«Stranger Things» schauen und das Schweizer Filmschaffen unterstützen

Streaminganbieter wie Netflix oder Disney+ sollen auch in der Schweiz in Zukunft einen Teil des Umsatzes in lokale Filme und Serien investieren. Dies hat der Nationalrat beschlossen.

«Stranger Things» schauen und so das Schweizer Filmschaffen unterstützen. © Netflix

Was in unseren Nachbarländern Frankreich und Italien schon länger gilt, soll nun auch in der Schweiz Realität werden. Nein, wir reden hier mal nicht über Massnahmen zur Eindämmung des Coronavirus, sondern um ein Gesetz, welches Streaminganbieter verpflichtet, einen Teil ihrer Umsätze in heimische Produktionen zu reinvestieren.

Während Netflix und Co. in Frankreich 25% und in Italien 20% des in jenem Land erzielten Umsatzes in lokale Filme und Serien reinvestieren müssen, wurde dieser Prozentsatz für die Schweiz nach langem Kampf im Parlament auf 4% festgelegt. Gegner des Gesetzes wollten 2%, einige sogar 0%.

Die Streaminganbieter, welche in der Schweiz tätig sind, können entweder den Betrag in die Schweizer Filmfördertöpfe einzahlen oder sie investieren das Geld direkt in Schweizer Produktionen, die dann logischerweise nur auf dem Streamingdienst laufen werden, welcher die Produktion finanziert hat. Zweiteres würde deutlich mehr Sinn ergeben, da die Streamingdienste hauptsächlich mit Exklusivitäten die Kundschaft locken - wer zum Beispiel Stranger Things sehen möchte, braucht Netflix, wer beim The Mandalorian up-to-date sein will, kommt nicht um Disney+ herum. Beim Schauen dieser genannten Serien wird man in Zukunft nun also auch das Schweizer Filmschaffen unterstützen. Vier Prozent von dem, was man in der Schweiz bei Netflix und Disney+ für das Abo bezahlt, werden dem Schweizer Filmschaffen zugutekommen.

«The Mandalorian»
«The Mandalorian» © Lucasfilm Ltd & ™. All Rights Reserved

Es ist gut möglich, dass man nun auf Netflix in den kommenden Jahren mehr Schweizer Filme und Serien finden wird, die vom Streaminggigant selbst produziert wurden. Das Gesetz trägt zwar den Spitznamen «Lex Netflix», doch könnte es genauso gut «Lex Disney+» oder «Lex Prime Video» heissen, da es nicht Netflix alleine betrifft, sondern alle Streamingdienste. Es wird erwartet, dass mit diesem Gesetz jährlich ca. 30 Millionen Franken mehr an das hiesige Filmschaffen fliessen.

In Stein gemeisselt ist das aber alles noch nicht. Die Jungparteien von FDP, SVP, GLP und Mitte-Partei wollen das Referendum ergreifen und so das Volk über das Gesetz abstimmen lassen. Die Angst der Jungparteien ist, dass die Streaminganbieter einfach ihre Abokosten erhöhen werden, um in Zukunft wegen dieser 4%-Abgabe nicht weniger zu verdienen. Dies scheint jedoch nicht sehr realistisch, gibt es schon jetzt einen Preiskampf unter den Streamingdiensten, die sich mit höheren Abokosten nicht unbedingt ins eigene Fleisch schneiden möchten.

Erfreulich ist diese Nachricht für die Schweizer Filmbranche nicht nur wegen dem Geld, sondern auch aufgrund des vereinfachten Zugangs zu den Streaminggiganten. Bisher hat zum Beispiel Netflix nur Schweizer Filme ins Programm geholt, die schon im Kino erfolgreich waren, wie z.B. Wolkenbruch. Mit diesem Gesetz können es nun auch kleinere Produktionen auf Netflix schaffen und so über die Landesgrenzen hinaus ein Publikum gewinnen. Eine Win-Win-Situation.

Christoph Schelb [crs]

Christoph arbeitet seit 2008 für OutNow und leitet die Redaktion seit 2011. Seit er als Kind in einen Kessel voller Videokassetten gefallen ist, schaut er sich mit viel Begeisterung alles Mögliche an, wobei es ihm die Filmfestivals in Cannes und Toronto besonders angetan haben.

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