Südkoreanische Serien auf Netflix - Teil 4: Von bösen Jungs und Krankenhäusern

Verbrecher jagen Verbrecher, ein Baseballspieler muss in den Knast und die Sorgen und Nöte von Medizinern. Dies sind drei Serien, die Freelancerin Teresa in dieser Woche vorstellt.

«Hospital Playlist» © Netflix

Monster mit Monstern fangen - Bad Guys

In Seoul häufen sich die brutalen Verbrechen, die Polizei ist entmutigt. Vielleicht sei es einfach nicht möglich, die Kriminellen zu fangen, da man nicht wie sie denken würde. Um diesem Umstand gerecht zu werden, will ein Ermittler, der für seine unkonventionellen Methoden bekannt ist, einen neuen Weg gehen. In seine Sondereinheit holt er drei der gefährlichsten Verbrecher Koreas: einen Auftragsmörder, der sich selbst gestellt hat, ein Mitglied der Mafia, das über viel Macht und eine besonders harte Faust verfügt und den jüngsten Serienmörder des Landes.

Schnell stellt sich heraus, dass diese Männer, nicht die Monster sind, für die man sie halten würde. Obwohl sie sich erst sträuben, wachsen sie als Team zusammen und erbringen die gewünschten Erfolge. Für jeden gelösten Fall bekommen sie eine Strafmilderung. Während die drei Kriminellen zu Freunden werden, sich für einander einsetzen, bleibt der Zweifel an den Motiven des leitenden Ermittlers. Etwas Persönliches scheint ihn mit den dreien zu verbinden, und wieso versucht ständig jemand, den jungen Serienmörder zu töten? Es muss etwas faul an der Sache sein, denn dieser behauptet schon seit immer, er habe keine Erinnerung and die Morde, die ihm zugeschrieben werden.

In der Serie Bad Guys geht es um Schuld und Sühne, darum, ob jeder Mensch eine zweite Chance bekommen soll, ob sie jemand tatsächlich ändern kann. Es kommt zu immer neuen Wendungen, was die Spannung aufrechterhält, und zu vielen spektakulären Kampfszenen. Stellenweise wird es arg brutal, doch um die Darstellung von Gewalt geht es in erster Linie nicht, sondern vielmehr um einen intelligent durchdachten Thriller mit herausragenden Schauspielern. Allen voran Ma Dong-seok, den die meisten seit Train to Busan ins Herz geschlossen haben dürften: ein Muskelprotz mit Herz und Humor.

Von einem gutmütigen Baseballprofi und anderen ungewöhnlichen Knackis - Prison Playbook

Je-hyeok ist eine erfolgreicher Baseballspieler, gutmütig und wortkarg. Als er seine Schwester vor einem Vergewaltiger rettet, gerät sein Leben ins Wanken. Der Mann erliegt den Verletzungen, die ihm Je-hyeok im Kampf zugefügt hat und Je-hyeok wird zu einem Jahr Haft verurteilt. Im Gefängnis wirkt er apathisch und resigniert. Doch langsam nimmt er Teil am Leben um ihn herum und erweist sich als wichtiger Verfechter von Gerechtigkeit und Loyalität. Dank der Gunst des Gefängnisdirektors, der sich mit dem prominenten «Gast» schmücken möchte, und der Unterstützung seines besten Freundes, der dort als Vollzugsbeamter arbeitet, gelingt es Je-hyeok, den Mut nicht zu verlieren.

Ausgehend von der Figur des Baseballspielers erzählt die Serie die Geschichte von mehreren seiner Zellengenossen und Beamten des Gefängnisses. Auch wenn an gewissen Stellen die Umstände etwas romantisiert wirken (z.B. ist das Gefängnis ziemlich neu und sehr sauber), wirft die Serie einen interessanten Blick auf das koreanische Justizsystem.

Es geht um Themen wie Machtmissbrauch, Vetternwirtschaft oder Immunität von einflussreichen Personen. Gut und Böse ist ziemlich genau voneinander getrennt, doch diese teilweise grobe Zeichnung übersieht man gerne, da die Stärken der Serie zahlreich sind. Da ist beispielsweise die hohe Qualität der Dialoge, ein gutes Rhythmusgefühl und eine insgesamt herausragende schauspielerische Leistung zu vermerken.

Der Mikrokosmos Gefängnis wurde selten so vielseitig und spannend als Filmstoff aufgearbeitet, so dass gleichzeitig Ernstes, Aktionistisches, Romantisches und auch viel Komisches in harmonischem Mass zusammenkommt. Die Serie lebt von den spannenden Figuren in Haupt- und Nebenrollen. Essen spielt, wie immer in koreanischen Filmen, eine wesentliche Rolle, und zudem erfahren die Zuschauer von der dominanten Stellung von Baseball als Nationalsport.

Ohne übermässig zu moralisieren oder zu verharmlosen haben die Autoren sich viele Gedanken zum Thema Schuld und Sühne gemacht. Manch Unangenehmes und Tabuisiertes kommt dabei ebenfalls zur Sprache. So setzt sich die Serie auch mit Homosexualität auseinander. Hier versucht sie sich in einer Annäherung, die weitere Fragen aufwirft.

Krankenhausserie auf Koreanisch - Hospital Playlist

Emergency Room auf Koreanisch: In einem grossen Krankenhaus arbeiten fünf Studienfreunde mittlerweile als Fachärzte unter einem Dach. Sie sind alle engagiert und jeder auf seine Art originell. Der Alltag ist von medizinischen Notfällen geprägt, die an den Ärzten nicht spurlos vorbeigehen. Zum Ausgleich machen die fünf Freunde gemeinsam Musik. Sie haben eine Band und spielen ein poppig-jazziges Repertoire.

Es ist schwer zu glauben, dass diese fünf feschen Menschen bereits Ober- und Chefärzte sind und so locker durchs Leben gehen, ohne konstant übernächtigt zu sein oder einfach nur ab und zu schlechte Laune haben. Trotz einer beschönigten Seite ist die Serie sehr geistreich und unterhaltsam. Das Zusammenspiel der Charaktere und der charmante Humor machen sie besonders sehenswert.

Die Figuren sind unterschiedlich konzipiert und vielschichtig: Zwei der Männer sind geschieden, einer von ihnen kümmert sich um ein kleines Kind, der andere hat eine aufdringliche Mutter. Ein weiterer ist ein Schürzenjäger und fängt gerade eine Beziehung mit der Schwester des einen Freundes an, ohne es ihm zu sagen, der vierte möchte den Arztberuf an den Nagel hängen und katholischer Geistlicher werden wie alle seine älteren Geschwister auch. Und schliesslich ist noch die Frau im Bunde, eine herausragende Neurochirugin, die integer ist und sich in ihren Assistenzarzt verguckt.

Wenn sich die Handlung nicht im Krankenhaus abspielt, sehen wir die fünf Freunde in ihrem Proberaum oder meistens beim Essen. Von koreanischen gesellschaftlichen Realitäten erfahren die Zuschauer einiges: nicht nur über das Funktionieren des Gesundheitssystems, sondern auch über Themen wie Heirat, Freundschaften und Hierarchieverhältnisse.

Teresa Vena [ter]

Alles begann bei Teresa damit, dass sie, noch viel zu jung dafür, ihren Vater überzeugen konnte, «Gremlins» im Fernsehen schauen zu dürfen. Seitdem gehört absurder Humor und Spannung zu jedem guten Film dazu. Kino aus Asien und Lateinamerika, aber auch aus der Schweiz sind ihre Steckenpferde.

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