Unter anderen mit «The Queen's Gambit»: Die Denksport-Serien auf Netflix

In dieser Woche hat sich Christoph mit Denksport beschäftigt. Er hat einer jungen Frau beim Schachspielen zugeschaut und Kindern beim Buchstabieren. Ein berühmter Würfel ist auch mit von der Partie.

«The Queen's Gambit» © Netflix

The Queen's Gambit

Vorab die zwei wichtigsten Fakten bei dieser Serie: 1. Es geht um Schach, 2. Um die Serie gut zu finden, spielt es überhaupt keine Rolle, ob man auch nur die leiseste Ahnung von Schach hat. Die Serie spielt in den Sechzigerjahren und die Protagonistin Beth Harmon (ab dem Alter von 13 gespielt von Anya Taylor-Joy) ist ein wahres Schach-Wunderkind. Sie lässt dabei vornehmlich Männer, die um etliche Jahre älter sind, noch älter aussehen. Manchmal braucht sie aber Tabletten, um ihr bestes Spiel auszupacken. Auch dem Alkohol ist sie nicht abgeneigt.

Die Serie ist witzig, spannend und dramatisch. Dass man sich nicht auskennen muss im Schachspiel, zeigt sich schon alleine darin, dass die einzelnen Züge während Schachpartien teilweise gar nicht gezeigt werden. Oder sie werden mit toller Musik unterlegt oder von einem Reporter kommentiert. Und auch wenn zwischendurch Begriffe wie «Bauernstrukturanalyse» fallen, geht es oft auch gar nicht um Schach, sondern vor allem um das Leben von Beth Harmon. Das einzig Merkwürdige ist, dass die 24-jährige Schauspielerin Anya Taylor-Joy zumindest zu Beginn der zweiten Episode die 13-jährige Beth Harmon spielte die dann in der Serie zum Glück rasch ein paar Jahre älter wird. Aber ob der Qualität dieser Mini-Serie (sieben Episoden à 45 - 70 Minuten), ist das vernachlässigbar.

Spelling the Dream

Buchstabierwettbewerbe haben Tradition in den USA. Der Scripps National Spelling Bee ist der prestigeträchtigste. Das Finale wird seit Mitte der Neunzigerjahre sogar live auf dem US-Sportsender ESPN übertragen. Die Dokumentation beginnt mit dem Finale 2019, bei dem gleich acht Kinder gleichzeitig als Gewinner ausgerufen werden. Alle erhalten dafür je 50'000 Dollar. Sieben der acht Gewinner sind Amerikaner, indischer Abstammung. Dies ist nichts Aussergewöhnliches. Zwölf Jahre in Folge waren die Gewinner Kinder indischer Abstammung.

Die Kinder bereiten sich über Monate, teilweise sogar Jahre auf die verschiedenen regionalen und schlussendlich nationalen Meisterschaften vor. Teilweise machen sie das spielerisch, teilweise eher wissenschaftlich. Ehemalige Gewinner kommen zu Wort und kommentieren die möglichen künftigen Gewinner.

Die 80-minütige Doku braucht ein wenig, um in die Gänge zu kommen. Doch gegen Ende hin wird es immer spannender. Nur die deutschen Untertitel sollte man ausschalten. Da werden Ausdrücke mit falscher Schreibweise eingeblendet, die die Kinder ein paar Sekunden später buchstabieren.

The Speed Cubers

In dieser Dokumentation kann man junge Menschen beobachten, wie sie die verschiedenen Disziplinen im Lösen des «Zauberwürfels» angehen. Etwas intensiver begleiten wir vor allem zwei junge Männer, den Amerikaner Max Park und den Australier Feliks Zemdegs. Park und Zemdegs sind zwei der weltweit allerbesten Speedcuber. Bei Max wurde in seinen ersten Lebensjahren Autismus festgestellt und für ihn ist Feliks sein grosses Idol.

Den Menschen beim Lösen der Zauberwürfel zuzusehen, ist nur sehr eingeschränkt spannend. Aber eigentlich geht es in dieser 40-minütigen Doku vor allem um die spezielle Freundschaft zwischen Max und Feliks. Und darum, zu sehen, wie Max durch das Speedcubing seine sozialen und auch seine feinmotorischen Fähigkeiten verbessert. Und zum Ende hin ist das erstaunlich berührend.

Christoph Reiser [chr]

Christoph arbeitet seit 2020 als Freelancer für OutNow. Er weiss, dass man Animationsfilme nicht hassen darf, dafür liebt er Sergio-Leone-Western. Der Besuch eines Filmfestivals ist zuoberst auf seiner Bucket-List, naja fast. Und er mag kein Popcorn im Kino, denn er steht auf Chips.

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