«Mir sind mit em Velo da»: Die Radsport-Filme auf Netflix

In dieser Woche widmet sich Freelancer Christoph primär dem Radsport, gerät aber unverhofft in einen oscargekrönten Dokumentarfilm über einen der grössten Dopingskandale aller Zeiten.

«Icarus» © Netflix

Icarus

In diesem Dokumentarfilm ist Regisseur Bryan Fogel in der ersten Hälfte auch gleich Hauptdarsteller. Er will mit Dopingmitteln (unter ärztlicher Aufsicht) ein grosses Radsportamateurrennen gewinnen. Dabei hat er Hilfe vom ehemaligen Chef des russischen Anti-Doping-Programms, Grigori Michailowitsch Rodtschenkow.

Fogel und Rodtschenkow werden im Verlauf der Dreharbeiten Freunde, und es stellt sich heraus, dass Rodtschenkow sein eigenes System hatte, um in Russland Sportlerinnen und Sportler zu dopen.

Der Film ist spannender als manch ein Thriller. Zwischendurch kann man sich höchstens noch die Frage stellen, ob von Tom Clancy, John le Carré oder Robert Ludlum geschrieben. Der Film hat in Anbetracht des Themas eine etwas desillusionierende Wirkung. Spannend ist er aber von Minute 1 bis Minute 120. Der Film wurde 2018 mit dem Oscar als bester Dokumentarfilm ausgezeichnet.

Ein unerwarteter Tag im Radrennsport: Das Movistar Team hautnah

Eine Saison lang wird das Profi-Team Movistar begleitet. Vor allem die drei grossen Rundfahrten Giro d'Italia, Tour de France und Vuelta werden als roter Faden herangezogen. Sehr oft wird der schmale Grat zwischen Egoismus und Teamgeist gestreift. Zwischendurch hört man auch von den vielen Ängsten, den Ängsten vor dem nächsten Berganstieg, der Hitze, dem Publikum.

Einer der raren Höhepunkte ist eine Willkommensfeier in Ecuador für Richard Carapaz, einem der Topfahrer des Teams, nachdem dieser einen grossen sportlichen Erfolg feiern konnte. Sogar Angehörige des Militärs klatschen bei dieser Feier mit. Solche Momente gibt es leider in dieser Doku zu wenige. Vor allem die letzten acht Minuten in dieser Dokuserie lassen aber vermuten, dass da noch mehr Potenzial vorhanden gewesen wäre.

Das Ganze wirkt sehr unspektakulär. Und auch andere Team-Aspekte wie Ärzte (werden gar nie gezeigt), Doping (nachvollziehbar) kommen nicht zum Zuge. Eines der wenigen Highlights sind die Anweisungen der sportlichen Leiter aus den Teamwagen heraus, die an heissblütige südamerikanische Fussball-Reporter erinnern.

Diese im spanischen Originalton ausgestrahlte Doku wurde im Serienformat (6 Episoden à ca. 30 Minuten) produziert.

To the Fore

Ein Radsport-Drama aus Hongkong. Es werden ein paar Jahre von fiktiven Radfahrern gezeigt, die unbedingt in die besten Radsport-Teams der Welt möchten. Zwei sind befreundet, zuerst sind sie Teamkollegen, später starten sie in gegnerischen Teams. Und sie sind beide in die gleiche Frau verliebt.

Die Radrennen sind ziemlich spannungsgeladen, oft untermalt mit martialischer Musik. In der Mitte des Films driftet der Film mehr und mehr zu einem Liebesfilm ab. Zwischendurch sind auch Betrug und Doping ein kleines Thema. Zum Schluss des über zwei Stunden dauernden Films wird der Fokus wieder auf den Radsport gelegt. In den Schlussszenen ist sogar das Matterhorn noch Schauplatz des Films.

Einige wenige Szenen vermochten emotional ein wenig mitzureissen. Viele Szenen wurden aber sehr überzeichnet dargestellt. Dieser Film ist für Radsport-Fans keine Empfehlung, da dieser in einigen Aspekten nicht realistisch dargestellt wird. Vielleicht ist der Film eher eine Empfehlung für Anhänger des asiatischen Kinos, die der Teil mit den Radrennen nicht stört.

Der Film ist auf Netflix ausschliesslich im kantonesischen Originalton (mit Untertiteln) zu sehen.

Christoph Reiser [chr]

Christoph arbeitet seit 2020 als Freelancer für OutNow. Er weiss, dass man Animationsfilme nicht hassen darf, dafür liebt er Sergio-Leone-Western. Der Besuch eines Filmfestivals ist zuoberst auf seiner Bucket-List, naja fast. Und er mag kein Popcorn im Kino, denn er steht auf Chips.

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