«Eden für jeden»: Das Interview mit Hauptdarstellerin Steffi Friis

Anlässlich der Weltpremiere des neuen Filmes von Rolf Lyssy trafen wir die schweizerisch-dänische Schauspielerin zum Interview und sprachen ihr unter anderem über das Lernen von Züridütsch.

Steffi Friis in «Eden für jeden» © Ascot Elite

Was gibst du der Rolle, das über das Auswendiglernen des Textes hinausgeht?
Alles ausser dem Text. Ich habe ja nicht selbst bestimmt, was ich sage. Als Schauspielerin gebe ich der Rolle eine Stimme, den Körper und einen Ausdruck. Ich habe die Chance, eine Geschichte zu erzählen, und charakteristisch gesehen ist das spannend. Vom Drehbuch war mir sehr klar, wer Nelly ist. Ich musste nicht weit suchen gehen, wie ich sie formen konnte. Wir haben sehr viele Gemeinsamkeiten. Meine Aufgabe war mehr, die Unterschiede zu finden.

Wo liegen diese?
Ich wüsste nicht, ob ich persönlich die Nerven hätte, so gut mit dieser Situation umzugehen, und ob ich diese Selbstverständlichkeit und Selbstlosigkeit, die sie zu ihrer Grossmutter hat, selbst auch leben könnte. In einer früheren Drehbuchfassung war Nelly schon an der Grenze zu kühl. Dort war sie sehr kantig, und wir fanden, dass es zu viel gewesen war. Wir wollten sie nicht unsympathisch machen. Sie ist einfach kompliziert, aber das macht sie auch menschlich. Darum mag ich sie auch so gerne. Mit war auch sehr wichtig, dass sie eine selbstverständliche Coolness und eine gewisse Toughness hat, so dass sie mit ihrer sarkastischen Art diese Pointen bringt.

Nelly muss in der Ausbildung nebenbei jobben, um durchzukommen. Wie viel steckt von deinen eigenen Erfahrungen als Schauspielerin in Nelly?
Während meiner Ausbildung habe ich nicht gejobbt. Wir waren 16 Stunden am Tag an der Schule. Wir hatten gar keine Chance, nebenher zu arbeiten. Es gab diese paar einzelnen Wahnsinnigen, die dann das ganze Wochenende durcharbeiteten. Das habe ich aber nicht gemacht. Das habe ich auch nie geschafft.

OutNow-Freelancer Giancarlo Schwendener mit Hauptdarstellerin Steffi Friis
OutNow-Freelancer Giancarlo Schwendener mit Hauptdarstellerin Steffi Friis © OutNow

Wo findest du den Schrebergarten im Alltag?
Ich habe keinen Schrebergarten, dafür eine grosse Wohnung, die ich sehr oft putzen muss. Bald habe ich auch einen Hund. Dann muss ich noch mehr putzen. Ich habe eine Beziehung mit meinem Freund, er ist auch Schauspieler. Wir wissen nie, wo es hingeht mit diesem Job. Dort ist die Herausforderung, wo man sich im Leben platziert. Wo platziert man die Beziehung und wo platziert man den Job? Es kreuzte sich immer alles. Es ist ein schwieriger Job, was das angeht.

In einem Wahlkampf muss man sich selbst sein, aber man muss sich auch gut verkaufen. Wie viel Steffi, die sich für eine Rolle bewirbt, steckt in Nelly, die Wahlkampf betreibt?
Nelly betreibt eigentlich nicht so viel Wahlkampf. Das machen die anderen für sie mit den Plakaten. Ich mache sicher mehr für meine Rollen als Nelly für ihren Wahlkampf. Das liegt wahrscheinlich daran, dass es mir einiges mehr bedeutet, eine Rolle spielen gehen zu können als Nelly, diesen Schrebergarten zu repräsentieren, Sie macht das aber gut und ist dabei sehr souverän. Sie macht es auf ihre eigene Art. So mache ich das definitiv auch.

Wie gehst du dabei vor?
Meine Vorbereitungen schaffe ich alleine, ich habe keinen Schauspiel-Coach oder sonst jemanden, der das mit mir macht. Wenn, dann gibt es eine Zusammenarbeit bei E-Castings. Dort arbeite ich mit meinem Freund zusammen, denn wir sind ein sehr gutes Team. Falls es etwas mit der Rolle wird, gibt es dann natürlich die Zusammenarbeit mit der Regie. Ansonsten arbeite ich alleine.

Steffi Friis mit Marc Sway
Steffi Friis mit Marc Sway © Ascot Elite Entertainment Group. All Rights Reserved.

Im Film spielst du eine Zürcherin. Wie war die Umstellung? Wie lange hast du gebraucht, um als Solothurnerin Züridüütsch zu lernen?
Die Umstellung ist mir leichtgefallen. Ich bin recht gut mit Sprachen, da ich mit dänisch und schweizerdeutsch zweisprachig aufgewachsen bin. Ich kann sehr gut Englisch und beherrsche auch sehr diverse Akzente bei den Schweizer Dialekten. Im grossen Lawinenwinter Ende der Neunzigerjahre begann ich diese zu imitieren. Wir waren im Berner Oberland und konnten das Haus nicht mehr verlassen, weil alles zugeschneit war. Wir schauten dann jeweils «Schweiz aktuell» und dabei habe ich dann immer diese Moderatorin mit ihrem Berndeutsch imitiert. Danach habe ich das Highlight-Programm von Ursus und Nadeschkin auswendig gelernt, und so habe ich Züridüütsch gelernt.

War das schwierig?
Sehr schwierig war es nicht, aber es gibt immer wieder kleine Unterschiede. Ich bin mit einem Basler zusammen und lebe in Basel und damit kommen halt gewisse Einflüsse herein. Ich sage «friidlech» anstatt «frídlích», und so gibt es dann einzelne Momente, in denen man merkt, dass ich keine Züricherin bin.

Im Film kommen viele sogenannt neudeutsche Ausdrücke vor. Waren diese Anglizismen im Drehbuch oder sind sie beim Drehen improvisiert entstanden?
«Chill di Tanti!» hat im Drehbuch gestanden. Das war von Anfang an so vorgesehen, was ich auch cool fand. Chillen sage ich auch sehr oft. Von daher hat es sich natürlich angefühlt.

Wie siehst du diese Gratwanderung der modernen Sprache, die oft keine korrekten Sätze mehr ergibt?
Nelly hat ihre sehr eigene Art in allem, was sie macht, und von daher hat sie auch in der Sprache ihre Eigenheiten. Im Namen der Rolle mache ich dann alles.

Eden für jeden läuft ab dem 1. Oktober 2020 in den Schweizer Kinos.

© Ascot Elite

Giancarlo Schwendener [gia]

Giancarlo ist James Bond 15 Jahre lang auf Augenhöhe begegnet. Mit dem Abgang von Daniel Craig ist damit vorerst Schluss, aber er hat diese Zeit genossen. Er liebt die grosse Anzahl an denkwürdigen Filmen, aber drei Leute bilden für ihn das Triumvirat: Sergio Leone, Robert De Niro und Marlon Brando.

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