Laserschlacht und Gondolas

Müssen die Kinos bald wieder schliessen und die Bond-Cinemas zum zweiten Mal abgebrochen werden? OutNow-Agent Marco fände dies richtig schade, denn Kino macht sogar unbeliebte Bonds zu einem Erlebnis.

Moonraker © Twentieth Century Fox Home Entertainment, Inc. All Rights Reserved.

Sonntagabend, Kino Metropol in Zürich: Geschätzte 12 Nasen sehen sich im Rahmen des Bond Cinemas der blue Cinemas den oft belächelten Moonraker an, in welchem Bond am Ende in einer Laserschlacht im All landet und der Reactionshot einer Taube zu den humoristischen Höhepunkten gezählt werden muss. Zum letzten Mal habe ich den Film am 19. Oktober 2015 auf blu-ray gesehen. Damals war die Welt noch in Ordnung, die Vorfreude auf Star Wars: Episode VII - The Force Awakens fast schon unerträglich und Moonraker empfand ich als ziemlichen Blödsinn.

Fünf Jahre später ist alles ein bisschen anders. Mein Stammplatz im Metropol in der vierten Reihe ist zwar immer noch derselbe, doch die Maske im Gesicht und das stinkende Desinfektionsmittel deuten darauf hin, dass wir uns im Jahre 2020 befinden. Nach zwanzig Minuten Werbung geht es dann los mit dem Kinoerlebnis, beginnend mit dem brüllenden Löwen des MGM-Logos. Kino bedeutet, dass weder das Smartphone, noch quasselnde und scherzende Kollegen im Wohnzimmer meine Konzentration vom Filmgeschehen ablenken. Und siehe da: Ich kann herzhaft über die skurrilen Situationen und die belämmerten Gags lachen und sitze angespannt da, als Holly und James Jagd auf die mit Giftgas gefüllten Weltraumbomben machen.

Nein, Moonraker ist gar nicht schlecht und die Kinoauswertung ein ganz neues Erlebnis, obwohl ich den Film schon mehrmals gesehen habe. Sogar die lachhafte Laserschlacht macht aus dem Kinosessel einen Heidenspass und die «Pew! Pew!»-Lasergeräusche zischen in einer angenehm hohen Lautstärke durch die Surround-Anlage eines meiner Lieblingskinos, dass es nur so eine Freude ist! Da kann auch der reichste Heimkinoenthusiast mit vergoldeten Bananensteckern an seinen Lautsprecherkabeln nicht mithalten.

Der Abspann läuft und ich bin traurig, dass ich jetzt in eine Welt zurück muss, in der ein Virus dominiert und zwei halbsenile weisse Männer für das mächtigste politische Amt kandidieren. Wie ein Damoklesschwert hängen die Zahlen der Coronainfizierten und die Pläne der Eindämmung über meiner Leidenschaft, dem Kino. Gingen tatsächlich die Lichter ein weiteres Mal aus in meiner zweiten Heimat, würde dies ein kalter Winter bedeuten. Denn obwohl uns James Bond nicht vor dem Coronavirus beschützen kann, ist es unfassbar wichtig zwei Stunden in eine Welt einzutauchen, in der dies zumindest möglich zu sein scheint.

Marco Albini [ma]

2003 verfasste Marco seine erste Kritik auf OutNow und ist heute vor allem als Co-Moderator des OutCast tätig. Der leidenschaftliche «Star Wars»-Fan aus Basel gräbt gerne obskure Genrefilme aus, aber Komödien sind ihm ein Gräuel.

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