Es gibt nicht nur Tiger Woods und Roger Federer: Die Golf- und Tennis-Filme auf Netflix

In dieser Woche hat sich Freelancer Christoph um zwei Sportarten gekümmert, die, zumindest früher, den eher betuchteren Menschen vorbehalten waren: dem Golf und dem Tennis.

«Guillermo Vilas - Eine Richtigstellung» © Netflix

The Short Game

Dieser Film wurde von Justin Timberlake und Jessica Biel produziert. Regie führte Josh Greenbaum, viel passender hätte ein Name auch nicht sein können für diese Golf-Dokumentation.

Acht junge Golfer zwischen sieben und acht Jahren werden auf ihrem Weg zur Kinder-WM begleitet, welche 3 Tage dauert. Tausende Kinder nehmen dort jährlich an der Weltmeisterschaft teil. Die acht Protagonisten dieser Doku sind Zama Nxasana (Südafrika), Kuan Yang (China), Alexa Pano (Florida), Augustin Valery (Paris), Sky Sudberry (Texas), Amari Avery (Kalifornien), Jed Dy (Philippinen) und Allan Kournikova (Florida). Allan Kournikova, dessen Halbschwester die Ex-Tennisspielerin Anna ist, und Jed Dy, der an hochfunktionalem Autismus leidet, stechen ein wenig heraus. Und an diesen beiden sieht man auch schön, wie unterschiedlich all die Kinder in ihren Entwicklungen sind.

In dieser Doku wird zwar oft der Golf-Schläger geschwungen, doch vielmehr als der Sport an und für sich wird die Beziehung der Kinder zu ihren Eltern und zu ihren Caddys gezeigt und wie sie in ihren jungen Jahren mit dem Druck umgehen. Und all denjenigen, die sich im Golf so gar nicht auskennen, hilft die kleine Sky Sudberry, die die Grundbegriffe des Golfens erklärt.

Das Ganze fühlt sich wie eine Feel-Good-Doku an. Schlussendlich darf man feststellen: Bei all ihrem aussergewöhnlichen Talent bleiben die acht Hauptakteure eben doch genau das, was sie sind: nämlich Kinder. Wichtig: Den Film sollte man sich nicht in der deutschen Synchro anschauen. Die Stimmen der Kinder-Synchronsprecher sind meistens etwas nervig.

Ariya Jutanugarn: mit Schwung zum Erfolg

Dieses Biopic dokumentiert das Leben des Wunderkindes Ariya Jutanugarn vom Wunderkind zur Nummer 1 im Profigolf.

Eine entscheidende Rolle im Leben von Ariya (hervorragend gespielt von Krissiri Sukhsvasti) spielt ihr Vater, der von ihr und auch von ihrer Schwester Moriya verlangt, dass sie dem Golftraining alles unterordnen. Sogar die Schule.

Der Film braucht ein bisschen, bis er in Schwung kommt. Zu Beginn sieht man einem tyrannischen Vater zu, der seine beiden Töchter echt mies behandelt. Doch den beiden kleinen Mädchen scheint das egal zu sein. Sie ignorieren ihn und machen ihre Spässchen. Das fühlt sich ein wenig seltsam an. Doch der Film kommt ab der Hälfte etwas besser in Fahrt. Doch richtig zu berühren weiss er nicht.

Der Film ist auf Netflix ausschliesslich in thailändischem Originalton (mit Untertiteln) zu sehen.

Guillermo Vilas - Eine Richtigstellung

In dieser Doku geht es um einen der erfolgreichsten Tennisspieler der Siebzigerjahre. Und es geht vor allem darum, zu beweisen, dass der Argentinier Guillermo Vilas, zumindest einige Wochen lang, die Nummer 1 der Welt war. Die Doku wird auf 46 Audiokassetten aufgebaut, die Vilas zwischen 1973 und 1979 aufgenommen hat und zuvor noch nie jemand gehört hat. Natürlich werden auch Ausschnitte von Tennisspielen aus seiner Zeit gezeigt.

Es ist auch die Geschichte des Journalisten Eduardo Puppo, der zehn Jahre seines Lebens opferte, um den Beweis dafür zu erbringen, dass Vilas auch offiziell für einige Wochen die Nummer 1 der Welt hätte sein sollen.

Vor allem zu Beginn und am Ende des Films kommen aktuelle und ehemalige Top-Spieler wie Boris Becker, Roger Federer, Rafael Nadal oder Björn Borg zu Wort. Die 46 Audiokassetten, auf denen die Doku anfänglich anscheinend aufgebaut war, spielten schlussendlich keine Rolle. Hin und wieder werden Fragmente daraus abgespielt, doch diese sind für den Film weitestgehend belanglos.

Dieser Film ist für all diejenigen, die gleichzeitig an (historischem) Tennis, an Mathematik und Statistik und auch an der Tennis-Weltrangliste interessiert sind. Das alles in sich zu vereinen ist schon sehr nischig. Und obwohl ich an all den genannten Dingen sehr interessiert bin, waren es auch für mich zähe 95 Minuten.

Christoph Reiser [chr]

Christoph arbeitet seit 2020 als Freelancer für OutNow. Er weiss, dass man Animationsfilme nicht hassen darf, dafür liebt er Sergio-Leone-Western. Der Besuch eines Filmfestivals ist zuoberst auf seiner Bucket-List, naja fast. Und er mag kein Popcorn im Kino, denn er steht auf Chips.

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