Vorschau auf die 2021er-Ausgabe des Independent-Filmfestivals «Black Movie»

Auch das «Black Movie» muss mit seinem Januartermin in diesem Jahr wegen der Corona-bedingten Kinoschliessung ins Internet umziehen. Das Programm ist lohnt sich wie gewohnt sehr.

«The Woman Who Ran» © Jeonwonsa Film Co. Production

Vom 22. bis 31. Januar findet nun auch das Black Movie online statt. Traditionell bringt das Festival-Filme nach Genf, die nur selten einen regulären Kinostart in der Schweiz haben. Es sind Filme aus Asien, Afrika, Lateinamerika und bevorzugt aus Osteuropa, die die Macherinnen auf internationalen Festivals aufspüren und denen sie eine eigene Plattform geben.

Wie funktioniert es?

Um einen festivalähnlichen Charakter zu bewahren, werden die Filme vom 22. bis 31. Januar gestaffelt sichtbar sein. Ein Film ist für jeweils 6 Franken erhältlich und buchbar, sobald man sich mit E-Mail-Adresse anmeldet. Der Film muss genau zur angegebenen Zeit gestartet werden, kann aber innerhalb von vier Stunden angesehen werden. Es gilt schnell zu sein, da, wie im echten Kino, nur ein begrenztes Kontingent an Zugängen pro Film erhältlich ist. Jeder Film ist aber zu unterschiedlichen Zeiten an unterschiedlichen Tagen programmiert. Am besten erstellt man ein Konto auf der Seite des Festivals blackmovie.ch und fügt die gewünschten Filme in eine eigene Merkliste.

Für alle, die mehrere Filme schauen wollen, ist ein Festivalpass für 50 Franken erhältlich, mit dem man alle Filme sehen kann - was wir nur empfehlen können.

Blick ins Programm

Auch dieses Jahr wartet das Festival mit einer vielversprechenden Filmauswahl auf. Im Folgenden haben wir ein paar Empfehlungen zusammengestellt.

The Woman Who Ran

Worum geht es?

Der Ehemann von Gam-hee hat das Gefühl, dass er jede freie Minute mit seinem Schatz verbringen muss. «Wenn man sich liebt, verbringt man die Zeit miteinander», so die Sichtweise des Gatten. Aus diesem Grund hat Gam-hee schon länger keine ihrer Freundinnen mehr gesehen. Als ihr Mann auf Geschäftsreise geht, nutzt sie ihre Chance und besucht zwei enge Freundinnen.

Outnow meint:

Der koreanische Regisseur Hong Sang-soo lässt in seinen Filmen gerne die Charaktere über Banales und Alltägliches quatschen. Das ist ein Film der spaltet, während den einen es zu viel des Gequatsche ist, erfreuen sich die anderen an der subtilen Ironie des äusserst produktiven Autors. Zur ganzen Kritik von Christoph Schelb

Verfügbar:

Jeweils am 24. Januar um 18 Uhr, 29. Januar um 20 Uhr und 30. Januar um 19 Uhr.

«The Woman Who Ran»
«The Woman Who Ran» © Jeonwonsa Film Co. Production

Days/Rizi

Worum geht es?

Der taiwanische Spielfilm von Tsai Ming-liang schildert die erotische Begegnung zweier einsamer Männer. Eines Tages treffen sie aufeinander. Kang hat in der Stadt ein Hotelzimmer gemietet. Non gibt ihm eine Ganzkörpermassage, mit Happy End. Nach einem schnellen gemeinsamen Imbiss trennen sich ihre Wege wieder und jeder kehrt zurück in sein Leben.

Outnow meint:

In langen Einstellungen fängt der Film verschiedene alltägliche Erlebnisse der beiden Männer ein und fordert die Zuschauer dabei durch seine extreme Ruhe heraus. Eine reizvolle, die Sinne fordernde Erfahrung, mit viel Zärtlichkeit erzählt. Zur ganzen Kritik von Julia Stache

Verfügbar:

Jeweils am 23. Januar um 19:15 Uhr, 29. Januar um 19 Uhr und 30. Januar um 17 Uhr.

«Rizi»
«Rizi» © Homegreen Films

The Earth is Blue as an Orange

Worum geht es?

Die alleinerziehende Anna lebt mit ihren zwei Töchtern und zwei Söhnen in der ukrainischen Kriegszone Donbass. Die Familie beschliesst, das Beste aus ihrer Situation zu machen und plant einen Dokumentarfilm über ihre Erlebnisse zu drehen. Das Wohnzimmer wird kurzerhand in ein Studio umgewandelt, während sogar Soldaten vor die Kamera geholt werden.

Outnow meint:

Die grösste Stärke dieser Doku ist zweifelsohne die porträtierte Familie und deren Optimismus, in dieser himmeltraurigen Kriegssituation einen Film realisieren zu wollen. Zur ganzen Kritik von Christoph Schelb

Verfügbar:

Jeweils am 23. Januar um 19 Uhr, 27. Januar um 20 Uhr und 29. Januar um 19:15 Uhr.

«The Earth is Blue as an Orange»
«The Earth is Blue as an Orange» © Zurich Film Festival

Acasa. My Home

Worum geht es?

Das Wasserreservoir in dem sich die Familie Enache vor 18 Jahren aus der Zivilisation zurückgezogen hatte, wurde 2014 zum Naturschutzgebiet erklärt. Damit wiesen die Behörden auch die Familie an, das Feld zu räumen. Doch der Patriarch, der hier seine Kinder grosszog, denkt nicht im Traum daran, seine Heimat zu verlassen. Doch die Wahl hat er nicht.

Outnow meint:

Der Film ist ein starkes Stück rumänischen Kinos, das dokumentarisch Gegensätze gegeneinander laufen lässt und am Beispiel der Aussteiger-Familie Enache nicht nur kritisch auf den Umgang der Behörden mit sozial Schwächeren blickt, sondern auch die Grundpfeiler der zivilisatorischen Mechanismen abklopft. Zur ganzen Kritik von Tom von Arx

Verfügbar:

Jeweils am 22. Januar um 17 Uhr, 24. Januar um 16 Uhr und 31. Januar um 15:30 Uhr.

«Acasa. My Home»
«Acasa. My Home» © Manifest Film

Lucky Strike - Beasts That Cling to the Straw

Worum geht es?

Ein Kriminalfall um eine mit Geld prallgefüllte Louis-Vuitton-Tasche: Der südkoreanische Regisseur Kim Yong-hoon hat eine Geschichte inszeniert, die wie ein Puzzle konstruiert ist. Ein Einzelteil nach dem anderen enthüllt sich mühsam dem Zuschauer und desavouiert seine Erwartungen immer wieder aufs Neue. Die Protagonisten sind ein gutmütiger Saunamitarbeiter, eine Nachtklubbesitzerin, ein waschechter Mafioso und einige andere zwielichtige Gestalten.

Nach einer Präsentation beim Filmfestival in Rotterdam 2019 kam der Film in Korea kurz vor dem Coronaausbruch heraus. Trotz verkürzter Auswertung feierte er grosse Erfolg mit über 600'000 Kinobesuchern.

Outnow meint:

Spannend und gleichzeitig humorvoll interpretiert der Film im Grunde einen altbekannten Stoff auf eigene Weise, wartet mit einem durchweg herausragenden Schauspielerensemble auf und einem ausgezeichneten Sinn für Rhythmus. Die Frauen darin sollte man auf keinen Fall unterschätzen.

Verfügbar:

Jeweils am 22. Januar um 22 Uhr, 24. Januar um 21 Uhr und 27. Januar um 21 Uhr.

Teresa Vena [ter]

Alles begann bei Teresa damit, dass sie, noch viel zu jung dafür, ihren Vater überzeugen konnte, «Gremlins» im Fernsehen schauen zu dürfen. Seitdem gehört absurder Humor und Spannung zu jedem guten Film dazu. Kino aus Asien und Lateinamerika, aber auch aus der Schweiz sind ihre Steckenpferde.

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OutNow