Südkoreanische Serien auf Netflix - Teil 3: Mit viel Gefühl

Freelancerin Teresa hat sich ein weiteres Mal durch den Netflix-Dschungel gekämpft. Zurückgekommen ist sie mit drei romantischen TV-Serien aus Südkorea, die man momentan auf Netflix streamen kann.

«Something in the Rain» © Netflix

Verliebt in ein Hologramm - My Holo Love

Ein junger, verbitterter aber talentierter IT-Spezialist hat eine Künstliche Intelligenz entwickelt, die ihm äusserlich gleicht, aber emotional einfühlsam und ausgeglichen ist. Diese KI ist für den Einzelverbraucher gedacht. Der «Besitzer» setzt sich eine spezielle Brille auf, damit er oder sie das Hologramm sehen und mit ihm reden kann. Bevor die Erfindung auf den Markt kommt, will Kan-do sie gründlich testen. Sein Konkurrent möchte ihm diese vor der Veröffentlichung abspenstig machen, und schreckt vor illegalen sowie gewalttätigen Manövern nicht zurück, um die Brille in seinen Besitz zu bringen.

Aktuell befindet sich die Brille bei einer Testerin. «Holo», wie das Hologramm heisst, unterstützt die schüchterne Frau in ihrem Alltag. Sie leidet seit Kind an einer Krankheit, die sich darin äussert, dass sie keine Gesichter erkennen kann. Da sie dies nicht öffentlich machen will, können sie die Menschen nicht richtig einschätzen und glauben, sie sei arrogant, weil sie sich soweit möglich, sozialen Kontakten entzieht. Mit der Hilfe von Holo, der die Gesichter der Menschen erkennt und einordnet, kommt sie schlagartig besser zurecht.

Die beiden sind nicht schnell nicht mehr nur Freunde, denn die junge Frau verliebt sich in Holo. Was aber erstaunlicher ist, Holo verliebt sich in sie. Dass eine KI zu eigenen Gefühlen fähig ist, macht sie enorm wertvoll, weckt aber auch die Skepsis der Programmierer. Was passiert, wenn die Technik den Technikern entgleitet? Diese Frage verhandelt die Serie und interessiert sich auch für Industriespionage und gibt einen Einblick in die IT-Branche Koreas.

Liebe trotz Widerstand der Eltern - Something in the Rain

Diese Serie konzentriert sich nicht nur auf die Liebesgeschichte zwischen den beiden Hauptfiguren, sondern zeigt umfassend und eindrücklich, wie man sich die Stellung der Frau in der koreanischen Gesellschaft und Arbeitswelt vorstellen kann. Eine Mittdreissigerin arbeitet in der Marketingabteilung einer grossen Kaffeehauskette und ist für die Umsetzung der Unternehmensrichtlinien in den verschiedenen Franchisenehmern zuständig. Sie arbeitet viel, scheint aber nicht besonders viel zu verdienen, was einer der Gründe ist, wieso sie noch bei ihren Eltern wohnt.

Behandelt wird sie in der Familie und vor allem von ihrer Mutter wie ein unmündiger Teenager. Wichtig ist es, dass sie bald unter die Haube kommt. Doch die Erwartungen der Mutter sind hoch, aus guter Familie muss der Zukünftige stammen und eine gute berufliche Position haben. Dass sich die Tochter dann ausgerechnet in den jüngeren Bruder ihrer besten Freundin verliebt, der gleichzeitig der beste Freund ihres eigenes Bruders ist, passt in keiner Weise in den elterlichen Plan.

Die Hürden, die die beiden Liebenden überwinden müssen, sind hartnäckig und geben Aufschluss auf grundlegende Mentalitätsmerkmale. Die Serie ist die Geschichte einer Emanzipation, da die Hauptfigur sich nicht nur gegenüber ihrer Familie, sondern auch im beruflichen Kontext Gehör verschaffen muss. Sie handelt gegen die systematische sexuelle Diskriminierung und Nötigung, die sie von ihren Vorgesetzten und Kollegen erfährt.

Die alleinerziehende Mutter und der übereifrige Polizist - When the Camellia Blooms

Eine junge Mutter mit Kind zieht in die Kleinstadt Yongsan und macht dort eine Bar auf. Es ist die erste Bar im Ort, weswegen die Männer es schnell für sich entdecken. Ihre Ehefrauen sind entsprechend weniger erfreut davon, auch weil «Camellia», wie sie die Besitzerin nennen, sehr attraktiv ist. Ihren Ehefrauen gehören zudem alle anderen Restaurants, so dass sie sich nirgends richtig betrinken und gehen lassen können, ohne dass es bekannt würde und Konsequenzen hätte.

Daher ist «Camellia» nicht sehr beliebt im Ort. Nur in einer älteren Frau, der Besitzerin eines Restarants, das marinierten Krebs serviert, findet sie eine Freundin. Als der jüngste Sohn dieser Frau von Seoul zurück nach Yongsan versetzt wird, gerät der Alltag aller noch mehr in Unruhe. Er ist Polizist, ein gutmütiger, fröhlicher Mensch, den viele unterschätzen, der sich aber selbst umso mehr überschätzt. Er verliebt sich sofort in «Camellia». Zögerlich entwickelt sich zwischen den beiden eine Liebesgeschichte, doch die Hindernisse sind zahlreich. Eine alleinerziehende Mutter gilt nicht als die ideale Schwiegertochter, der Sohn selbst fühlt sich von der Anwesenheit eines neuen Mannes an der Seite der Mutter verdrängt und - ein Serienmörder hat es auf junge Frauen aus der Umgebung abgesehen.

Während die Schwierigkeiten der jungen Mutter im Vordergrund stehen und die Liebesgeschichte die Zuschauer mitfiebern lässt, sorgt der Kriminalfall im Hintergrund für eine spannende zusätzliche Ebene. Die Serie schneidet wichtige gesellschaftliche Themen an, zeichnet sich aber auch durch einen ausgeprägten Humor aus.

Teresa Vena [ter]

Alles begann bei Teresa damit, dass sie, noch viel zu jung dafür, ihren Vater überzeugen konnte, «Gremlins» im Fernsehen schauen zu dürfen. Seitdem gehört absurder Humor und Spannung zu jedem guten Film dazu. Kino aus Asien und Lateinamerika, aber auch aus der Schweiz sind ihre Steckenpferde.

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