In der Filmbranche darf ich nur bestimmte Rollen spielen, und das war vor zehn Jahren noch schlimmer, als es heute ist. Mit der Zeit ist es besser geworden, aber die ersten zehn Jahre habe ich im Grunde nur türkische Mädchen mit Kopftuch gespielt. Ob das mit meinem Namen zu tun hat, weiss ich nicht. Wahrscheinlich hat es eher mit meinen dunklen Haaren zu tun. Es ist immer sehr einfaches Denken. Mir geht es da noch gut. Andere Schauspielkollegen, die asiatischer Herkunft sind oder von dunkler Hautfarbe sind, haben es noch viel schwerer. Die dürfen nur ganz bestimmte Rollen spielen, die gar nicht mehr der Realität entsprechen, weil heute jeder alles sein kann. Im Alltag erlebe ich es hingegen weniger. Da ich nicht auf den Mund gefallen bin, passiert das nicht so oft. Falls es doch dazu kommt, kriegt jemand auch seine verbale Quittung dafür.

Contra kommt am 28. Oktober 2021 in die Deutschschweizer Kinos.

© Praesens Film

Giancarlo Schwendener [gia]

Giancarlo ist James Bond 15 Jahre lang auf Augenhöhe begegnet. Mit dem Abgang von Daniel Craig ist damit vorerst Schluss. Er liebt die grosse Anzahl an tollen Filmen, aber die Fab Five stehen für ihn eine Stufe höher: Sergio Leone, Marlon Brando, Robert De Niro, Sean Connery und Quentin Tarantino.

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