56. Solothurner Filmtage: Die besten Filme, die wir bereits sehen konnten

Die Solothurner Filmtage bieten einem jeweils auch die Möglichkeit, die Highlights der letzten paar Monate nachzuholen. Wir sagen euch, welche Filme ihr euch rot markieren könnt.

Der Schweizer Oscar-Kandidat: «Schwesterlein» mit Nina Hoss und Lars Eidingr © Praesens Film

Die Solothurner Filmtage verstehen sich auch als Werkschau. Der Schweizer Film wird jeweils Ende Januar in den Fokus gerückt, wobei neben Weltpremieren auch Filme gezeigt werden, die entweder an anderen Festivals gelaufen sind oder bereits ihren offiziellen Schweizer Kinostart hinter sich haben. Wer also im Kino Schweizer Filme verpasst hat, kann viele davon bei den Filmtagen nachholen.

Wir sind das Programm der Solothurner Filmtage durchgegangen und präsentieren euch die Filme, die wir bereits gesehen haben und euch ans Herz legen können. Zudem verraten wir euch, von wann bis wann ihr euch die Filme auf der Webseite der Solothurner Filmtage anschauen könnt. Mehr Informationen zu der virtuellen Ausgabe findet ihr unter diesem Link.

Anche stanotte le mucche danzeranno sul tetto

Um was geht es?

2017 findet ein Wanderer in einem Tessiner Tal ein Bein. Es gehört einem Makedonier, der den Sommer zuvor schwarz in einer nahe gelegenen Käserei gearbeitet hat. Dem Betreiber wird nicht nur bald darauf dessen Ermordung angehängt, sondern ihn plagen auch Schuldgefühle und Existenzängste.

OutNow meint:

Aldo Gugolz' Dokumentation verzahnt Bergbauernporträt und Kriminalfall so stimmig, dass sie selbst davon überrumpelt zu sein scheint. Zur ganzen Kritik von Tom von Arx.

Verfügbar:

vom 21. Januar, 12:00 bis zum 24. Januar, 11:59

«Anche stanotte le mucche danzeranno sul tetto»
«Anche stanotte le mucche danzeranno sul tetto» © First Hand Films

Das Spiel

Um was geht es?

Regisseur Roman Hodel schaut in seinem Dokumentarkurzfilm aus unterschiedlichen Blickwinkeln auf ein Fussballspiel in der Schweizer Super League. Ein besonderer Fokus wird dabei auf den Schiedsrichter gelegt. Der Film feierte seine Weltpremiere am Venedig-Filmfestival 2020.

OutNow meint:

Auf humorvolle Art und Weise zeigt uns Hodel, dass Schiedsichter auch nur Menschen sind, die sich Kommentare wie «Freche Siech» auf dem Platz nicht verkneifen können und in der Pause strittige Szenen auf dem Smartphone nochmals anschauen. Herrlich unterhaltsam und nicht nur für Fussball-Fans ein Muss.

Verfügbar:

läuft im Kurzfilmblock «Kurzfilme V» vom 24. Januar, 12:00 bis zum 27. Januar, 11:59

«Das Spiel»
«Das Spiel» © Solothurner Filmtage

Der Ast, auf dem ich sitze

Um was geht es?

Sie zahle 8000 Franken mehr Steuern als ihre Schwester, schüttelt Luzia Schmid den Kopf - die Zuger Steuerpolitik macht es möglich. Ganz legal. Dank seiner günstigen Steuerpolitik kam der Kanton zu Geld, viel Geld. Doch das war nicht immer so. Schmid blickt mit Zeitzeugen zurück auf diesen Wandel.

OutNow meint:

In der Finanzwelt wird es schnell einmal unübersichtlich. Luzia Schmid bricht in ihrer Doku deren Komplexität gut herunter und vermittelt den Wandel ihrer Heimatstadt Zug vom Schuldenflecken zum Geldmagneten mit persönlichem, vorsichtigem Blick. Zur ganzen Kritik von Tom von Arx.

Verfügbar:

vom 25. Januar, 12:00 bis zum 28. Januar, 11:59

«Der Ast, auf dem ich sitze»
«Der Ast, auf dem ich sitze» © First Hand Films

Kleine Heimat

Um was geht es?

Hanni Isler und Rosa Zehnder gehören zu den letzten verbliebenen Erstmietern einer Wohnung in einem Zürcher Wohnblock. Die Immobilie wurde verkauft und ein Neubau ist geplant. Für die Senioren heisst es nun, Abschied zu nehmen von einem Ort, an dem sie während gut 60 Jahren wohnten.

OutNow meint:

In Heimeligkeit lullt einen der Film ein. Zwischen M-Budget-Spaghetti, von mächtigen Bäumen umrahmten angerosteten Gireizli und Kaffee und Kuchen fühlt man sich wieder wie in Grosis Stube. Im Nullkommanichts wachsen einem die betagten Herrschaften Isler, Zehnder und Schäfli - es sind vielmehr Hanni, Rösli und Kurt - ans Herz. Zur ganzen Kritik von Tom von Arx.

Verfügbar:

vom 25. Januar, 12:00 bis zum 28. Januar, 11:59

«Kleine Heimat»
«Kleine Heimat» © Zurich Film Festival

Miraggio

Um was geht es?

Drissa, Sekou, Issa, Bubu, Yassine und Alassane sind aus Afrika nach Italien geflüchtet, in der Hoffnung, hier ein besseres Leben als in ihrem Heimatland vorzufinden. Zu kämpfen haben sie in Europa allerdings mit Aufenthalts- und Arbeitsbewilligungen, mit Unterkunft und Heimweh nach der Familie.

OutNow meint:

Ungeschönt werden die Härte ihres Lebens und die Schicksale gezeigt. Durch intensive Bilder schafft es die Regisseurin Nina Stefanka, einigen dieser Menschen eine Stimme zu geben, ihre Geschichte, ihr Leid, ihre Träume und Hoffnungen erzählen zu können. Zur ganzen Kritik von Yannick Bracher.

Verfügbar:

vom 24. Januar, 12:00 bis zum 27. Januar, 11:59

«Miraggio»
«Miraggio» © Zurich Film Festival

Sous la peau

Um was geht es?

Regisseur Robin Harsch begleitet drei Transmenschen während ihrer Jugendjahre und zeigt sowohl die Hindernisse, die sich ihnen durch die Gesellschaft in den Weg stellen, als auch ihren grossen Mut, mit dem sie diesen gegenüberstehen.

OutNow meint:

Ist «Transmensch» ein Fremdwort oder stösst auf Unverständnis, gehört der Film unbedingt auf die Watchlist, und besonders Lehrer sollten mit ihren Schulklassen einen Ausflug ins Kino planen, damit früh genug sensibilisiert wird. Zur ganzen Kritik von Marco Albini.

Verfügbar:

vom 25. Januar, 12:00 bis zum 28. Januar, 11:59

«Sous la peau»
«Sous la peau» © Aardvark Film Emporium

Spagat

Um was geht es?

Lehrerin Marina hat eine Affäre mit dem Ukrainer Artem. Als dessen Tochter Ulyana, Schülerin in Marinas Klasse, einen Diebstahl begeht, geraten sie in grosse Schwierigkeiten. Ihr illegaler Aufenthalt droht aufzufliegen und Ulyanas Traum von der Teilnahme am Kunstturnwettbewerb rückt in weite Ferne.

OutNow meint:

Christian Johannes Kochs Spielfilmdebüt hat es in sich. Sein ruhiges und sorgfältig inszeniertes Drama ist keine leichte Kost und behandelt diverse Themen wie die Liebe, das Familienleben und die Migration auf authentische Weise. Zur ganzen Kritik von Gianluca Izzo.

Verfügbar:

vom 22. Januar, 12:00 bis zum 25. Januar, 11:59

«Spagat»
«Spagat» © Zurich Film Festival

Schwesterlein

Um was geht es?

Lisa vernachlässigt Job und Familie, um sich aufopferungsvoll um ihren kranken Bruder Sven zu kümmern. Beide sind eng mit dem Theater verbunden und können ohne die Bühne genauso wenig glücklich sein wie ohne einander. Gemeinsam geben sie sich Halt.

OutNow meint:

Ein berührender Film, der durch das intensive Spiel der beiden Hauptdarsteller lebt. Die Schweizer Produktion mit Nina Hoss und Lars Eidinger ist eine Geschichte, die völlig normal und alltäglich wirkt, ohne Kitsch oder aufgesetztes Drama, bewegend und emotional. Vertritt die Schweiz bei den Oscars 2021. Zur ganzen Kritik von Julia Stache.

Verfügbar:

vom 22. Januar, 12:00 bis zum 25. Januar, 11:59

«Schwesterlein»
«Schwesterlein» © Praesens Film

W. - Was von der Lüge bleibt

Um was geht es?

Die Autobiografie «Bruchstücke» des KZ-Überlebenden Binjamin Wilkomirski wurde kurz nach ihrem Erscheinen 1995 ein internationaler Erfolg - dann kam heraus, dass sie eine reine Erfindung war. Der Film beleuchtet die Hintergründe des Betrugs und zeigt, was aus Wilkomirski geworden ist.

OutNow meint:

Regisseur Rolando Collas Werk lässt viele verschiedene Wegbegleiter Wilkomirskis zu Wort kommen und behandelt seinen Protagonisten trotz seines Vergehens mit Respekt und Würde. Zur ganzen Kritik von Chris Bucher.

Verfügbar:

vom 23. Januar, 12:00 bis zum 26. Januar, 11:59

«W. - Was von der Lüge bleibt»
«W. - Was von der Lüge bleibt» © Filmcoopi

Wanda, mein Wunder

Um was geht es?

Nach einem Schlaganfall ist der wohlhabende Josef Wegmeister-Gloor auf Hilfe angewiesen. Für die Betreuung wird die Polin Wanda eingestellt. Die aufgestellte, unbeschwerte Art der jungen Pflegerin bringt Leben in das grosse Anwesen und sie wird zu Josefs wichtigster Bezugsperson.

OutNow meint:

Im neuen Film von Bettina Oberli (Die Herbstzeitlosen) wird subtile Gesellschaftskritik in eine bittersüsse Tragikomödie eingebettet. Mit viel Fingerspitzengefühl und pointierter Komik inszeniert, lässt der Film auf unterhaltsame Weise die Fassade einer gut situierten Familie bröckeln. Zur ganzen Kritik von Sule Durmazkeser.

Verfügbar:

vom 23. Januar, 12:00 bis zum 26. Januar, 11:59

«Wanda, mein Wunder»
«Wanda, mein Wunder» © Filmcoopi

Yalda

Um was geht es?

In der Live-Sendung «Freuden der Vergebung» erhält die junge Maryam eine letzte Chance, um der Todesstrafe zu entgehen. Wenn die Tochter des Mannes, mit dem sie eine «Ehe auf Zeit» eingegangen ist, und für dessen Tod sie verantwortlich gemacht wird, ihr verzeiht, wird das Urteil aufgehoben.

OutNow meint:

Ein beklemmendes Sozialdrama, das der iranische Regisseur Massoud Bakhshi wie ein Kammerspiel inszeniert hat. Der Film überzeugt durch seine erzählerische Dichte und formale Einheitlichkeit. Zur ganzen Kritik von Teresa Vena.

Verfügbar:

vom 21. Januar, 12:00 bis zum 24. Januar, 11:59

«Yalda»
«Yalda» © Sister Distribution

Zürcher Tagebuch

Um was geht es?

Gleich zu Beginn sieht man die Stadt Zürich aus der Sicht eines fahrenden Zuges. Ein afghanischer Flüchtling erzählt von seinem Leben in Zürich. Seine Kinder, seine Eltern und viele mehr erzählen aus ihrem Leben und erklären uns ihre Sicht auf Zürich und die Welt.

OutNow meint:

Regisseur Stefan Haupt zeigt seine Sicht auf die Stadt Zürich. Doch er zeigt Zürich vor allem auch aus der Sicht von Menschen, die ansonsten in der Öffentlichkeit meist nicht zu Wort kommen. Teils nachdenklich, besorgt, ja sogar desillusioniert und manchmal auch sehr liebevoll. Zur ganzen Kritik von Christoph Reiser.

Verfügbar:

vom 21. Januar, 12:00 bis zum 24. Januar, 11:59

«Zürcher Tagebuch»
«Zürcher Tagebuch» © Xenix Filmdistribution GmbH

Christoph Schelb [crs]

Christoph arbeitet seit 2008 für OutNow und leitet die Redaktion seit 2011. Seit er als Kind in einen Kessel voller Videokassetten gefallen ist, schaut er sich mit viel Begeisterung alles Mögliche an, wobei es ihm die Filmfestivals in Cannes und Toronto besonders angetan haben.

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OutNow