Neue Netflix-Serie «Sweet Tooth»: So gut ist die erste Staffel

Jahre nachdem ein Virus die Welt verwüstete und mysteriöse Mensch-Tier-Hybrid-Babys geboren wurden, begibt sich ein Hirsch-Junge auf ein Abenteuer. Hier sind unsere Eindrücke der Netflix-Serie.

© Netflix

Sweet Tooth basiert auf dem gleichnamigen Vertigo-Comic von Jeff Lemire. Obwohl der erste Band schon 2009 veröffentlicht wurde und die Pilotfolge bereits 2019 gefilmt wurde, trifft die Geschichte, die nach einer Pandemie spielt, zum Veröffentlichungstermin auf Netflix einen fast zu akkuraten Nerv der Zeit. Dies macht Sweet Tooth auf der einen Seite spannender, da die Serie sehr aktuelle Fragen aufwirft. Auf der anderen Seite kann es einem aber zu viel werden, wenn man nicht mal mehr bei einer Netflix-Serie der Pandemie entfliehen kann.

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Abgesehen davon bietet die neue Netflixserie eine bunte Palette an Elementen: ein niedlicher kleiner Hirsch-Junge, der an Where the Wild Things Are erinnert, inmitten einer brutalen postapokalyptischen Szenerie à la Resident Evil, eine Gruppe von Bösewichten, die an die Grauen Männer aus Momo erinnern und eine gute Portion Humor, die immer wieder für Auflockerung sorgt. Diese Mischung macht Sweet Tooth extrem abwechslungsreich und man weiss nie, was einen in der nächsten Szene erwartet. Erfahren wir etwas über den Hintergrund des Virus? Folgt eine Szene, in der jemand brutal stirbt? Bringt Gus mit seiner naiven Sicht auf die Welt alle zum Schmunzeln? Man weiss es eben nicht! Und das ist gut so, denn damit gelingt es der Serie, das Publikum von Anfang bis zum Schluss immer wieder zu überraschen.

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Zusätzlich zur abwechslungsreichen Geschichte bieten auch die unterschiedlichen Figuren gute Unterhaltung. Neben dem niedlichen Gus wirkt der grummelige Jepperd (gespielt von Nonso Anozie) beinahe fehl am Platz und die rebellische Bear (Stefania LaVie Owen) wirkt fast etwas zu künstlich. Dank den hervorragenden Leistungen des Casts und der guten Chemie zwischen ihnen stören diese klischeebeladenen Charaktere jedoch überhaupt nicht. Im Gegenteil, es bringt sogar etwas Ruhe in das Ganze.

Einzig die Menge an Figuren lässt einen manchmal etwas ratlos zurück. Denn neben den drei oben genannten spielen noch der Arzt Aditya (Adeel Akhtar) und seine Frau Rani (Aliza Vellani) eine wichtige Rolle und bringen etwas Realismus in die Serie - ein Paar, das macht, was man halt machen muss, um zu überleben; sowie Aimee (Diana Ramirez), die einzelgängerische Psychologin, die im Zoo lebt und die nötige Prise Menschlichkeit in die Geschichte bringt. Dann gibt es noch General Abbot und Gus' Vater, und - na eben eine Menge Figuren. Diese Menge macht die Serie zwischendurch etwas anstrengend, denn es braucht ein paar Folgen, bis man versteht, wer wohin gehört. Zudem bleiben die Motive hinter den Figuren und ihren Handlungsweisen auf der Strecke und werden nur schleppend aufgezeigt. Ob dies einfach aus Zeitgründen so ist oder ob das zum Aufbau der Geschichte gehört und in weiteren Staffeln noch kommen wird, bleibt abzuwarten.

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Alles in allem lassen die ersten acht Folgen von Sweet Tooth einen gespannt auf eine nächste Staffel hoffen.

Diana Rolny [dro]

Diana arbeitet seit 2013 als Freelancerin bei OutNow. Sie liebt Dokumentationen wie «The Life of Brian» und Wanderfilme aus Mittelerde. Zu schwarzhumorigen Komödien geniesst sie gerne einen Martini Dry, bei Sci-Fi einen Pangalactic Gargleblaster und bei sinnfreien Kunstfilmen einen Molotowcocktail.

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OutNow