Pssst: Die Film- und Serien-Geheimtipps von 2020

Wer braucht noch neues Material für die Watchlist? Wir hätten da nämlich ein paar Vorschläge, die von Anime über Netflix-Serien bis zum besten Animationsfilm 2020 reichen.

«Possessor», «Wolfwalkers», «The Perfect Candidate» © Neon, Apple TV+, DCM

Great Pretender

Netflix hat sich in den letzten Jahren als Plattform für spannende Animes etabliert. In The Great Pretender wird Makoto Edamura von einem französischen Trickbetrüger rekrutiert, mit dem er um die Welt zieht und wohlhabende Leute bestiehlt. Die Balance zwischen Spannung und Humor gelingt wunderbar, die Twists funktionieren toll. Doch der Star ist ganz klar der Artstyle. Die knallbunten Farben und wilden Hintergründe sind ein wahrer Augenschmaus. Da hat das Studio hinter den ersten drei Staffeln von Attack on Titan ganze Arbeit geleistet. Definitiv einen Blick wert, auch für Nicht-Anime-Fans. [Nicolas Nater]

Wo gibt es das zu sehen? Netflix

Hermann Hesse. Brennender Sommer

Literatur- und Kunstliebhaber können hier ebenso ihren Horizont erweitern wie poetische Greenhorns. Heinz Bütlers Werk vermengt Lesung und Buchbesprechung mit literaturwissenschaftlicher Spurensuche und Künstlerbiografie. Hermann Hesses Roman «Klingsors letzter Sommer» wird hier, im Tessiner Montagnola, dem Ort seiner Entstehung, fassbar gemacht - über die Gedanken und das Gefühl. In diesem Gesamtkunstwerk schrauben sich Musik, Bild und Wort zur Ekstase hoch und wecken die Lust am Literaturrausch. So kann Buchverfilmung auch gehen! [Tom von Arx]

Wo gibt es das zu sehen? Die Kinoauswertung musste wegen der Pandemie unterbrochen werden. Wie es mit dem Film weitergeht, ist momentan offen.

Ratched

Ob Ratched noch als «Geheimtipp» gelten mag, darüber kann man streiten. Aber jedenfalls ist die Serie, welche die ersten Schritte der bösen Krankenschwester aus One flew over the Cuckoo's Nest unter die Lupe nimmt, einfach nur grandios. Gespielt von Sarah Paulson, nimmt die anfänglich so schüchtern scheinende Mildred Ratched uns mit auf eine mörderische und gnadenlos gute Reise, in der sie nicht nur bald ihr wahres Gesicht zeigt, sondern auch in brutalen und blutigen Momenten bereits aufblitzen lässt, was da für ein Charakter auf uns zukommt. Hoffentlich noch in einigen zusätzlichen Serienstaffeln! [Dani «muri» Maurer]

Wo gibt es das zu sehen? Netflix

Schlaf

Gar nicht zum Einschlafen: Der kleine, feine Horrorfilm von Michael Venus überzeugt durch ein stimmiges Setting und eine stilsichere Inszenierung. Er setzt dabei weniger auf Jumpscares und billige Schockeffekte, sondern auf den Horror, der sich im Kopf abspielt. Das Ganze ist eingebettet in die vermeintlich idyllische Umgebung eines Bergkaffes in den deutschen Alpen, das genauso gut in der Schweiz liegen könnte. Apropos Schweiz: Neben den exzellenten Protagonistinnen Sandra Hüller und Gro Swantje Kolhof ist auch «unser» Max Hubacher in einer Nebenrolle zu sehen. [Simon Eberhard]

Wo gibt es das zu sehen? 2021 im Streaming

The Undoing

Nicole Kidman und Hugh Grant brillieren in der von David E. Kelley produzierten Mini-Serie, die auf dem Roman «You Should Have Known» von Jean Hanff Korelitz basiert. Ambivalente Charaktere, ein Mord und die bekannte Whodunit-Frage reichen aus, um uns vor den Bildschirm zu fesseln. Die sechs Episoden schütteln und rütteln uns richtig durch - ein Twist folgt dem nächsten und macht The Undoing damit zum Spannendsten, was das Fernsehen dieses Jahr zu bieten hatte. Wer Defending Jacob (auf Apple TV+) geliebt hat, wird sich an dieser Serie garantiert die Finger (wund) lecken. [Christian Wolf]

Wo gibt es das zu sehen? Sky Store

Wolfwalkers

Animationsfans sollten ja längst die Animationsschmiede Cartoon Saloon aus Irland auf dem Schirm haben. Deren vierter Langfilm erzählt die wunderschön animierte Geschichte um eine Freundschaft zwischen zwei Welten. Im 17. Jahrhundert freundet sich das Mädchen Robyn mit der im Wald lebenden Mebh an, die sich im Schlaf in einen Wolf verwandelt. Weil Robyns Vater den Auftrag hat, alle Wölfe um Kilkenny zu schiessen, muss sie nun ihr neues Rudel beschützen. Wolfwalkers verbindet Mythologie, Melancholie und fantastischen Abenteuerspass und ist so vielleicht Cartoon Saloons rundester Film. [Petra Schrackmann]

Wo gibt es das zu sehen? Apple TV+

Normal People

Basierend auf dem gleichnamigen Roman von Sally Rooney kam in diesem Jahr die zwölfteilige Serie Normal People auf die Bildschirme. Die Serie erzählt die Liebesgeschichte von Marianne und Connell, die während der Schul- und Unizeit mehrmals zusammenfinden und sich wieder trennen. Unglaublich stark gespielt von Daisy Edgar-Jones und Paul Mescal, die perfekt in den Hauptrollen gecastet sind, kann man jede noch so kleine Kränkung der Figuren nachempfinden und verspürt nach der letzten Episode einen leichten Trennungsschmerz. [Swantje Oppermann]

Wo gibt es das zu sehen? Blue TV

His House

Ein Horrorfilm der besonderen Art. Er verknüpft eine surreale Handlung mit einem aktuellen Thema, der Flüchtlingsproblematik. Das Ganze ist von Regisseur Remi Weekes toll und vor allem sehr unheimlich inszeniert. Was zudem die beiden Hauptdarsteller Wunmi Mosaku und Sope Dirisu aufs Tapet bringen, ist erstklassig. Der Film lässt kaum Zeit zum Atmen, was vor allem der tollen Kameraarbeit von Jo Willems geschuldet ist, der den Horror perfekt ins Wohnzimmer transportiert. Die Atmosphäre erinnert an eine Mischung aus Conjuring und Shining. Nach diesem Film möchte man nicht mehr alleine schlafen. [Christoph Reiser]

Wo gibt es das zu sehen? Netflix

Elegant Friends

Die aktuelle koreanische Serie wuchs zur erfolgreichsten Serie des Jahres im asiatischen Raum heran. Obwohl nach traditioneller koreanischer Manier viele humorvolle Elemente eingebaut sind, ist der Grundton entschieden ernst und dramatisch. Ungewöhnlich ist es, dass eines der zentralen Themen mit dem Sexleben der Protagonisten zusammenhängt - bei weitem immer noch züchtig dargestellt, aber dennoch weit präsenter als sonst in koreanischen Produktionen. Es geht um fünf Freunde um die 50, die privat und beruflich um Anerkennung kämpfen. Einer von ihnen macht sich zudem des Mordes an einem Nebenbuhler verdächtig. [Teresa Vena]

Wo gibt es das zu sehen? Netflix

Possessor

Jeder ist gefangen in seinem eigenen Körper. Aber wäre es nicht viel schlimmer, in einem anderen Körper gefangen zu sein? Das Zweitlingswerk von Brandon Cronenberg ist ein moderner Thriller, der natürlich nicht auf Elemente aus dem Körperhorror verzichten kann. Denn den hat ihm sein Vater David Cronenberg (The Fly) sicherlich mit in die Wiege gelegt. Possessor erzählt von dem Eindringen in fremde Körper und von der Verletzlichkeit des eigenen. Es ist ein Film über Ausbeutung und Kontrolle. Neben Christopher Abbott in einer Quasi-Doppelrolle bekommt man zudem noch Sean Bean als charmanten Bösewicht zu sehen. [Sven Martens]

Wo gibt es das zu sehen? Vorerst nur als US-Blu-ray erhältlich. Ab 2021 dann auch hierzulande als DVD, Blu-ray und VoD.

The Perfect Candidate

Diese saudiarabisch-deutsche Koproduktion hätte meines Erachtens mehr Beachtung und Lorbeeren verdient. Die arabische Kultur spielt eine zentrale Rolle in dem Drama über eine junge Ärztin, welche sich plötzlich in einem politischen Wahlkampf wiederfindet. Dennoch erzählt Regisseurin Haifaa Al Mansour eine universelle, brandaktuelle Geschichte über eine mutige junge Frau, die nicht davor zurückscheut, sich in der Öffentlichkeit für Gleichberechtigung starkzumachen. Der Film wirkt inspirierend und bewegend, ohne dabei den Boden der Realität zu verlassen. [Gianluca Izzo]

Wo gibt es das zu sehen? Blue TV

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