«Game of Thrones hat uns nicht interessiert»: Das Interview zum Disney-Film «Raya and the Last Dragon»

Wir sprachen mit den «Raya»-Regisseuren Don Hall und Carlos López Estrada sowie Drehbuchautor Qui Nguyen. Dabei sprachen wir u.a. über Home-Office bei Disney und einen Sidekick-Zufallsgenerator.

© Disney

Bei Raya and the Last Dragon handelt es sich um den neusten Disney-Animationsfilm. In dem Fantasy-Abenteuer muss eine junge Heldin eine böse Macht namens «Druun» bannen. Bei ihrem Vorhaben trifft sie dabei auch auf den letzten Drachen.

Wie viele Filme in letzter Zeit wurde auch dieser wegen der Pandemie im Home-Office fertiggestellt. Aus den jeweiligen vier Wänden waren uns auch die Regisseure Don Hall und Carlos López Estrada sowie Drehbuchautor Qui Nguyen zugeschaltet, um uns über Zoom unsere Fragen zu beantworten. Wir kamen dabei unter anderem auf die Schwierigkeiten im Home-Office, die Motivation beim Drehbuchschreiben, Inspirationen beim Figurendesign und natürlich auch auf den herzigen Sidekick Tuk Tuk zu sprechen.

Wie ist das Design der Drachen entstanden?
Carlos López Estrada: Wie haben uns von der Naga-Mythologie aus der südasiatischen Kultur inspirieren lassen. Das war das Grundgerüst. Im Gegensatz zu den Drachen, wie man sie aus Game of Thrones kennt, sind unsere Drachen Wesen voller Inspiration und Hoffnung. Aufgrund der Handlung wollten wir Figuren erschaffen, mit denen die Menschen eine emotionale Verbindung herstellen können, besonders mit dem von Awkwafina gesprochenen Drachen Sisu. Auch deshalb waren die Drachen-Designs von Game of Thrones nicht wirklich interessant für uns. Der ganze Charakterdesignprozess erstreckte sich schlussendlich über zwei Jahre.

Drache Sisu
Drache Sisu © Disney

Wegen der Pandemie musstet ihr den Film zuhause beenden. Wie war das?
Don Hall: Dank unseres genialen IT-Teams gab es kaum technische Probleme, als wir im März 2020 plötzlich alle nach Hause gehen mussten. Am meisten Sorgen bereitete uns jedoch zu Beginn der Austausch mit den einzelnen Teammitgliedern. Wir haben eine sehr kollaborative Kultur bei Disney Animation. Da wir alle im gleichen Gebäude arbeiten, darf sich jeder einbringen und vieles entsteht auch mal zwischen Meetings in lockeren Gesprächen. Wir waren uns nicht sicher, ob wir dies via Zoom aufrecht erhalten können. Aber wir haben einen Weg gefunden, weil wir die Story von Raya and the Last Dragon unbedingt erzählen wollten. Eines ist jedoch sicher: Wir freuen uns, wenn wir wieder ins Büro können.

Eine Frage an Drehbuchautor Qui Nguyen: Wie sehr hat deine vietnamesisch-amerikanische Herkunft die Story beeinflusst?
Qui Nguyen: Es hat mich motiviert, die Geschichte zu schreiben. Ich bin in den USA aufgewachsen und als Kind sah ich in den grossen Hollywoodfilmen nie Helden, die wie ich aussahen. Es war für mich wichtig, einen Film mit Helden zu erschaffen, zu denen meine eigenen Kinder aufschauen und dann sagen können: «Hey Raya und ihre Freunde sehen aus wie meine Grossmutter, mein Grossvater oder mein Vater.»

Sidekick Tuk Tuk und Heldin Raya
Sidekick Tuk Tuk und Heldin Raya © Disney

Wie es sich für eine Disney-Hauptfigur gehört, hat auch Raya einen tierischen Sidekick: Tuk Tuk. Wie wird bei Disney eigentlich über die Sidekick-Tierart entschieden?
Carlos López Estrada: Wir werfen einfach unseren Sidekick-Zufallsgenerator an. (lacht)
Don Hall: Ja, genau (lacht). Aber ernsthaft. Für die Geschichte machte es Sinn, dass der Sidekick zum einen ein Freund und zum anderen so etwas wie ein loyales Ross ist. Das merkt man zu Beginn nicht, da Tuk Tuk da vor allem herzig und klein ist. Später hat er dann die Grösse eines VW-Volkswagens. Tuk Tuk ist eine Mischung aus Schuppentier, Bär und Rollassel. Weil die Welt von Kumandra so riesig ist, brauchten wir jemanden, der Raya schnell von A nach B bringen kann. Mit diesem Hintergedanken ist die Figur dann entstanden.

Was sollen die Menschen von Raya and the Last Dragon mitnehmen?
Carlos López Estrada: Das eine Gemeinschaft nur mit Vertrauen funktionieren kann und dass Misstrauen sie zerstören kann.

Raya and the Last Dragon kann ab dem 5. März 2021 auf Disney+ gestreamt werden

Christoph Schelb [crs]

Christoph arbeitet seit 2008 für OutNow und leitet die Redaktion seit 2011. Seit er als Kind in einen Kessel voller Videokassetten gefallen ist, schaut er sich mit viel Begeisterung alles Mögliche an, wobei es ihm die Filmfestivals in Cannes und Toronto besonders angetan haben.

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