«Ein Roboter wie Borat»: Das Interview mit den Machern von «Ron's Gone Wrong»

Bei einer virtuellen Pressekonferenz zum Animationfilm sprachen das Regie-Duo Jean-Philippe Vine und Sarah Smith sowie Produzentin Julie Lockhart über Technologie, Bubbles und Borat.

Ron und Barney in «Ron's Gone Wrong» © 20th Century Studios

Der Animationsfilm Ron's Gone Wrong (Deutscher Synchrontitel: «Ron läuft schief») dreht sich um den Aussenseiter Barney. Während anscheinend alle an seiner Schule einen sogenannten «B-Bot» besitzen - einen sprechenden, laufenden, vorkonfigurierten Roboter, der stets «online» ist - scheint Barney der einzige zu sein, der keinen hat. Doch eines Morgens bekommt auch er einen - jedoch stimmt mit seinem Modell einiges nicht. Der Roboter hat definitiv ein paar Macken - und sorgt so für jede Menge turbulente Situationen.

Wir hatten die Gelegenheit, an einer virtuellen Pressekonferenz teilzunehmen, wo wir den Machern der Filmes unsere Fragen stellen konnten. Anwesend waren Co-Regisseurin und Co-Autorin Sarah Smith (Arthur Christmas), Co-Regisseur Jean-Philippe Vine (er arbeitete zuvor für Pixar) und Produzentin Julie Lockhart (Shaun the Sheep Movie).

OutNow: Was hat euch zu Ron's Gone Wrong inspiriert? Stand am Anfang ein schlimmer und/oder mühsamer Vorfall mit einem elektronischen Gerät?

Sarah Smith: Wir alle hatten wohl schon diesen einen blöden Laptop, der unglaublich langsam war. Aber die Hauptinspiration kam, als ich mir 2013 Spike Jonzes Her angesehen habe. Ich war sehr fasziniert und dachte, dass man diesen Film auch für Kinder machen sollte. Kinder sind noch viel mehr als Erwachsene in dieser Online-Welt drin - ohne die Chance, dies alles wirklich einordnen zu können. Zudem kam eines Tages auch mein eigenes Kind nach Hause und beklagte sich, dass es niemanden zum Spielen hätte. Deshalb wollte ich einen Film über das Verhältnis von Kindern mit Bildschirmen und Online-Freundschaften machen.

© 20th Century Studios


OutNow: Was waren neben Her weitere filmische Vorbilder für euch?

Jean-Philippe Vine: Wir haben uns an den prägenden Kinderfilmen unserer Generation wie Stand by Me und als grosse Spielberg-Fans natürlich auch an E.T. orientiert. Wir wollten die emotionale Verbindung, wie sie Elliott mit E.T. hat, zwischen Barney und Ron erreichen. Und natürlich haben wir auch an ganz viele Roboterfilme gedacht, wie zum Beispiel The Iron Giant.

OutNow: Als Co-Autor konntet ihr Peter Baynham gewinnen, der unter anderem bei Borat und Brüno mitgearbeitet hat. Wie hat er Ron's Gone Wrong beeinflusst?

Sarah Smith: Ich hatte die Storyidee über ein Kind, das einen kaputten Roboter erhält und diesem dann mithilfe von Imitationen viele Dinge beibringt - ganz ähnlich, wie man dies auch bei Babys macht. Ich hatte dabei diesen kitschigen Satz im Skript: «Eines Tages öffnet der Roboter seine Augen, schaut Barney an und ist in ihn verliebt.» Peters Reaktion auf diese Line war: «Ja, aber was, wenn der Roboter ein Idiot ist. Was ist, wenn dein Baby-Cousin Borat wäre und unter deinem Bett schlafen würde.» So entstand dann schlussendlich die Figur von Ron, einem Roboter wie Borat.

© 20th Century Studios

OutNow: Was sollen die Leute von Ron's Gone Wrong mitnehmen?

Sarah Smith: Kinder wollen den perfekten Freund/die perfekte Freundin, der/die bereits alles über einen weiss, immer der gleichen Meinung ist und die gleichen Spiele spielen will. Das kann durchaus für eine Zeit lang Spass machen. Aber wenn man ein Gegenüber hat, das etwas verrückt und nicht immer gleicher Meinung ist, dann muss man sich diese Freundschaft erarbeiten. Solche Freundschaften sind lohnenswerter. Auch wollen wir zeigen, dass es ok ist, wenn man noch keine Freunde hat. Man hat sie nur noch nicht gefunden. Und natürlich, dass die sozialen Medien zwar super praktisch sein können, aber auch limitieren, weil man leicht in eine Bubble geraten kann, in der alle gleich denken. Ron hat diese Limitierungen nicht, sondern geht raus und bringt die unterschiedlichsten Menschen zusammen.

Jean-Philippe Vine: Wir haben den Technikkonzern, der die B-Bots herstellt, deshalb auch absichtlich «Bubble» genannt. Ron bricht aus dieser Bubble im Gegensatz zu seinen Modellgenossen regelrecht aus, was zu wunderbaren Ergebnissen führt.

OutNow: Und was ist mit den Erwachsenen?

Julie Lockhart: Der Film stellt die Eltern etwas bloss, die ihren Kindern immer sagen, dass sie mal ihre Smartphones weglegen sollen, jedoch selbst ständig daran hängen. Auch wir Erwachsenen sollen mal rausgehen und das Leben geniessen.

Sarah Smith: Ron's Gone Wrong ist jedoch kein Anti-Technologie-Film. Das Internet kann eine gute Sache sein, aber auch unsere Leben und unsere Beziehungen sehr verkomplizieren. Das wollten wir ebenfalls zeigen.

Ron's Gone Wrong läuft ab dem 28. Oktober 2021 in den Deutschschweizer Kinos.

© 20th Century Studios

Christoph Schelb [crs]

Christoph arbeitet seit 2008 für OutNow und leitet die Redaktion seit 2011. Seit er als Kind in einen Kessel voller Videokassetten gefallen ist, schaut er sich mit viel Begeisterung alles Mögliche an, wobei es ihm die Filmfestivals in Cannes und Toronto besonders angetan haben.

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