Deutschland lässt die Kinos zu - mit Folgen für die Schweiz

Die Bundesregierung in Deutschland hat entschieden, dass die Kinos bis mindestens am 20. Dezember 2020 geschlossen bleiben müssen. Wir erklären euch, weshalb das auch Auswirkungen auf die Schweiz hat.

Auf unbestimmte Zeit verschoben: Monster Hunter mit Milla Jovovich und Tony Jaa © Praesens Film

Jep, das Coronavirus ist leider immer noch hier und bestimmt weiterhin unseren Alltag. Im Kinobereich ist dies ebenfalls zu spüren. Die grossen Studios verschieben ihre Blockbuster, während Kinos vielerorts in der Schweiz freiwillig oder auf Anordnung schliessen müssen. Auch in Deutschland sieht man momentan Kinobesuche eher kritisch. So hat die Bundesregierung um Kanzlerin Angela Merkel am Mittwoch beschlossen, dass die Lichtspielhäuser weiterhin zu bleiben - mindestens bis zum 20. Dezember 2020. Dieser Entscheid schmerzt nicht nur die Kino-Fans in Deutschland, sondern betrifft auch jene in der Schweiz.

Bei grossen Filmen abhängig von Deutschland

Die Schweizer Kinolandschaft ist mit seinen unterschiedlichen Landessprachen etwas kompliziert. Filme starten nämlich nicht schweizweit am gleichen Datum, entscheidend sind die Sprachregionen. Es läuft so, dass sich die grossen Studios bei den Startdaten für die Deutschschweiz meist an Deutschland orientieren, in der Romandie an Frankreich und im Tessin an Italien.

Dies hat zum einen praktische Gründe beim Marketing: Werbekampagnen müssen nicht extra für die Schweiz angepasst werden. Stattdessen können viele Sachen von den Nachbarsländer übernommen werden und zum Beispiel TV-Spots auf deutschen Fernsehsendern, die kein «Schweizer Fenster» besitzen, haben so meist auch hierzulande Gültigkeit.

Doch es gibt noch einen für die Studios besorgniserregenderen Grund für diese Gleichschaltung von Startdaten: Piraterie! Heutzutage landen Filme leider immer schneller im Internet. Das lässt sich nur schwer verhindern. Das Ziel der Studios ist deshalb, den Schaden möglichst tief zu halten. Wenn ein Film in den USA schon Wochen vor dem Schweizer Start angelaufen ist, dann kursieren bald mal englische Versionen im Netz. Piraten, die jedoch auf eine deutsche Synchronfassung angewiesen sind, schauen in diesem Fall in die Röhre und müssen warten, bis der Film in einem deutschsprachigen Land angelaufen ist.

Wenn nun jedoch ein Film in den Schweizer Kinos Wochen vor dem Start in Deutschland anläuft, dann könnte dies zu grossen Problemen führen. Landet in diesem Fall die in einem Schweizer Kino beschaffte deutschsynchronisierte Tonspur im Netz, wäre dies für den Verleiher und die Kinos in Deutschland eine Katastrophe. Denn der Film wäre dann mit der Synchronfassung Wochen vor dem deutschen Kinostart im Netz auffindbar. Die Verleiher versuchen mit der Gleichschaltung der Startdaten in Deutschland, Österreich und in der Schweiz so die Synchronfassung so lang es geht «zurückhalten».

«The Croods 2»
«The Croods 2» © Universal Pictures International Switzerland. All Rights Reserved.

Die Sache mit Corona

Aus diesen Gründen schauen viele Schweizer Filmverleiher und Kinos besorgt nach Deutschland - wie auch nach Frankreich und Italien, wo die Kinos momentan ebenfalls geschlossen sind. Vor allem wegen der Piraterie werden wir in den kommenden Tagen mit weiteren Filmverschiebungen rechnen müssen. Bereits bestätigt ist, dass der Actionfilm Monster Hunter (mit Milla Jovovich) nicht am 3. Dezember 2020 in die hiesigen Kinos kommen wird. Ein neues Startdatum wurde noch nicht kommuniziert. Auch Filme wie The Croods 2, Contra und sogar Wonder Woman 1984 könnten jetzt auf der Kippe stehen. Es ist also sehr gut möglich, dass wir in diesem Jahr nur noch sehr wenige grosse Filme im Kino sehen werden.

Always Look on the Bright Side of Life

Die Gleichschaltung von Releasedaten betrifft jedoch vornehmlich Blockbuster. Meist davon ausgenommen sind die kleineren Filme und Schweizer Produktionen. Diese stossen grösstenteils nicht auf grosses Interesse bei den Piraten, auch deswegen, weil sich das Zielpublikum dieser Filme gewohnt ist, diese Werke im Kino zu sehen. In diesen Fällen sind die Schweizer Filmverleiher flexibler und können auch Filme in die Kinos bringen, wenn diese in den Nachbarländern geschlossen sind.

Schaut man sich das Schweizer Kinoprogramm an, wird man sehr schnell realisieren, dass viele tolle Filme zu sehen sind und momentan die beste Gelegenheit besteht, um Filme zu entdecken, die man ganz fest ins Herz schliessen kann. Denn auch bei der Musik bereiten ja die Bands, die man selbst entdeckt hat, mehr Freude, als die Big Shots über die jede*r schwärmt. Wer das bei Filmen noch nicht erlebt hat, hat jetzt die beste Gelegenheit dazu, dies zu testen.

Man sieht sich bei der nächsten Entdeckungsreise im Kino!

Christoph Schelb [crs]

Christoph arbeitet seit 2008 für OutNow und leitet die Redaktion seit 2011. Seit er als Kind in einen Kessel voller Videokassetten gefallen ist, schaut er sich mit viel Begeisterung alles Mögliche an, wobei es ihm die Filmfestivals in Cannes und Toronto besonders angetan haben.

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