Unsere Kritik zu «Star Wars: Visions», der neuen Serie auf Disney+

Neun Visionen von neun renommierten Anime-Studios. Streaming-Riese Disney+ lässt alle Folgen gleichzeitig auf uns los. Wie wirken sie auf Star Wars-Fan und Anime-Noob Marco?

Star Wars: Visions streamt ab 22. September auf Disney+ © Disney+

Episode 1 - The Duel (Studio: Kamikaze Douga)

© Disney+

Worum geht es?

Ein Ronin und sein Astromech werden Zeugen eines Banditen-Überfalls auf ein kleines Bauerndorf. Als dann auch noch eine mysteriöse Sith-Kriegerin auftaucht, zückt der mysteriöse Krieger sein Lichtschwert.

Wie war die Folge?

Bei den schwarzweissen Bildern und Samurai-Elementen kommt dem Kinofan natürlich sofort Kurosawa in den Sinn. George Lucas hatte sich schon bei seiner Original-Trilogie vom japanischen Meisterregisseur inspirieren lassen und so passt diese Folge gut in die weit, weit entfernte Galaxis. Ein visuelles Highlight ist sicher ein abgefahrenes Lichtschwert in Form eines Schirmes, welches für eine visuelle Überraschung sorgt. Mit minimaler Story und maximaler Action ist The Duel kurzweilige Unterhaltung, gespickt mit vielen bekannten Aliens. So kann das geschulte Fan-Auge unter anderen Rassen einen Dug und eine Gruppe Trandoshans entdecken. Der stille Held der Folge dürfte trotz dem heldenhaften Ronin jedoch der Droide R5-D56 sein, der auch unter einem Strohhut versteckt so richtig süss ist.

5/6

Episode 2 - Tatooine Rhapsody (Studio: Studio Colorido)

Worum geht es?

Während einem Auftritt einer jungen Rockband wird der Bassist von Boba Fett persönlich zu Jabba the Hutt gebracht, da er diesem noch etwas schuldet. Seine Bandkollegen versuchen ihn zu retten, indem sie Jabba von ihrem musikalischen Talent überzeugen.

Wie war die Folge?

Trotz toll gemachten Hintergründen und einem catchy Pop-Punk-Song ist diese Episode eher eine Kuriosität. Die proportional seltsam designten Figuren sind sicherlich gewöhnungsbedürftig, sollen hier aber nicht bewertet werden. Vielmehr ist es einfach nur schwierig, einen gepiercten Hutt mit flammender Gitarre am Abrocken zu sehen. In solchen Momenten ist es vielleicht doch besser, dass Star Wars Visions nicht offiziell zur Timeline gehört.

3/6

Episode 3 - The Twins (Studio: Trigger)

© Disney+


Worum geht es?

An Bord eines Sternenzerstörers der Gemini-Klasse bekämpfen sich die Sith-Zwillinge Am und Karre, die eigentlich dazu kreiert wurden, all ihre Kraft aus der dunklen Seite der Macht zu schöpfen. Dies ist offensichtlich fehlgeschlagen, da Karre davon überzeugt ist, eine Wahl zu haben, und sich deshalb in ein spektakuläres Duell mit seiner Zwillingsschwester stürzt.

Wie war die Folge?

Das Thema Geschwister ist offensichtlich ein beliebtes Motiv in der Star-Wars-Galaxis. Diese ziemlich wilde Episode nimmt sich gleich vieler klassischer Motive der Saga an. So geht es um die Balance zwischen Gut und Böse und die Idee des freien Willens. Fans von spannenden Waffen dürften bei der sechsfachen Laserpeitsche von Sith-Schwester Am ihre Freude haben und auch mystische Elemente wie die Macht der Kyberkristalle dürfen nicht fehlen. Eine Folge, die auf den ersten Blick simpel zu sein scheint, aber viel Futter für Hobbyphilosophen bietet. In ihrer Art erinnert sie teilweise an den Mortis-Storystrang aus The Clone Wars.

4/6

Episode 4 - The Village Bride (Studio: Kinema Citrus)

Worum geht es?

Eine junge Braut opfert sich fiesen Bösewichten, um das Stammesoberhaupt zu retten. Die Schurken haben zwar eine ganze Einheit Battle Droids dabei, haben aber nicht mit einer mächtigen Jedi gerechnet, die den Planeten zufällig besucht...


Wie war die Folge?


Zu Beginn scheint es dieser Geschichte etwas an Star-Wars-Feeling zu fehlen, da wir in die Traditionen des Planeten eingeführt werden, der auch landschaftlich stark an Japan erinnert. Erst gegen Ende, als die Kampfdroiden auftauchen, nimmt die Folge an Fahrt auf. Die Geduld hat sich gelohnt, denn das Finale bietet einen tollen Reveal einer noch tolleren Heldin. Die maskierte Jedi-Ritterin gehört zu den coolsten Figuren von Star Wars: Visions und ihr Auftritt macht definitiv Lust auf mehr. Es bleibt zu hoffen, dass diese Figur eventuell in irgendeiner Form wieder auftaucht, denn es wäre spannend, etwas mehr über sie zu erfahren.


4.5/6

Episode 5 - The Ninth Jedi (Studio: Production I.G.)

© Disney+



Worum geht es?

Die Nachricht eines Jedi-Ritters ruft die letzten herrenlosen Krieger des Ordens zu sich. Mit Hilfe eines Schmiedes ist er dem Geheimnis des Lichtschwertes auf die Spur gekommen. Diese sagenumwobene Waffe ist, wie die Jedi selbst, nur noch aus Legenden bekannt. Nun soll damit Schluss sein und die Jedi sollen wieder zu ihrer alten Macht finden.

Wie war die Folge?


Mit ihren 23 Minuten Laufzeit ist The Ninth Jedi die längste Episode dieser Anthologie. Sie hat dementsprechend auch etwas mehr Zeit, ihre Geschichte zu erzählen, was sich deutlich bemerkbar macht. Eine packende Speederbike-Verfolgungsjagd und das Finale gehören zu den Actionhighlights der gesamten Serie. Mit Ethan und Kara wurden Figuren erschaffen, welche trotz der immer noch kurzen Zeit einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Lichtschwerter funktionieren hier etwas anders, als man es sich bisher gewohnt ist, und so grenzt sich diese Folge deutlich vom offiziellen «Canon» ab. Dies ist eigentlich etwas schade, da es die pingeligen Fans etwas herausreissen könnte. Findet man sich aber damit ab, bekommt man hier ein ganz starkes Abenteuer mit viel Emotionen, einem tollen Score und rasanter Action zu sehen.


5.5/6

Episode 6 - T0-B1 (Studio: Science SARU)

Worum geht es?

Ein Roboter-Junge möchte unbedingt Jedi werden. Seine Vaterfigur, ein verrückter Wissenschaftler, sagt, er müsse dazu einen Kyberkristall finden.

Wie war die Folge?

Was hier zu sehen ist, ist schon sehr weit entfernt von Star Wars und ist völlig Banane. Cool aussehen tut aber auch diese Folge, und gerade das Lichtschwert-Duell vor dem grauen und bewölkten Hintergrund macht schon etwas her. Die an Astroboy erinnernde Hauptfigur geht aber gar nicht. Da kann man froh sein, ist der Spuk nach etwas mehr als einer Viertelstunde auch schon wieder vorbei.

2/6

Episode 7 - The Elder (Studio: Trigger

© Disney+

Worum geht es?

Ein Jedi und sein Padawan reisen zu einem Planeten, von dem eine finstere Macht ausgeht. Auf der Oberfläche angekommen, machen sie sich auf die Suche nach der Quelle dieser Kraft.

Wie war die Folge?

Die bereits zweite Folge dieses Animationsstudios nimmt es etwas ruhiger als der Vorgänger The Twins. Den grössten Teil der Folge verbringen wir mit den beiden Jedi und lernen ihr Meister/Padawan-Verhältnis kennen. Diese Episode ist deutlich zu kurz und kann so nicht viel Spannung aufbauen. Wenn dann der Antagonist auftaucht, ist dies zwar cool gemacht, aber etwas zu spät, um noch viel aus dieser simplen Episode herauszuholen. An dieser Stelle soll aber erwähnt werden, dass das Sounddesign der gesamten Serie exzellent gestaltet wurde und viel dazu beiträgt, dass sich auch die etwas abstruseren Folgen noch nach Star Wars anfühlen.

3/6

Episode 8 - Lop & Ocho (Studio: Geno Studio

Worum geht es?

Ein Vater und seine Tochter nehmen eine befreite Sklavin einer fremden Spezies in ihre Familie auf. So findet sie ein neues Zuhause. Als ihre Schwester aber plötzlich Sympathien für das Imperium entwickelt, wird das Trio auf eine harte Probe gestellt.

Wie war die Folge?

Es ist schon etwas seltsam, eine Art Ninja-Häschen in Hotpants in diesem Universum willkommen zu heissen. Star-Wars-Fans sind zum Glück schon einiges gewohnt und so wurde dieses Jahr sogar eine Actionfigur von Jaxxon T. Tumperakki veröffentlicht, dessen Name man gerne in einer Suchmaschine eingeben kann. Nach einer kurzen Gewöhnungsphase schliesst man Lops Figur aber schnell ins Herz und die Beziehung zwischen Vater und Adoptivtochter vermag zu berühren. Auch hier gilt, dass die Geschichte sehr abrupt endet, bevor wirklich grosse Emotionen aufkommen können.

4/6

Episode 9 - Akakiri (Studio: Science SARU)

Worum geht es?

Ein Jedi kehrt zu einer früheren Liebe zurück, um ihre Stadt vor einem machtgierigen Sith zu befreien.

Wie war die Folge?

Die neunte und letzte Folge ist leider eher ein laues Lüftchen als ein stürmisches Finale. Mit zwei ziemlich doofen «Reiseführern» als humoristische Figuren und einem seltsam gezeichneten Bösewicht kann Akakiri nur wenig Punkte einheimsen. Der Ansatz ist sicherlich da, denn es geht wieder einmal um den Reiz der dunklen Seite und darum, wie gross die Versuchung sein kann. Dazu gibt es ein paar coole Viecher und passende Musik. Alles in allem aber ein schwacher Abschluss einer äusserst interessanten Serie.

2.5/6

Marco Albini [ma]

2003 verfasste Marco seine erste Kritik auf OutNow und ist heute vor allem als Co-Moderator des OutCast tätig. Der leidenschaftliche «Star Wars»-Fan aus Basel gräbt gerne obskure Genrefilme aus, aber Komödien sind ihm ein Gräuel.

  1. Artikel
  2. Profil
  3. E-Mail
  4. Twitter
  5. Letterboxd
Teilen
Auf Facebook teilen  Auf Twitter teilen 
Datum
Quelle
OutNow
Themen