«Marco gräbt aus!» Kapitel 2: Rita Hayworth

Gleich vier Musicals aus den Vierzigerjahren mit Leinwandgöttin Rita Hayworth hat Marco neulich auf Blu-ray ausgegraben. Ist das «too much» oder wird das Nachahmen empfohlen?

Die Rita-Hayworth-Collection © OutNow/ma

May God Bless, Laserzone

Das Zürcher Geschäft Laserzone beim Stauffacher ist schon lange eine der wichtigsten Adressen für Filmfans und eine meiner Hauptbezugsquellen amerikanischer Blu-rays. Auch heute ist wieder eine Lieferung eingetroffen. Trotz eines Überangebots von Streamingdiensten und VoD-Anbietern steht seit VHS-Tagen das physische Medium an erster Stelle bei mir. Neulich konnte ich dort die Blu-ray von Relic sowie zwei Sammelboxen abholen: 20 Filme des Kultstudios Hammer Films und eine Zusammenstellung von zwölf Filmen mit Rita Hayworth. Zusätzlich wird mir im Laden noch ein feines Petit Beurre angeboten. Das gibt es bei Streamingdiensten äusserst selten.

Die Rita-Hayworth-Reihe

Music in my Heart

Wieder zuhause wird die Hayworth-Box geöffnet und die erste Disc mit dem B-Musical Music in my Heart eingelegt. Die bezaubernde Rita spielt darin leider eine etwas undankbare Rolle. Die dünne Handlung dreht sich um Bühnenschauspieler Bob Gregory (Tony Martin), der am Abend seiner geplanten Deportation seinen grössten Broadway-Erfolg feiert, bevor er mit dem Taxi zum Hafen gefahren werden soll. Unterwegs trifft er die von Hayworth gespielte Patricia O'Malley, die auf dem Weg zur Zweckheirat mit einem Millionär ist. Da beide aber das Schiff versäumen, versteckt sich Bob bei ihr und ihren Freunden, die allesamt Immigranten sind, in der New Yorker East Side. Bald kann er auch hier seine Gesangstalente entfalten und findet Gefallen an der quirligen Patricia.

Es wurde nicht viel Aufwand betrieben bei der Inszenierung dieser federleichten Rom-Com. Die Musical-Nummern beschränken sich auf ein Minimum und die Geschichte ist umgangssprachlich Gugus. Trotzdem fand ich den nur 70-minütigen Spass äusserst charmant. Das Highlight ist ein Lied, das der Tenor Tony Martin zu einem Affen singt. Der Song hat den Machern anscheinend so gut gefallen, dass er später noch einmal vorgetragen wird.

Tony Martin glaube ich bis jetzt noch nie gesehen zu haben (bei Filmstars der Dreissiger- bis Fünfzigerjahre bin ich allerdings auch kein grosser Experte), und er hat durchaus das gewisse Etwas. Seine Interaktionen mit Hayworth sind charmant und seine Stimme ist auch gut. Beklagen könnte man sich über die stereotype Darstellung der russischen und italienischen Immigranten. Die Akzente sind dick aufgetragen und die Klischees ebenso, doch die Figuren sind sympathisch und bereichern in der Geschichte das Leben in New York. Insgesamt also kurzweilige Unterhaltung mit charismatischen Stars, aber wenig Tiefgang.

Tonight and every Night

Wie habe ich mich gefreut, dass Rita in Tonight and Every Night, wo sie ein amerikanisches Showgirl auf einer Londoner Bühne während des Blitzkriegs spielt, auch ein paar Songs zum Besten gibt. Erst bei nachträglicher Recherche musste ich enttäuscht feststellen, dass Hayworth selbst anscheinend gar kein grosses Gesangstalent gewesen sein dürfte. Ihre Songs hat sie nämlich immer von anderen Frauen einsingen lassen. So ist in diesem Film zum Beispiel Martha Mears zu hören.

Trotz dieser enttäuschenden Tatsache war auch dieses Musical sehenswert. Die in Technicolor aufgenommenen Bühnensequenzen waren deutlich aufwändiger als noch im zuvor gesehenen Film. Die Story bekam durch die ständige Bedrohung der Bomber eine spannende Ebene. «The Show must go on» ist das Hauptmotto, denn die Kompanie gibt ihr Programm trotz schwierigster Umstände nicht auf. Schliesslich brauchen die Menschen in solch schrecklichen Zeiten diese leichte Form der Unterhaltung. Eine Message, die abgeschwächt auch auf die momentane Krise bezogen werden kann. Schliesslich vergass auch ich während dieses Films die ganze Welt um mich herum. Und das kann nur das Kino.

Down to Earth

Obwohl ich ein grosser Fan des trashigen Xanadu bin, war mir der Ursprung des Rollschuhmusicals bis heute nicht bekannt. Down to Earth ist das Sequel von Here Comes Mr. Jordan, welches wiederum unter dem Titel Down to Earth als Remake mit Chris Rock erneut verwurstet wurde. So weit, so kompliziert. Weniger verwirrend ist die Geschichte der Terpsichore (Hayworth), die auf unsere Erde reist, um einem Regisseur bei der Inszenierung eines Musicals über sie und die anderen griechischen Musen zu «helfen». Sie ist mit der lasziven Darstellung nämlich gar nicht zufrieden und möchte das swingende Musical lieber als klassisches Stück inszeniert sehen.

Mit tollen Kostümen, einer tollen Interpretation des Himmels und einer witzigen Geschichte ist auch dieser Hayworth-Film alles andere als verstaubt. Der erste Song des frivolen Musicals im Film, bei dem aufgezählt wird, wen die Musen schon alles küssten, ist ein clever getextetes Stück und macht von Anfang an Stimmung. Auch ohne Rollschuhe.

You'll Never Get Rich

Fred Astaire gibt sich in You'll never get rich die Ehre. Trotz eines tollen Stepptanzduetts und Songs von Hollywoodlegende Cole Porter (ja genau der, dem Irwin Winkler mit De-Lovely ein Denkmal setzte) konnte mich diese schwarz-weisse Romanze nicht ganz so verzaubern wie die zuvor geschauten Hayworth-Filme. Ein Handlungsstrang mit Astaire beim Militär zieht sich in die Länge und die Liebesgeschichte schafft es nicht ganz zu berühren.

Toll sind jedoch die Opening-Credits, welche aus Strassenschildern bestehen, und die Dänin Osa Massen als Scene-Stealer Sonya. Vielleicht habe ich nach vier Musicals einmal eine Abwechslung nötig, die ich mir auch gönnen werde, bevor es mit Rita weitergeht.

Marco Albini [ma]

2003 verfasste Marco seine erste Kritik auf OutNow und ist heute vor allem als Co-Moderator des OutCast tätig. Der leidenschaftliche «Star Wars»-Fan aus Basel gräbt gerne obskure Genrefilme aus, aber Komödien sind ihm ein Gräuel.

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