Erste Filme und Gäste für das Zurich Film Festival 2020 bekannt

Ein Schweizer Film macht den Anfang: «Wanda, mein Wunder» wird die 16. ZFF-Ausgabe eröffnen. Highlights wie «Shirley», «Kajillionaire» und ein Besuch von Juliette Binoche werden folgen.

Eröffnungsfilm «Wanda, mein Wunder» © Filmcoopi

Nachdem das Venedig-Filmfestival bereits mit einer physischen Ausgabe gestartet ist, steht man auch beim Zurich Film Festival in den Startlöchern. Wie auf dem Lido verzichtet man auch in der Limmatstadt auf eine reine Streaming-Ausgabe des Festivals und möchte stattdessen Filme im Kino feiern - mit Sicherheitsauflagen, versteht sich. Am 10. September 2020 verkündet das Programmteam um den neuen Artistic Director Christian Jungen das ganze Line-up des 16. Zurich Film Festivals. Ein paar Highlights wurden nun aber schon vorab verkündet.grossen

Die Filme

Wanda, mein Wunder

Das Festival beginnt mit der physischen Weltpremiere des neuen Filmes von Bettina Oberli. Die Tragikomödie war Teil des diesjährigen Tribeca Film Festivals, welches jedoch wegen der Pandemie nur online durchgeführt werden konnte. Nun gibt es am ZFF die Kinopremiere für den Film. Es geht darin um die polnische Pflegerin Wanda, die sich um den betagten Josef in der Villa seiner Familie am See kümmert. Alle leben unter einem Dach, und Wanda bekommt einen intimen Einblick in das Familienleben. So intim, dass sie unerwartet schwanger wird. Nach Bruno Manser im letzten Jahr eröffnet damit erneut ein Schweizer Film das ZFF.

Shirley

Die gefeierte Elisabeth Moss (The Invisible Man) spielt in dem Psycho-Drama-Thriller von Josephine Decker die bekannte Horrorautorin Shirley Jackson, welche unter anderem die Vorlage zur Netflix-Serie The Haunting of Hill House geschrieben hat. Der Film wird jedoch aus der Sicht der jungen Rose erzählt, welche bei Shirley Jackson und ihrem Mann einzieht. Da Shirley an einer Schreibblockade leidet, wird es jedoch sehr schnell ungemütlich. In unserer Berlinale-Kritik schrieben wir, dass der Film mehr an der Psyche der Autorin interessiert ist, was Deckers Film recht faszinierend und in der momentanen Flut von Biopics durchaus erfrischend macht.

Assassins

Als der Halbbruder des nordkoreanischen Diktators Kim Jong-un im Februar 2017 nach einer Begegnung mit zwei Frauen unerwartet an einem Nervengift verstirbt, ist nicht klar, ob die beiden Opfer einer politischen Intrige oder ausgebildete Attentäterinnen sind. Der Regisseur Ryan White bringt Licht in die düsteren Machenschaften Nordkoreas.

Nowhere Special

Johns Leben dreht sich vollkommen um seinen Sohn, dessen Erziehung und Versorgung er als seine Lebensaufgabe sieht. Als er erfährt, dass ihm nur noch wenige Monate zum Leben bleiben, fasst er eine neue Mission: die perfekte neue Familie für seinen Sohn zu finden.

Kajillionaire

Miranda Julys Porträt über die Selbstfindung einer jungen Frau dreht sich um Old Dolio, die von ihren Eltern, selber professionelle Con-Artists, ihr ganzes Leben lang zum Schwindeln, Betrügen und Stehlen ausgebildet worden ist. Als diese spontan entscheiden, die aussenstehende Melanie in ihren nächsten Coup miteinzubeziehen, wird Old Dolios Routine komplett auf den Kopf gestellt.

Un triomphe

Aus Geldnot übernimmt der liebenswerte Schauspieler Étienne die Leitung eines Theaterworkshops im Gefängnis. Schnell wachsen ihm die Häftlinge ans Herz und ihre Inszenierung wird zur Erfolgschance für Étienne, doch seine Schauspieler müssen am Ende jeder Aufführung zurück hinter Gitter. Die französische Komödie beruht auf wahren Begebenheiten.

Zürcher Tagebuch

Im essayistischen Dokumentarfilm führt uns der Zürcher Regisseur Stefan Haupt durch den Wandel seiner Heimatstadt seit 1961. Der wie ein Tagebuch strukturierte Film zeigt die Stadt von all ihren Seiten und greift Themen wie Bodenbesitz, die Finanzkrise oder den Frauenstreik auf. Eine Liebeserklärung an Zürich.

© Xenix Films

El Robo del Siglo

Bei einem Jahrhundertraub in Buenos Aires ergattern fünf Männer, die von der Bevölkerung als moderne Robin Hoods gefeiert werden, über 19 Millionen Dollar. Die auf wahren Ereignissen beruhende Geschichte wurde von Ariel Winograd als Komödie verfilmt, die in Argentinien bereits über 2 Millionen Besucher in die Kinos gelockt hat.

The Truffle Hunters

Tief in den Wäldern des Piemonts gedeiht der weisse Alba-Trüffel, welchen nur ein kleiner Zirkel älterer, italienischer Männer und ihre Trüffelhunde aufzufinden weiss. Infolge des Klimawandels, der Abholzung der Wälder und des Mangels an jungen Menschen, die in ihre Fusstapfen treten, sind die Geheimnisse der Trüffeljäger begehrter denn je. Doch wie sich bald herausstellt, tragen die Trüffeljäger etwas viel Wertvolleres in sich als das Wissen um diese kostbare Delikatesse: das Geheimnis eines reichen und sinnvollen Lebens.

Eden für jeden

Der neue Film von Rolf Lyssy (Die Schweizermacher, Die letzte Pointe): Die junge Nelly taucht in den faszinierenden Kosmos eines Schrebergartens ein. Bald schon wird sie in einen Kleinkrieg mit dem überkorrekten Schrebergarten-Präsidenten verwickelt - und kommt einem düsteren Familiengeheimnis auf die Spur.

© Ascot Elite

Nuevo Orden

Eine verschwenderische Hochzeit in der mexikanischen Oberschicht läuft aus dem Ruder. Als die Braut einem einfachen Arbeiter helfen will, wird sie mit einem Aufstand der Unterschicht konfrontiert und gerät in den Strudel eines Staatsstreiches. Ein Thriller, in dem Regisseur Michel Franco in prägnanten Bildern ausmalt, was passiert, wenn die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinanderklafft.

ADN

Der neue Film der französischen Regisseurin Maïwenn (Polisse) dreht sich um eine algerischstämmige Französin, die nach dem Tod ihres algerischen Grossvaters mehr über dessen Heimat erfahren möchte. Der Film trägt das Cannes-Gütesiegel, was bedeutet, dass er am Festival an der Croisette gezeigt worden wäre, wenn dieses blöde Virus nicht (fast) alles kaputtgemacht hätte.

La bonne épouse

Das Elsass in den 60er-Jahren: Paulette Van der Beck (Juliette Binoche) leitet eine Schule für mustergültige Hausfrauen. Die Rückkehr einer Jugendliebe und die Unruhen in der Gesellschaft erschüttern jedoch zunehmend ihr Weltbild. Der Film wird zu Ehren von Hauptdarstellerin Binoche gezeigt, welche am Festival den «Golden Icon Award» erhalten wird.

Die Gäste

Juliette Binoche

Oscarpreisträgerin Juliette Binoche (The English Patient) darf sich bald schon den nächsten Preis in ihre Vitrine stellen. Am ZFF wird die französische Schauspielerin mit dem «Golden Icon Award» ausgezeichnet. «Im Jahr, wo wir Frankreich als Gastland haben, ist es uns eine besondere Freude, eine wahre Ikone des französischen Kinos auszuzeichnen. Binoche ist ungemein vielseitig und zeichnet sich durch eine kluge Rollenwahl aus. Sie verleiht ihren Figuren Tiefgang, in Dramen ebenso wie in Komödien», erklärt Artistic Director Christian Jungen.

Juliette Binoche in «La bonne épouse»
Juliette Binoche in «La bonne épouse» © Filmcoopi

Maïwenn

Maïwenn bringt nicht nur ihren neuen Film ADN (siehe oben) nach Zürich, sondern holt in der Limmatstadt auch noch was ab. Die 44-jährige Französin erhält für ihren Beitrag zur Erneuerung des Autorenkinos am ZFF den «A Tribute To... Award». Am 1. Oktober 2020 wird ihr dieser Preis überreicht. Maïwenns bekanntestes Werk ist die Tragikomödie Polisse, in der sie eine Polizeieinheit portraitiert, welche auf den Schutz von Kindern und Jugendlichen spezialisiert ist.

Maïwenn in «Polisse»
Maïwenn in «Polisse» © Studio / Produzent

Rolf Lyssy

Der Schweizer Regisseur wird für sein Lebenswerk mit dem Career Achievement Award geehrt. Lyssy wird am ZFF zudem seinen neusten Film Eden für jeden (siehe oben) vorstellen, während in einer Retrospektive auch die älteren Werke des 84-jährigen zu sehen sein werden.

Bild aus «Eden für jeden»
Bild aus «Eden für jeden» © Ascot Elite Entertainment Group. All Rights Reserved.

Das 16. Zurich Film Festival findet vom 24. August bis zum 4. September 2020 statt. OutNow wird erneut mit einer grossen Delegation intensiv über die Filme und das Festivalgeschehen berichten.

Christoph Schelb [crs]

Christoph arbeitet seit 2008 für OutNow und leitet die Redaktion seit 2011. Er liebt die Filme von Christopher Nolan, die Festivals in Cannes und Toronto und kann nicht wirklich viel mit Jean-Luc Godard anfangen, was aber wohl auf Gegenseitigkeit beruht. Gewinner des Filmpodium-Filmbuff-Quiz 2019.

  1. Artikel
  2. Profil
  3. E-Mail
  4. Twitter
  5. Letterboxd
Teilen
Auf Facebook teilen  Auf Twitter teilen 
Datum
Quelle
OutNow