«Tenet»: Das grosse Interview mit Regisseur Christopher Nolan und seiner Crew, Teil 2

Im zweiten Teil unserer «Tenet»-Interview-Reihe kommen die Darsteller sowie der Komponist zu Wort. Darin gibt Hauptdarsteller John David Washington zu, dass er Nolan etwas Wichtiges verschwiegen hat.

John David Washington und Robert Pattinson in «Tenet» © Warner Bros.

Nachdem im ersten Teil unserer Interview-Reihe vor allem Regisseur Christopher Nolan und Produzentin Emma Thomas viel zu erzählen hatten, geht das Mikrofon nun weiter zu den Darstellern. Genauer gesagt zu John David Washington, Robert Pattinson, Elizabeth Debicki und Kenneth Branagh. Sie berichten unter anderem darüber, ob das Set dieses grossen Filmes sie eingeschüchtert hat und wie die Zusammenarbeit mit Nolan war. Zudem klärt Washington seinen Regisseur noch über etwas auf.

Zum Schluss berichtet der gefeierte und mit dem Oscar ausgezeichnete Komponist Ludwig Göransson (Black Panther, The Mandalorian) noch über seine besondere Tenet-Experience.

Auch bei diesem Text müsst ihr euch keine Sorgen um Spoiler machen. Alle an der Pressekonferenz getätigten Aussagen, welche das Filmvergnügen schmälern könnten, wurden nicht in den Text genommen.

Motiviation und Spass am Set

In Tenet spielt John David Washington die Hauptrolle, seine Figur wird dabei nur «Protagonist» genannt. Über dessen Vergangenheit erfahren wir im Film kaum was. Wir wollten deshalb von Washington mehr über seine Rolle erfahren und zusätzlich vom Cast wissen, wie es ist, an einem Nolan-Set zu arbeiten.

OutNow: Was denkst du, ist die Hauptmotivation deines Protagonisten?
John David Washington: Den Glauben in die Menschheit und dass sie sich weiterentwickeln kann. Er ist bereit, dafür zu sterben. Ich stellte mir vor, dass er früh aufgrund seiner Liebe gegenüber anderen Menschen rekrutiert wurde. Das wird von vielen als Schwäche angesehen. Aber er nutzt sie, um sich selbst anzutreiben, sodass sie zu einer Stärke wird.

OutNow: Ist es denn einschüchternd an einem Nolan-Film zu arbeiten?
Elizabeth Debicki: Ich erwartete konstanten Druck und Terror (lacht). Aber das verschwand recht schnell. Die Geschichte geht zwar in recht düstere Gefilde, aber die Dreharbeiten waren ein Spass. Es gab viele Herausforderungen, da ich viele Sachen noch nie gemacht hatte. Aber John David Washington, Robert Pattinson und Kenneth Branagh sind solch lustige Leute, die mir das Leben sehr erleichterten. Und da ist natürlich Chris Nolan selbst. Sein Fokus, und dass er uns Darstellern trotzdem genug Platz zum Arbeiten gibt, bewundere ich sehr.

Elizabeth Debicki und Kenneth Branagh in «Tenet»
Elizabeth Debicki und Kenneth Branagh in «Tenet» © Warner Bros. Ent. All Rights Reserved.

Kenneth Branagh: Das kann ich so unterschreiben, wirklich ein toller Cast. Am Set fühlte man sich geliebt und immer in sicheren Händen. Es war egal, ob nur fünf oder 5'000 Leute zugegen waren, wenn man eine Szene spielte. In jedem Moment interessierte sich Chris nur dafür, was du als Schauspieler ihm in diesem Moment bieten kannst.

Robert Pattinson: Für mich war es eine unglaubliche Sache, bei diesem Projekt dabei zu sein. Ich bin ein grosser Fan von Nolans Filmen. Als Fan denkt man jedoch nie daran, dass man tatsächlich mal mit seinem Angebeteten zusammenarbeitet. Als ich die Gelegenheit bekam, fühlte sich das sehr schräg an, als wäre ich in einem anderen Universum. So kann man auch das Gefühl am Set sehr gut beschreiben: wie in einem anderen Universum.

John David Washington und Robert Pattinson in «Tenet»
John David Washington und Robert Pattinson in «Tenet» © Warner Bros. Ent. All Rights Reserved.

Die Sache mit der Höhenangst

OutNow: Wie war für dich die Arbeit am Set, John David? Du bist ja eigentlich in fast allen Szenen des Filmes.
John David Washington: Das Tolle an diesem Set war, dass man die Erlaubnis hatte, mal Dinge auszuprobieren und dabei auch mal scheitern durfte. Für mich selbst war es vor allem eine physisch recht anstrenge Zeit mit dem ganzen Stunt-Training und der Kampfchoreographie. Aber dank den Leuten und dem Arbeitsklima war man bereit, auf die Zähne zu beissen. In einer Szene musste ich zum Beispiel von einem Balkon springen. Dabei leide ich unter Höhenangst. Das war nicht gerade toll. Aber ich habe für die Kunst den Mut zusammengenommen.

OutNow: Wusste Christopher Nolan denn nicht über deine Höhenangst Bescheid?
John David Washington: Wenn man gefragt wird, ob man eine solche Szene drehen könne, sagt man einfach mal «ja» und zerbricht sich dann später den Kopf darüber (lacht). Aber Chris hatte sehr viel Geduld bei dieser Szene, worüber ich ihm sehr dankbar bin. Normalerweise nehme ich gerne Regie-Anweisungen entgegen, die meine Performance verbessern, doch am Drehabend dieser Szene wollte ich keine hören. Aber es ist trotzdem ganz gut gekommen (lacht).
Christopher Nolan: Ich habe einfach gedacht, dass du an diesem Abend keine Anweisungen entgegennehmen wolltest, weil du so fokussiert warst. Mir war gar nicht bewusst, dass du nicht schwindelfrei bist (lacht). Du hast das sehr gut verborgen. Es ist immer wunderbar zu sehen, wenn Schauspieler solche Herausforderungen annehmen und über sich hinauswachsen.

John David Washington und Robert Pattinson in «Tenet»
John David Washington und Robert Pattinson in «Tenet» © Warner Bros. Ent. All Rights Reserved.

Die Musik und der Atem von Nolan

Weil Komponist Hans Zimmer mit der Musik zu Denis Villeneuves Dune beschäftigt war, arbeitete Nolan bei Tenet zum ersten Mal mit Oscarpreisträger Ludwig Göransson (Black Panther) zusammen. Dabei wurde auch mal auf unkonventionelle Mittel zurückgegriffen.

OutNow: Wie war für dich als Komponist die Zusammenarbeit mit Christopher Nolan?
Ludwig Göransson: Ich hatte das Glück, dass ich das Skript schon recht früh zu lesen bekam und sechs Monate an der Musik arbeiten konnte, bevor die Dreharbeiten überhaupt begannen. Ich verstand, dass man das im Film noch nie gesehen hat, weshalb ich auch auf musikalischer Ebene etwas erschaffen wollte, das man noch nicht kennt. Dabei war ich ständig im Austausch mit Chris, selbst als er am Set war. Wir haben viel mit Gitarren experimentiert und die gespielten Töne mit unterschiedlichen Spielzeugen verändert. Zudem haben wir auch Umgebungsgeräusche und sogar menschliche verwendet. Viel von der Musik, die zu Kenneth Branaghs Bösewicht gehört, hat ihren Ursprung bei Chris Nolan, der bei mir im Studio in ein Mikrofon geatmet hat. Die Aufnahme habe ich dann so manipuliert, dass ein sehr unangenehmer Sound entstand.

Kenneth Branagh in «Tenet»
Kenneth Branagh in «Tenet» © Warner Bros. Ent. All Rights Reserved.

Christopher Nolan: Der Grund, warum ich von Ludwig schon recht früh erste Musik-Demos haben wollte, hat unter anderem damit zu tun, dass ich keine fremde Scores verwende, wenn ich einen Film schneide. Normalerweise legt man Musik aus anderen Filmen beim Schneideprozess über den eigenen und findet so heraus, welche Art Musik man vom Komponisten möchte. So wie wir vorgegangen sind, wirkt jedes Musikstück frischer und ähnelt nichts, was man schon vorher irgendwo gehört hat.

Tenet läuft seit dem 26. August 2020 in den Schweizer Kinos.

Zum ersten Teil des Interviews

Christoph Schelb [crs]

Christoph arbeitet seit 2008 für OutNow und leitet die Redaktion seit 2011. Er liebt die Filme von Christopher Nolan, die Festivals in Cannes und Toronto und kann nicht wirklich viel mit Jean-Luc Godard anfangen, was aber wohl auf Gegenseitigkeit beruht. Gewinner des Filmpodium-Filmbuff-Quiz 2019.

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