Sean Connery: So viel mehr als nur James Bond

Als 007 wurde Sean Connery weltbekannt. Doch der Schotte versuchte sich auch in vielen anderen Rollen und Genres. Wir schauen auf eine äusserst bunte Filmographie zurück.

«Zardoz», «Der Name der Rose», «Forrester - Gefunden!» © Koch Media, Constantin Film, Sony Pictures

Sean Connery ist am 31. Oktober 2020 im Alter von 90 Jahren auf den Bahamas verstorben. Eine Filmlegende ist von uns gegangen, die in jungen Jahren die Schule geschmissen hat und dann zur Unterstützung seiner armen Familie unter anderem als Milchmann und Bademeister zu arbeiten begann. Es folgten weitere Jobs, unter anderem als Baggerfahrer, Pferdekutscher und Möbelpolierer, während er sich auch als Bodybuilder versuchte. Die Muskeln kamen ihm dann zu Beginn seiner Filmkarriere zugute, die ihn äusserst selbstbewusst beim James-Bond-Casting auftreten liessen und er so letzten Endes auch die Rolle bekam, die ihn weltberühmt machte.

Auch wenn Connery immer wieder auf 007 reduziert wurde, versuchte er während seiner Karriere immer wieder vom Agenten loszukommen. Weil Connery selbst die Bond-Rolle irgendwann nicht mehr mochte und wir bereits an einer 007-Liste arbeiten - die aus bekannten Gründen schon zwei Mal verschoben werden musste... -, wollen wir uns in unserem Rückblick auf das schauspielerische Schaffen von Connery auf die Rollen konzentrieren, die nichts mit der Doppel-0 zu tun haben. Der Mann brillierte nämlich auch abseits von Martinis, Aston Martins und Gadgets. Hier sind Glanzpunkte, Geheimtipps und Kultfilme mit Sean Connery.

Marnie

Es ist vielleicht Hitchcocks polarisierendster Film. Nicht nur wegen des schwer verdaulichen Themas, sondern auch bezüglich der unzähligen Mythen rund um die zermürbende Zusammenarbeit zwischen dem Meister der Spannung und Hauptdarstellerin Tippi Hedren - was nach dem Release zu vernichtenden Kritiken führte. Dadurch geht leider fast vergessen, dass Sean Connery in Marnie seine erste Charakterrolle spielen durfte und damit grossen Mut bewies: Seine Interpretation des dominierenden und besitzergreifenden Mark Rutland zeigt, dass sich Connery bereits nach seinem ersten James-Bond-Auftritt nicht schubladisieren lassen wollte. [Christian Wolf]

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Woman of Straw

Zwei Jahre nach seinem ersten James-Bond-Film spielt Sean Connery in diesem Krimi den Lebemann Anthony. Anthony arbeitet für seinen tyrannischen Onkel Charles, der an den Rollstuhl gefesselt ist und vor Jahren Anthonys Vater in den Selbstmord getrieben hat. Anthony entwickelt einen raffinierten Plan. Die neue Krankenschwester Maria (Gina Lollobrigida) soll Onkel Charles heiraten und Anthony setzt dafür ganz auf die Karte «umgekehrte Psychologie». Eine sehr ausgeklügelte Geschichte, teils zynische Dialoge mit einem sehr guten Sean Connery und einer toll aufspielenden Gina Lollobrigida. [Christoph Reiser]

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The Hill - Ein Haufen toller Hunde

Sean Connerys erste Zusammenarbeit mit Regie-Legende Sidney Lumet war The Hill. Das schwarzweisse Kriegsdrama bietet - wie man es von Lumet kennt - schnörkellose Spannung, tolle Darstellerleistungen und psychologischen Tiefgang. Für den Film musste Connery sichtlich aus seiner Komfortzone ausbrechen, wie etwa in einer minutenlangen Einstellung, in der die Gefangenen schweissgebadet den titelgebenden Hügel in der Mitte des nordafrikanischen Straflagers auf und ab klettern. Eine zynische Abrechnung mit absurden militärischen Hierarchiestrukturen, irgendwo zwischen The Bridge on the River Kwai und Paths of Glory. [Jonas Ulrich]

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The Offence

Nur ein Jahr nach seinem letzten «richtigen» Bond, Diamonds Are Forever, spielte Sean Connery einen abgefuckten Polizisten, der einen mutmasslichen Kinderschänder zum Reden bringen will und dabei gegen seine inneren Dämonen kämpfen muss. Der Gegensatz zu den glamourösen Bond-Rollen hätte nicht grösser sein können - und dies nicht nur wegen des markanten Schnauzes, den er sich für diesen Film hat wachsen lassen. Sidney Lumets The Offence ist ein höchst beklemmender und verstörender Psychothriller, in dem Connery auf grandiose Art seine schauspielerischen Fähigkeiten unter Beweis stellt. [Simon Eberhard]

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Zardoz

Um dem von ihm nie richtig geliebten James Bond zu entkommen, unternahm Connery in den 1970er Jahren ein paar Versuche, sich in neuen Rollen zu zeigen. Die wohl schrägste dieser Arbeiten war der Science-Fiction-Film Zardoz, in dem er als Einzelkämpfer in einer geteilten Zukunft agiert, die von einem fliegenden Steinkopf kontrolliert wird. Als er sich Einlass in diesen verschafft, wird er zum Sklaven zweier Frauen, die mit ihm experimentieren. Zardoz ist künstlerisch und inhaltlich wirr, zeigt aber Sean Connery fast durchgehend in roten Unterhosen, mit Schnäuzer und Pferdeschwanz. [Dani «muri» Maurer]

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Der Name der Rose

In diesem im Jahr 1327 spielenden Mystery-Thriller spielt Sean Connery den Mönch William, der mit Hilfe seines Novizen Adson (Christian Slater) versucht, diverse seltsame Todesfälle in einem Kloster aufzuklären. Die Handlung in der Verfilmung des Romans von Umberto Eco verläuft zuweilen etwas schleppend. Dafür überzeugt sie mit der detailgenauen Präsentation der Welt des Mittelalters. Die teils schaurig-skurril wirkenden Bewohner des Klosters sind in ihrer grossen Anzahl zwar etwas übertrieben. Doch gleichen dies Sean Connery mit seinem Charme und Christian Slater (dem mit diesem Film der Durchbruch gelang) wieder aus. [Christoph Reiser]

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Highlander

Es kann nur einen geben! Während die Hauptrolle in Highlander an den aufstrebenden Christopher Lambert ging, schnappte sich Sean Connery den Part des reiferen Lehrers, der seinem Schützling allerhand über Unsterblichkeit und das Verhalten dabei beibringen sollte. Musikalisch unterstützt von Queen und mit viel Action und Blitzeffekten aufgepeppt, wurde Highlander damals zu einem Welterfolg. Connery selber trat auch in der Fortsetzung, fünf Jahre später, nochmal auf und holte sich für neun Tage Arbeit fast vier Millionen Dollar Gage ab. Nicht schlecht, Mister Bond. [Dani «muri» Maurer]

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The Untouchables - Die Unbestechlichen

Nach detektivischem Mönch und altertümlichem Schwertkämpfer nahm Connery unter der Regie von Brian De Palma 1987 in The Untouchables die Rolle des Polizisten Jim Malone an, der zusammen mit Eliot Ness (Kevin Costner) und weiteren «unbestechlichen» Cops Jagd auf Al Capone (Robert DeNiro) und dessen Verbrechen machte. Viel Geballer, eine fette Portion Mafia und eine Story, die auch heute noch packt - das Ganze wurde spannend umgesetzt, hervorragend gespielt und schliesslich mit einem Oscar für die beste Nebenrolle für Sean Connery belohnt. Dieser Thriller gehört heute zu den Filmklassikern, die man gesehen haben muss. Auch (oder vor allem) wegen Connery. [Dani «muri» Maurer]

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Indiana Jones and the Last Crusade - Indiana Jones und der letzte Kreuzzug

Im dritten Teil der Indiana-Jones-Reihe gelang Steven Spielberg und George Lucas mit der Besetzung von Sean Connery als Indiana Jones' Vater Henry ein absoluter Geniestreich. Obwohl zwischen Connery und Harrison Ford nur ein Altersunterschied von 12 Jahren besteht, verkörperte Connery den schrulligen und strengen Gelehrten mit soviel Charme, Verve und Witz, dass man den beiden ihre komplexe Beziehung vollends abnimmt. Connerys Performance veredelt einen ohnehin schon herausragenden Film zu schierer Perfektion und bietet eines der besten Vater-Sohn-Gespanne der Filmgeschichte. [Chris Bucher]

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The Hunt for Red October - Jagd auf Roter Oktober

Der sowjetische Kapitän Marko Ramius (Sean Connery) nimmt mit seinem U-Boot direkt Kurs auf die Vereinigten Staaten. Was hat er vor? Jack Ryan (Alec Baldwin) von der CIA nimmt Kontakt mit ihm auf, um etwas über seine Absichten herauszufinden. Bei den Sowjets ist das Vorhaben von Ramius nur einigen wenigen klar. Wollen sie etwas unter den Teppich kehren? Connerys Zusammenarbeit mit dem «Master of Suspense» John McTiernan ist ein Höhepunkt in seiner Laufbahn. Der eiserne Vorhang hebt sich und Bühne frei! Sean Connery spielt die Charakterstudie mit Vollgas auf des Messers Schneide mit viel Format und einer unglaublichen Präsenz. [Giancarlo Schwendener]

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Medicine Man - Die letzten Tage von Eden

In seinem zweiten Film mit Regisseur John McTiernan verkörpert Sean Connery die Rolle des eigenwilligen Dr. Robert Campbell, der im Regenwald ein Heilmittel gegen Krebs gefunden hat. Nur kann er den Erfolg in seinem Feldlabor nicht bestätigen, und dummerweise rollen bald Bulldozer an, die den Wald für den Bau einer Schnellstrasse zerstören. Die von Campbell angeforderte wissenschaftliche Assistentin macht seine Arbeit auch nicht einfacher. Connery spielt die Rolle des kauzigen Botanikers mit Pferdeschwanz wirklich gut, und der Abenteuer-Film mit tollem Soundtrack stimmt auch heute noch nachdenklich, was das Thema Naturschutz betrifft. [Oliver Frick]

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Rising Sun - Die Wiege der Sonne

In den späten 1980er-Jahren startete Connerys zweiter Frühling an den Kinokassen. Seine Filme waren erfolgreich, die Rollen anspruchsvoller als auch schon und mittendrin finden wir hier einen waschechten Thriller namens Rising Sun. Als erfahrener Spezialist für Japan, dessen Rituale und Gepflogenheiten muss Sean Connery den Mordfall einer jungen Frau lösen, die in einem japanischen Konzern tot aufgefunden wurde. An seiner Seite agiert Wesley Snipes, der sich am erfahrenen und sehr souverän auftretenden Altstar orientieren konnte und einen optimalen Kollegen abgibt. An den Kassen lief Rising Sun (nach Vorlage von Michael Crichton) zwar nicht besonders toll, bewies aber, dass Connery nicht nur im Anzug und mit Martini einen tollen Detective (Agent) abgibt. [Dani «muri» Maurer]

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The Rock - Fels der Entscheidung

Ein US-General (Ed Harris) nimmt mit einer Söldnertruppe die Gefängnisinsel Alcatraz wieder in Betrieb. Er bedroht die USA mit Giftgasraketen. In all den Jahren ist nur einem einzigen Häftling jemals die Flucht von Alcatraz gelungen. Sein Wissen wird nun gebraucht, um den Weg auf die Insel zu finden und den General dingfest zu machen. Der ehemalige SAS-Agent John Patrick Mason (Sean Connery) aus England darbt in einem amerikanischen Gefängnis und wird wieder losgelassen. Connery spielt die Rolle mit so viel Spielwitz und Selbstironie, dass es immer wieder eine Freude ist, den nicht nur rhetorischen Schlagabtausch anzuschauen. Wie war das nochmals mit der Ballkönigin? [Giancarlo Schwendener]

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Dragonheart

In den Neunzigern machte Sean Connery mehrfach Halt im Mittelalter. Neben First Knight und seinem Cameo in Robin Hood: Prince of Thieves war er auch beim epischen Mittelalterabenteuer Dragonheart dabei: Aus Rache schwört der einstige Ritter Bowen (Dennis Quaid), alle Drachen zu vernichten. Doch dann verbündet er sich mit dem letzten und sie zocken als ungleiches Gauner-Team unwissende Dörfer ab. Selbst im Vergleich zu heutigen CGI-Viechern ist der Drache verdammt gut animiert und genauso mitreissend ist Connerys Einsatz, der dem cleveren und grossherzigen (hihi! Wortspiel!) Draco seine warme Stimme leiht. [Petra Schrackmann]

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Finding Forrester: Forrester - Gefunden!

Fast als Abschluss seiner langen Karriere schlüpfte Connery in die Rolle eines kauzigen alten Stubenhockers, der einen talentierten Schüler unter seine Fittiche nimmt. In Gus Van Sants Film spielt Connery den preisgekrönten Schriftsteller William Forrester, der sich nach einem phänomenalen Roman aus der Öffentlichkeit zurückzieht und Jahrzehnte später eher zufällig zum Mentor eines jungen afroamerikanischen Basketballers wird, der insgeheim literarische Träume hegt. Klingt nach typischem «inspirierenden Drama»? Ist es auch - und doch ist der Film nicht zuletzt dank Connerys unvermindertem Charme, Witz und seinem nuancierten Schauspiel absolut sehenswert. [Petra Schrackmann]

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