«Es hat geholfen, dass wir uns totgelacht haben»: Das Interview mit Maren Eggert zu «Ich bin dein Mensch»

Die deutsche Schauspielerin verkörpert im Feel-Good-Movie eine Wissenschaftlerin, die sich einen humanoiden Roboter nach Hause holt. Wir trafen sie in Zürich zum Gespräch.

Maren Eggert in «Ich bin dein Mensch» © Christine Fenzl, Majestic

Ich bin dein Mensch von Regisseurin Maria Schrader war ein Hit an der diesjährigen Berlinale. In der romantischen Komödie soll eine von Maren Eggert gespielte Wissenschaftlerin mit einem von Dan Stevens verkörperten humanoiden Roboter zusammenleben und danach ein Gutachten erstellen. Obwohl sie zu Beginn nicht viel mit ihrem neuen Mitbewohner anfangen kann - der darauf programmiert ist, sie glücklich zu machen -, beginnt dann irgendwann doch ein Umdenken.

Anlässlich einer Vorpremieren-Tour in Zürich trafen wir Maren Eggert zum Interview und sprachen mit ihr unter anderem über lustige deutsche Wörter, ihre liebsten Filmroboter und die Dreharbeiten im Coronajahr 2020.

Alma verhält sich zu Beginn recht spöttisch gegenüber Tom. Als Zuschauer schlägt man sich da fast ein bisschen auf die Seite des fast kindlich wirkenden Roboters. War es schwierig eine Balance zu finden, dass Alma einem da nicht zu unsympathisch wird?
Da habe ich mir tatsächlich zu Beginn Sorgen gemacht. Alma geht am Anfang recht schroff mit Tom um. Im Sinne der Komödie macht das aber natürlich Sinn, eine Figur zu haben, die in einer Situation steckt, in der sie lieber nicht sein möchte. Aber es war schon ein Balanceakt. Wir wollten ja nicht, dass die Zuschauer dann sagen: «Die Alma nervt jetzt aber wirklich, der möchte ich nicht mehr zugucken.» Ich habe aber Regisseurin Maria Schrader vertraut, welche äusserst stilsicher ist. Es hat auch geholfen, dass wir uns beim Spielen immer wieder totgelacht haben, weil dieser Tom so hübsch und lieb ist, während Alma nur auf ihm herumwettert.

Dan Stevens und Maren Eggert
Dan Stevens und Maren Eggert © Christine Fenzl, Majestic

Musstet ihr viele Takes abbrechen, weil ihr lachen musstet?
Es waren nicht so viele. Es hat uns sehr geholfen, dass das meiste im Studio gedreht wurde, wo man Ruhe hatte und sich gut konzentrieren konnte. Das war notwendig, denn wenn ich mal loslache, dann kriege ich mich kaum mehr ein.

Der Film gibt keine einfachen Antworten, sondern gibt zu, dass wir Menschen kompliziert sind. Wir können etwas sagen, machen dann aber auch gerne das Gegenteil. Ist das etwas, was dich an deiner Figur gereizt hat?
Absolut, dieser Konflikt zwischen Verstand und Gefühl, das eine tun und das andere sagen. Wir sind nämlich nicht immer so konsequent, wie wir jeweils glauben. Auch, dass wir etwas fühlen, was wir nicht logisch erklären können, finde ich unglaublich faszinierend.

Der Brite Dan Stevens überrascht im Film mit seinem stilsicheren Deutsch. Wurde er da von dir auch ein bisschen gecoacht?
Das war der Job von Maria Schraders Tochter, welche neben Sprachcoach auch noch zweite Regieassistenz bei dem Film war. Mit mir wollte Dan dann auch immer Deutsch reden, während ich immer mit ihm Englisch sprechen wollte.

Dan Stevens
Dan Stevens © Christine Fenzl, Majestic

Hast du ihm denn auch ein paar deutsche Wörter beigebracht?
Ich habe ihm jeden Tag ein neues Wort ans Set mitgebracht. Er liebt so ungewöhnliche deutsche Wörter, wie z. B. «Schnipsel». Total gut und witzig fand er auch «Schausis», so nennen wir uns Schauspieler am Theater.

Du hast ihn aber nie verarscht und ihm ein Wort gesagt und eine falsche Bedeutung mitgegeben?
(lacht) Nein, nein, so fies bin ich nicht.

Was sind neben Tom deine Lieblingsroboter in der Filmgeschichte?
Ich bin nicht so bewandert mit dem Thema. Blade Runner und Co. sind nicht so meine Art von Film. Aber R2D2 und C-3PO aus Star Wars habe ich ins Herz geschlossen. Neulich habe ich mit meinen Kindern Wall-E angeschaut. Es war total süss, wie sich dieser kleine Roboter verliebt.

Ihr habt den Film im Jahr 2020 gedreht. Was war die grösste Herausforderung in diesem so durch Corona bestimmen Jahr?
Am Set liefen die Leute, die nicht vor der Kamera standen, alle mit Maske rum. Daran gewöhnte man sich jedoch. In heiklen Drehphasen musste ich des Öfteren auch bei mir Zuhause eine Maske tragen, um eine Infektion mit allen Mitteln zu verhindern. Das war zwar nicht gerade schön, aber alles absolut machbar. Durch die Situation wurden wir jedoch zur total eingeschworenen Filmcrew, weil wir alle sehr achtsam miteinander umgegangen sind.

Dan Stevens und Maren Eggert
Dan Stevens und Maren Eggert © Christine Fenzl, Majestic

Seit diesem Jahr verleiht die Berlinale nur noch einen Preis für die beste schauspielerische Leistung in einer Hauptrolle - es gibt keine Unterscheidung mehr zwischen Frauen und Männern. Du hast diesen Preis als erste für deine Performance in Ich bin dein Mensch gewonnen. Bedeutet dir dieser Preis persönlich mehr, weil du dich nicht nur gegen Mitkonkurrentinnen durchgesetzt hast, sondern auch gegen alle Mitkonkurrenten?
Die Freude über diesen Preis ist so gross, dass es für mich keinen riesigen Unterschied macht (lacht). Die Konkurrenz ist ja immer gross, gegen die man sich durchsetzen muss.

Wieso soll man sich Ich bin dein Mensch unbedingt in Kino ansehen?
Es ist ein Film, den man sich sehr schön zusammen anschauen kann, besonders bei den lustigen Szenen. Zudem ist Berlin in dem Film wunderschön fotografiert. Diese Bilder wirken im Kino viel besser als zuhause auf dem Bildschirm. Ich war jetzt auch schon bei einigen Openair-Veranstaltungen, wo der Film gezeigt wurde und fand es absolut zauberhaft. Ich liebe es einfach, alles zu vergessen und gemeinsam in eine Geschichte abzutauchen.

Ich bin dein Mensch läuft ab dem 1. Juli 2021 in den Schweizer Kinos.

© Filmcoopi

Christoph Schelb [crs]

Christoph arbeitet seit 2008 für OutNow und leitet die Redaktion seit 2011. Seit er als Kind in einen Kessel voller Videokassetten gefallen ist, schaut er sich mit viel Begeisterung alles Mögliche an, wobei es ihm die Filmfestivals in Cannes und Toronto besonders angetan haben.

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