2. ONFF: Jury vergibt die Goldenen Sofas

Die dreiköpfige Jury vergibt die Goldenen Sofas des 2. OutNow Film Festival. Während beim Hauptpreis die Favoriten die Nase vornhaben, gibt es bei den Nebenkategorien kleine Überraschungen.

© OutNow

Angesetzt war eine Stunde, schliesslich dauerte es rund zweienhalb Stunden: In der Jurysitzung, die selbstverständlich wie im Moment fast nicht anders möglich via Videocall stattfand, diskutierten die Zurich-Film-Festival-Programmerin Christine Albrecht, der Schauspieler und Sprecher Edward Piccin sowie die Kultur- und Filmpublizistin Silvia Posavec angeregt über die zwölf Filme im Wettbewerb.

Wie auch bei den OutNow-Kritikerinnen und -Kritikern schwangen letztendlich die beiden Netflix-Filme A Sun und The Hater obenauf. Ein Favoritensieg also. Jedoch gefielen der Jury auch Two/One, Nova Lituania und The Forgotten sehr gut, die in der OutNow-Redaktion eher gemischt aufgenommen wurden. Der peruanische Beitrag Cancion sin nombre, die Nummer drei im OutNow-Rating, hatte hingegen einen eher schwereren Stand bei der Jury und geht leer aus.

Die Jury: Christine Albrecht, Edward Piccin, Silvia Posavec (v.l.)
Die Jury: Christine Albrecht, Edward Piccin, Silvia Posavec (v.l.) © zVg

Und was sagt die Jury zu ihrem ersten ONFF? «Ich habe es genossen, einfach mal ohne Vorwissen in die Filme hineinzugehen», sagt Christine Albrecht, die sonst von Berufs wegen immer schon im Voraus sehr viel über die Filme recherchieren muss. «Auch wenn es teilweise etwas mühsam war, die Filme auf dem Bildschirm schauen zu müssen - es war toll, auch andere Streaminganbieter als Netflix kennenzulernen», resümiert wiederum Edward Piccin. Doch auch auf Netflix finden sich Perlen, wie Silvia Posavec ihr Fazit zieht: «Filme wie A Sun und The Hater zeigen, dass es bei Netflix tolle Filme gibt - aber manchmal muss man sie etwas suchen.»

Die Sieger im Überblick

Goldenes Sofa - bester Film: A Sun von Mong-Hong Chung

© Courtesy of TIFF

Silvia Posavec: «Ein sehr schöner wie auch berührender und zwischendurch auch lustiger Film. Ich fand es superschön, für zweieinhalb Stunden in diese Welt einzutauchen.»

Verfügbar auf Netflix.

Grosser Preis der Jury: The Hater von Jan Komasa

© Netflix

Christine Albrecht: «Man weiss nie, wie man mit diesem Protagonisten umgehen soll: Manchmal hasst man ihn, zwischendurch bringt man für ihn Verständnis auf. Ein spannender und vielschichtiger Film.»

Verfügbar auf Netflix.

Bester Darsteller: Diego Peretti, Iniciales S.G.

© trigon-film

Edward Piccin: «Diego Peretti hat ein Gesicht, das lebt. Er kann seinen eigentlich sehr unsympathischen Charakter glaubhauft rüberbringen, sodass man sogar ein wenig mit ihm mitfühlen kann.»

Verfügbar auf Filmingo.

Beste Darstellerin: Atsuko Maeda, To the Ends of the Earth

© trigon-film

Edward Piccin: «Als japanische Reporterin in Usbekistan wirkt Atsuko Maedas Figur ein bisschen wie ein Alien. Es ist beeindruckend, wie sie den Gegensatz ihrer Fernsehfigur und ihrem sonst sehr introventierten Charakter darstellt.»

Verfügbar auf Filmingo.

Beste Regie: Juan Cabral, Two/One

© MUBI

Christine Albrecht: «Ein bodenständiger Film, der die Vision des Drehbuchs mit sehr schönen Aufnahmen umsetzt.»

Verfügbar auf MUBI.

Bestes Drehbuch: Karolis Kaupinis, Nova Lituania

© MUBI

Silvia Posavec: «Es steckt sehr viel Arbeit darin, eine Welt zu erschaffen, wie das Karolis Kaupinis hier getan hat. Dank der Erzählstruktur wirkt die Umsetzung authentisch und glaubhaft.»

Verfügbar auf MUBI.

Special Mentions:

- Two/One - für den exzellenten Schnitt
- The Forgotten - für die politische Dringlichkeit, einen Konflikt zu zeigen, von dem man sonst wenig hört

Mit der Preisvergabe der Jury geht das 2. ONFF zu Ende. In der nächsten Woche werden wir noch einen Rückblick unserer ONFF-Korrespondentinnen und -korrespondenten veröffentlichen. Wir hoffen, es hat euch genauso Spass gemacht wie uns - wir sehen uns am 3. ONFF!

Presseanfragen bezüglich dem Festival nehmen wir gerne über unseren Twitter-Account oder über onff@outnow.ch entgegen.

Simon Eberhard [ebe]

Aufgewachsen mit Indy, Bond und Bud Spencer, hatte Simon seine cineastische Erleuchtung als Teenager mit «Spiel mir das Lied vom Tod». Heute tingelt er durch Festivals und mag Krawallfilme genauso wie Artsy-Farts. Nur wenn jemand einen Film als «radikal» bezeichnet, rollt er genervt mit den Augen.

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