Es war nicht alles Mist: Die besten Filme des Jahres 2020 aus Sicht der OutNow-Redaktion

In diesem vermaledeiten Jahr 2020 gehen sogar Abstimmungen zum Film des Jahres schief. Die OutNow-Redaktion hat nämlich nicht nur einen Film auf dem ersten Platz, sondern gleich zwei.

«Knives Out», «Little Women», «Tenet», «Never Rarely Sometimes Always», «1917» © Impuls Pictures AG, Sony Pictures, Warner Bros, Universal, Universal

Am liebsten hätten wir die Abstimmung zum Film des Jahres ja erst Ende Dezember durchgeführt. Wie hoch wäre dabei zum Beispiel der jetzt wieder verschobene Wonder Woman 1984 geklettert? Wir werden es für die diesjährige Abstimmung leider nicht mehr erfahren, aber trotzdem gibt es ordentlich Grund zur Freude - es handelt sich aufgrund der von uns erstellten Top 20 dabei um gleich 20 Gründe.

Denn auch wenn die Lichtspielhäuser in der Schweiz für mehrere Monate geschlossen waren, gab es während den offenen Wochen jede Menge tolle Filme zu entdecken. Von den Awards-Playern im Januar und Februar über die Blockbuster im Sommer - also, hauptsächlich Tenet -, bis hin zu jenen Filmen, die trotz dem kinotechnisch immer düster werdenden Herbst etwas Licht in unsere Seelen brachten: Im Kinojahr 2020 war definitiv nicht alles Mist.

Dies merkte man besonders auch bei unserer Abstimmung zum Film des Jahres. Der gefühlt mindestens schon fünf Jahre zurückliegende Januar brachte viele Perlen hervor, darunter auch alle Filme in unserer Top 3. Lange gab es dabei ein Kopf-an-Kopf-Rennen um die Krone, wobei die beiden Konkurrenten letzten Endes gemeinsam über die Ziellinie kamen. Das passt dann auch wunderbar zu diesem Jahr 2020, in dem fast nichts so ablief, wie man es sich ausgemalt hatte.

Während wir jetzt mit einem Laubsägeli die Krone halbieren (könnte eine Weile dauern), habt ihr die Gelegenheit unsere Top 20 durchzuscrollen.

Die OutNow-Top-20 von 2020

20. Bad Boys for Life

Januar ist meistens der Monat, in dem die Hollywood-Studios ihre schwächeren Filme raushauen, damit diese immerhin ein bisschen Geld einspielen, weil sonst nichts Vergleichbares da ist. Deswegen waren die Erwartungen beim dritten Bad-Boys-Film - immerhin auch 17 Jahre nach dem zweiten Teil - relativ tief. Aber oh boy, wurden wir überrascht. Zwar fehlt dem Film wegen dem Regiewechsel die Verrückheit eines Michael Bay (mit Gastauftritt!), aber die beiden Belgier Adil El Arbi und Bilall Fallah erschufen trotzdem ein äusserst unterhaltsames Actionfest, bei dem sogar die Emotionen nicht zu kurz kamen. Es soll sogar Leute geben, die behaupten, dass es der beste Teil der Reihe sei. [Christoph Schelb]

© SONY Pictures Entertainment

19. Papicha

Eindrücklich erzählt die Franko-Algerierin Mounia Meddour in ihrem Spielfilmdebüt die Geschichte einer Gruppe von jungen Frauen, die versucht, in einer repressiven, patriarchalischen Gesellschaft ihren Träumen treu zu bleiben. Fassungslos und ohnmächtig wie ihre Protagonistinnen sehen die Zuschauer einem unbarmherzigen Prozess der Radikalisierung und damit verbundenen zunehmenden Frauenfeindlichkeit zu. Obwohl der Film in den 1990er Jahren während des algerischen Bürgerkriegs angesiedelt ist und daher die beschriebenen Verhältnisse in einen zeitlichen Kontext stellt, hat er eine allgemeingültige und weiterhin aktuelle Substanz, was unter anderem daran zu erkennen ist, dass der Film in Algerien der Zensur zum Opfer fiel. [Teresa Vena]

© cineworx

18. The Climb

Auf einer Velotour kommt man gut und gerne mal an seine Grenzen. Nicht nur physisch, sondern auch psychisch - besonders dann, wenn dein Zweirad-Mitstrampler dir gesteht, dass er mal was mit deiner Verlobten hatte. Damit ist dann auch das Startsignal dieser US-Indie-Tragikomödie um zwei grundverschiedene Best Buddies gegeben und bis zur Passhöhe erreichen die Zuschauer einige eigenwillige Überraschungen. Dank ihrer mutigen Originalität meistert der Film mit Leichtigkeit die eine oder andere erzählerische Haarnadelkurve und biegt als Hommage an die unzerstörbare Bromance in die Zielgerade ein. [Tom von Arx]

© Xenix Filmdistribution GmbH

17. The Invisible Man

Nach dem Cyberpunk-Actioner Upgrade bringt uns Regisseur Leigh Whannell die moderne Interpretation des Universal-Monsters Der Unsichtbare. In seinem Psychothriller wird Elisabeth Moss‘ Cecilia von einer unsichtbaren Kreatur terrorisiert - doch niemand glaubt ihr. Moss trägt diesen Film praktisch alleine und spielt die verzweifelte Cecilia toll. Whannell beweist mit The Invisible Man, dass er nicht nur harte Action, sondern auch packende Spannung inszenieren kann. Das Drehbuch updatet die Vorlage äusserst clever, wobei der Film im letzten Drittel in eine unerwartete Richtung geht. [Nicolas Nater]

© Universal Pictures International Switzerland. All Rights Reserved.

16. The Gentlemen

Nach Abstechern in die Welten der Abenteuer-, Agenten- und Disney-Filme widmet sich Guy Ritchie wieder dem Genre der Gaunerkomödie, welches der britische Regisseur seit Ende der 90er Jahre stark mitprägte. Die Zutaten sind die altbekannten: Ein Haufen schräger Vögel, die sich bei ihren kriminellen Machenschaften alle gegenseitig in die Quere kommen, clever geschriebene Dialoge und ein rasantes Erzähltempo, begleitet von groovigem Soundtrack. Wie es Ritchie gelingt, aus seinem adrett gekleideten hochkarätigen Starensemble verblüffend gute Performances herauszukitzeln, ist schlichtweg phänomenal. [Gianluca Izzo]

© Ascot Elite Entertainment Group. All Rights Reserved.

15. Birds of Prey

Man kann sich über die Qualität von Suicide Squad streiten, doch beim Casting von Margot Robbie als Harley Quinn waren sich alle einig. Die Australierin erweckte die psychotische, durchgedrehte Comicfigur perfekt zum Leben. In Birds of Prey steht sie dann auch ganz klar im Mittelpunkt. Dennoch ist es neben der temporeichen Inszenierung und dem coolen Soundtrack das Ensemble aus toll besetzten Figuren, die dem Film eine ganz besondere Dynamik verleihen. Mary Elizabeth Winstead als Huntress sticht mit ihrem trockenen Humor besonders heraus und die Männer im Film sind alles Schweine. Recht so! [Marco Albini]

© 2020 Warner Bros. Ent. All Rights Reserved.

14. The Assistant

Ein Tag im Leben einer Assistentin eines erfolgreichen Filmproduzenten. Harvey Weinstein lässt grüssen, #Metoo ebenso. Doch The Assistant ist nicht der erwartete spektakuläre und plakative Rundumschlag zum Thema, sondern ein leises, subtil und nüchtern vorgetragenes Drama, das mit Julia Garner (Ozark) in der Hauptrolle einen Trumpf in der Hand hält, der sticht. Die junge Darstellerin überzeugt als zielstrebige Assistentin Jane. Sie schafft es, den komplexen Zwiespalt ihrer Figur aussgekräftig in Szene zu setzen. The Assistant zeigt zwischen Kaffeemachen, Rumtelefonieren und Herumstehen am Kopierer, wie tief verwurzelt Missbrauch im Arbeitsalltag ist. [Yannick Suter]

© Ascot Elite Entertainment Group. All Rights Reserved.

13. The Peanut Butter Falcon

Zack wurde mit dem Down-Syndrom geboren und wohnt ihn einem Heim. Sein grösster Traum ist es, professionieller Wrestler zu werden, weshalb er eines Nachts verduftet und sich auf den Weg nach Florida in eine Wrestlingschule macht. Mit einem ziellosen Fischer an seiner Seite tappt er dabei in das Abenteuer seines Lebens. Peanut Butter Falcon ist herzig, witzig, traurig und trifft mitten ins Herz. Mit Shia LaBeouf und Dakota Johnson in Nebenrollen kann sich Hauptdarsteller Zack Gottsagen wunderbar entfalten. Eine Neuentdeckung, ein Geheimtipp oder einfach ein Film, den man gern haben muss! [Dani «muri» Maurer]

© Impuls Pictures AG

12. The Hunt

Selten hat ein Film nach Oliver Stones Natural Born Killers vor dem Release für soviel Furore gesorgt und die Kontroverse perfekt für die eigene Marketingmaschinerie genutzt. Aber The Hunt muss sich über seinen Ruf keine Sorgen machen: Der gesellschafts- und politkritische Ballerfilm, über den sich Schreiberling Damon Lindelof tatsächlich mehr Gedanken gemacht hat, als man zuerst glaubt, ist und bleibt ein blutiger Spass - sowohl für Filmenthusiast*innen, die mehr Freude am Interpretieren haben und solche, die sich einfach mal wieder etwas «kontrovers Süffiges» im Heimkino reinziehen möchten. Eigentlich schade, dass The Hunt nicht noch als Ego-Shooter adaptiert wurde. [Christian Wolf]

© Universal Pictures International Switzerland. All Rights Reserved.

11. Bombshell

Beim Fernsehsender Fox News legt man grossen Wert darauf, dass die Präsentatorinnen langbeinig sind und top aussehen. Als eine Starmoderatorin aber unter Beschuss gerät, wird sie vom Senderchef im Regen stehen gelassen. Dieser stellt zudem unmoralische Bedingungen an eine neue Redakteurin, was deren Kolleginnen dazu bringt, den Kerl und seine Machenschaften an die Öffentlichkeit zu ziehen. John Lithgow als ekliger Fernsehchef, Nicole Kidman und Charlize Theron in starken Frauenrollen bieten im auf einer wahren Begebenheit basierenden Bombshell nicht nur interessantes Charakterkino, sondern auch einen hässlichen Einblick in die TV-Landschaft über dem Teich. [Dani «muri» Maurer]

© Impuls Pictures AG

10. Les Misérables

In diesem Les Misérables werdet ihr Hugh Jackman nicht singen hören. Denn in Ladj Lys Film geht es um eine Polizeistreife, welche ihre Arbeit in der Banlieue östlich von Paris aufnimmt und einen Strudel aus Gewalt und behördlichen Missständen verursacht. Dies geschieht in Form eines wahrhaftigen Höllenrittes durch die Hood, als nervenaufreibend-spannendes Katz- und Maus-Spiel, welches an Intensität kaum zu überbieten ist! Das in Cannes mit dem Preis der Jury ausgezeichnete Werk ist auch thematisch aktueller denn je, da Polizeigewalt leider ein alltägliches Problem darstellt. [Yannick Bracher]

© Filmcoopi

9. Honeyland

Honeyland ist zwar ein Dokumentarfilm, doch wirkt er wiederholt wie Fiktion. Die archaische Landschaft in der die Protagonistin liebevoll ihre Bienen, aber auch ihre gebrechliche Mutter pflegt, übt anfangs eine faszinierende Kraft aus, erweist sich aber immer mehr als Gefängnis. Das von Falten übersäte Gesicht der Frau strahlt eine besondere Würde aus, ihr indolentes Gemüt hat etwas Versöhnliches und Anrührendes. Ohne besonderes Pathos macht der Film aus ihr ein Symbol der Duldsamkeit, Opferbereitschaft und gleichzeitig der Sehnsucht. Für einen kurzen Moment erfährt sie die Gesellschaft von anderen, doch daran droht ihre Welt zu zerbrechen. [Teresa Vena]

© Cinejoy Movies

8. Platzspitzbaby

Ein Drama über ein Mädchen, deren Mutter in der offenen Drogenszene in Zürich zu Hause war. In Platzspitzbaby wird sehr feinfühlig gezeigt, was die Drogenabhängigkeit der Mutter mit der Tochter macht. Als Zuschauer verzweifelt man geradezu, wenn das Mädchen alles versucht, um ihrer Mutter beizustehen. Überaus realistisch und teilweise auch rührend wird ihr Aussenseiter-Dasein in der Schule gezeigt. Wenigstens ein wenig beruhigend, dass sie in einigen anderen Aussenseitern eine Art Ersatz-Familie findet. Platzspitzbaby zeichnet sehr detailgetreu die 90er-Jahre nach, was den Film noch realistischer und dadurch erschütternder macht. [Christoph Reiser]

© Ascot Elite Entertainment Group. All Rights Reserved.

7. The Trial of the Chicago 7

In einer Zeit voller geladener Proteste gegen das Justizsystem der USA kommt The Trial of the Chicago 7 gerade richtig. 1968 wurden acht Männer, die gegen den Vietnamkrieg protestierten, wegen Verschwörung vor Gericht gebracht. Drehbuchautor und Regisseur Aaron Sorkin verpackt den Stoff in ein rasant erzähltes - und gesprochenes - Gerichtsdrama mit seinen üblich witzigen, raffinierten Dialogen. Der toll aufspielende Allstar-Cast sorgt dafür, dass diese kleine Geschichtsstunde keine Sekunde langweilig wird. Und wer Sasha Baron Cohen schon immer mal mit Afro sehen wollte, darf diesen Film eh nicht verpassen. [Nicolas Nater]

© Netflix

6. Jojo Rabbit

Taika Waititis Film hat alle Zutaten, um eine geschmacklose Katastrophe zu sein: Eigenwilliger Humor, schrille Figuren und moderne Popmusik - verpackt in ein 2. Weltkriegs-Setting. Was der Thor: Ragnarok-Regisseur mit Jojo Rabbit aber abgeliefert hat, ist nicht nur einer der unterhaltsamsten, sondern auch einer der feinfühligsten Filme des Jahres. Eine grandios aufspielende Starbesetzung trägt die Geschichte eines HJ-Knaben, der kurz vor Kriegsende erfahren muss, dass sein heissgeliebter Führer eben doch nicht der Held ist, für den er ihn immer gehalten hat. Grosses Kino zum Lachen und Weinen. [Chris Bucher]

© 2019 Twentieth Century Fox Film Corporation. All Rights Reserved.

5. Never Rarely Sometimes Always

Eine Gesellschaft, die junge Frauen anprangert, isoliert und letztendlich im Stich lässt. Eliza Hittmans Drama erzählt von einer Teenagerschwangerschaft, aber noch mehr von der sexualisierten Gewalt, der Frauen im Alltag ausgesetzt sind. Es zerreist einem fast das Herz, als Protagonistin Autumn in einer Klinik zu ihrem Leben befragt wird. Es ist einer der wenigen Momente, in dem der Schutzpanzer der Siebzehnjährigen brüchig wird. Das zurückhaltende Schauspiel der Hauptdarstellerin ergänzt sich hervorragend mit der tristen Inszenierung der winterlichen US-Ostküste. [Sven Martens]

© Universal Pictures International Switzerland. All Rights Reserved.

4. Tenet

Mitten in der Pandemie machte Christopher Nolan sich auf, um die Kinos weltweit zu retten. Das ist ihm natürlich nicht ganz gelungen, doch sollte man den Film nicht an diesem etwas hochgestrecken Ziel messen, sondern an dessen Unterhaltungswert - und dieser ist wie in fast allen von Nolans Filmen äusserst hoch. Der Spionage-Zeitspielerei-Thriller gefällt mit einem faszinierenden Konzept, welches selbst nach dem fünften Mal schauen immer noch Knöpfe im Hirn hinterlässt. Ludwig Göranssons hämmernder Score ist grossartig, und auch wenn Tenet überfordert, ist seine schiere Grösse und Komplexität schlichtweg bewunderswert. [Christoph Schelb]

© Warner Bros. Ent. All Rights Reserved.

3. Little Women

Kritikerliebling Greta Gerwig überraschte nach ihrem hochgelobten Lady Bird damit, als nächstes ausgerechnet eine Neuverfilmung von Little Women zu drehen - eine Geschichte, auf die Hollywood mindestens einmal in jeder Generation zurückgreift. Klingt langweilig, ist es aber ganz und gar nicht. Mit wunderbar gewählten Darstellerinnen und einem grossartigen Drehbuch bringt Gerwig nuancierte Frauenfiguren auf die Leinwand und schafft es so, sogar die verhasste Amy sympathisch zu machen. Spätestens das überraschende Ende, bei dem Fiktion und Kommentar miteinander verschmelzen, macht dieses Remake zum Must-See-Filmgenuss. [Petra Schrackmann]

© Sony Pictures Releasing Switzerland GmbH

1. Knives Out

Ok, wir haben schon vor über einem Jahr für Rian Johnsons Whodunit geschwärmt. Da der Film aber am 2. Januar dieses Jahres in die Deutschschweizer Kinos kam, zählt er offiziell als 2020er-Film, was uns Gelegenheit gibt, ihn ein weiteres Mal hochzuhypen. Und das tun wir nur zu gerne. Johnsons cleveres Drehbuch schafft das Kunststück, gleichzeitig eine Hommage an alte Agatha-Christie-Klassiker zu sein und dem Genre neue, unerwartete Seiten abzugewinnen. Die gutgelaunten und spielfreudigen Stars von Daniel Craig über Jamie Lee Curtis und Ana de Armas bis zu Chris Evans tun ihr Übriges. [Simon Eberhard]

© Impuls Pictures AG

1. 1917

1917 ist ein Film von gewaltiger Wucht. Aufgrund der vermeintlich ungeschnittenen Kameraaufnahmen erlebt man den Botengang zweier junger englischer Soldaten in den Schützengräben beinahe in Echtzeit. Da geht einem aus zweierlei Gründen fast die Puste aus: Einerseits zieht sich die Brust aufgrund der engen Schützengräben, üblen Kriegsgeschehnisse und den vielen Verletzten zusammen. Andererseits bleibt die Spucke wegen der filmischen Qualität weg. Vor allem in der Szene an der Front stimmt alles: Timing, schauspielerische Leistung, Kameraführung, Spezialeffekte, Kulisse und ohrenbetäubender Soundtrack. Einfach bombastisch. [Thomas Abplanalp]

© Universal Pictures International Switzerland. All Rights Reserved.

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