165 Filme, davon 23 Weltpremieren: Zurich Film Festival enthüllt beeindruckendes Programm

An einer Medienkonferenz hat der neue Programmleiter Christian Jungen das Line-up der 16. Ausgabe des ZFFs bekanntgegeben. Dabei sorgte «Wonder Woman 1984» kurz für Verwirrung.

Never Rarely Sometimes Always © Universal Pictures International Switzerland

«Das Festival ist für die Filme da. Das Festival ist für die Kinos da.» So die Grundsätze, nach denen der neue ZFF-Programmleiter Christian Jungen seinen Job angeht. Wer Böses denkt, kann darin einen kleinen Seitenhieb gegen vorherige Ausgaben des Festival herauslesen. Denn das ZFF hatte lange den Ruf, einfach ein Cüpli-Event zu sein, an dem auch noch Filme gezeigt werden. Doch der ehemalige NZZ-Filmkritiker Jungen legt den Fokus klar auf das, was während zehn Tagen im September/Oktober über die Leinwände flimmeren wird.

Fenster für die Filme

Die Filmlandschaft hat es auch dringend nötig. Denn aufgrund Covid-19 mussten viele Filmfestivals abgesagt werden. Vielen Regisseurinnen und Regisseuren fehlt es somit an einem Fenster, in dem sie ihre Arbeiten bekannter machen können. Das Zurich Film Festival bietet nun dieses Fenster und verkündete an der Pressekonferenz vom Donnerstagmorgen stolz, dass man das erste Festival sei, welches mit einer nicht abgespeckten Version an den Start gehen wird. Stolze 165 Filme werden vom 24. September bis zum 4. Oktober zu sehen sein, darunter sind 23 Weltpremieren. Im letzten Jahr waren es noch 11 Weltpremieren.

Das Festival hält auch im Jahr 2020 an den drei unterschiedlichen Wettbewerben fest: «Fokus Wettbewerb» (Filme aus der Schweiz, Deutschland und Österreich), «Spielfilm Wettbewerb» (mit internationalen Produktionen) und «Dokumentarfilm Wettbewerb». In den ersten beiden Wettbewerben beträgt der Anteil an Filmen von Regisseurinnen mehr als 50 %. Über das ganze Programm ist das Schweizer Filmschaffen mit 27 Produktionen ebenfalls stark vertreten.

Lauft im Fokus Wettbewerb: «Zürcher Tagebuch»
Lauft im Fokus Wettbewerb: «Zürcher Tagebuch» © Xenix Filmdistribution GmbH

Stargäste und Fanzonen

Auch wenn in diesen unsicheren Zeiten nichts in Stein gemeisselt ist, will das ZFF auch in diesem Jahr wieder den einen oder anderen Star in die Limmatstadt bringen. So hat sich unter anderem Johnny Depp ein weiteres Mal angekündigt. Er wird in Zürich den von ihm produzierten Dokumentarfilm Crock of Gold (über die Folk-Band «The Pogues») vorstellen. Einen grossen Menschenandrang wird das Festival jedoch zu verhindern versuchen. Da wir immer noch mitten in einer Pandemie sind, ist es nicht vorstellbar, dass der Sechseläutenplatz mit kreischenden Teenies gefüllt werden kann. Auch aufgrund des Contact Tracing wird es eine zugewiesene Fanzone geben, für die man sich jedoch anmelden muss. Das Festival wird zudem Tickets für diese Zone verlosen. Wie dies genau funktionieren soll, wird in den kommenden Tagen enthüllt.

Weitere Gäste, die in Zürich auflaufen sollen, sind Bettina Oberli, Moritz Bleibtreu, Juliette Binoche, Christoph Maria Herbst, Til Schweiger, Kad Merad und Maïwenn.

Til Schweiger mit Heike Makatsch in «Gott, du kannst ein Arsch sein»
Til Schweiger mit Heike Makatsch in «Gott, du kannst ein Arsch sein» © UFA FICTION 2019 Thomas Kost

Filmhighlights

Das schon mehrfach preisgekrönte Abtreibungsdrama Never Rarely Sometimes Always (unsere Kritik) wird am ZFF gezeigt - unbedingt vormerken. Weitere neubestätigte Highlights sind das Alzheimer-Drama The Father mit Anthony Hopkins und Olivia Colman, die Vater-Sohn-Story Falling von und mit Viggo Mortensen, der Horrorfilm Antebellum mit Janelle Monae, die Komödie Contra mit Christoph Maria Herbst sowie der Thriller Cortex von und mit Moritz Bleibtreu.

«Antebellum»
«Antebellum» © Impuls Pictures AG

«Wonder Woman 1984»: Ja, also nein

Hingegen nicht Teil des Programms wird Wonder Woman 1984 sein. Der Film taucht zwar im Programmheft auf, doch häuften sich in den Stunden vor der Medienkonferenz die Meldungen, dass der Kinostart am 1. Oktober nicht eingehalten werden kann. Auf Anfrage von OutNow bestätigte Programmleiter Christian Jungen, dass der Superheldeninnenfilm aufgrund der neuen Situation aus dem Programm gefallen ist.

«Wonder Woman 1984»
«Wonder Woman 1984» © & ™ DC Comics and Warner Bros. Entertainment Inc.

Doch auch ohne Wonder Woman 1984 hat das Programmteam um Christian Jungen starke Arbeit geleistet. Der Wettbewerb bietet die Möglichkeiten für Entdeckungen, während andere heisserwartete Filme ihre internationale Premiere in Zürich feiern werden. Wir freuen uns, denn OutNow wird auch in diesem Jahr wieder vom ZFF berichten.

Das ganze Programm findet ihr auf der Website des Festivals. Tickets gibt es ab Montag, dem 14. September um 12:00. ZFF-Kinogutscheine und Festivalpässe sind bereits online verfügbar, damit man von den Vergünstigungen gleich zum Vorverkaufsstart profitieren kann.

Christoph Schelb [crs]

Christoph arbeitet seit 2008 für OutNow und leitet die Redaktion seit 2011. Er liebt die Filme von Christopher Nolan, die Festivals in Cannes und Toronto und kann nicht wirklich viel mit Jean-Luc Godard anfangen, was aber wohl auf Gegenseitigkeit beruht. Gewinner des Filmpodium-Filmbuff-Quiz 2019.

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