«Tenet»: Das grosse Interview mit Regisseur Christopher Nolan und seiner Crew, Teil 1

Wir hatten das Vergnügen, an einer Pressekonferenz zum neuen Nolan-Film teilzunehmen. Im ersten Teil unserer zweiteiligen «Tenet»-Interview-Reihe geht es um Inspirationen sowie um den grossen Aufwand.

John David Washington mit Christopher Nolan am Set von «Tenet» © Warner Bros.

Für Christopher Nolan würden wir Fans weit gehen. Wir wären sogar bereit, in den Flieger zu steigen, um mit ihm in Los Angeles ein Interview zu führen. Doch dies war im Falle von Tenet gar nicht nötig. In Zeiten von Covid-19 ist an 1:1-Interviews ausserhalb der Schweiz nämlich kaum zu denken, weshalb zu Tenet eine virtuelle Pressekonferenz organisiert wurde. Wie das aussieht? Stellt euch einfach einen Zoom-Call mit acht Teilnehmern vor, aber anstatt Arbeitskollegen befinden sich in den einzelnen Bildschirm-Fensterchen Regisseur Christopher Nolan, Produzentin Emma Thomas, die Darsteller John David Washington, Robert Pattinson, Elizabeth Debicki und Kenneth Branagh sowie Komponist Ludwig Göransson. Sie alle standen uns während 45 Minuten Rede und Antwort, wobei wir einige interessante Sachen über den elften Nolan-Film in Erfahrung bringen konnten.

Aufgrund der Länge der Pressekonferenz haben wir uns entschieden, das Ganze auf zwei Berichte aufzuteilen. Im ersten Teil kommen vornehmlich Christopher Nolan und seine Ehefrau Emma Thomas zu Wort. Sie berichten von den ersten Projekt-Schritten, sowie über einige Herausforderungen am Set.

Wegen Spoilern müsst ihr euch übrigens keine Sorgen machen. Alle an der Pressekonferenz getätigten Aussagen, welche das Filmvergnügen schmälern könnten, wurden nicht in den Text genommen.

Zeitkonzepte und Spionage-Thriller

OutNow: Chris, wie lange hast du die Ideen und Konzepte von Tenet mit dir herumgetragen?
Christopher Nolan: Gewisse Bilder und Objekte im Film habe ich schon seit Jahrzehnten im Kopf. Leute, die meine Filmographie kennen, werden einige Sachen wiedererkennen - wie die Pistolenkugel, die zurück in die Waffe geht, was wir schon in Memento hatten. Konkret habe ich an dem Skript zu Tenet die letzten sechs, sieben Jahre gearbeitet.

OutNow: Wie hat sich das Skript über die Jahre verändert?
Christopher Nolan: Ich hatte diese Ideen und Bilder im Kopf und wollte einen möglichst aufregenden Spionage-Thriller mit diesen erschaffen. Die grösste Herausforderung war dabei, das spezielle Zeitkonzept so mit dem Spionage-Genre zu verbinden, dass das Publikum einen möglichst wilden Ritt im Kino erlebt.

Nolan mit John David Washington am Set von «Tenet»
Nolan mit John David Washington am Set von «Tenet» © Warner Bros. Ent. All Rights Reserved.

OutNow: Was waren denn die Inspirationen zum Konzept, Objekte und Personen auch mal zeitlich rückwärts bewegen zu lassen?
Christopher Nolan: Beim Visuellen habe ich mich besonders von den Werken von M. C. Escher inspirieren lassen, wie zum Beispiel seiner Penrose-Treppe. Dies hat mich schon immer fasziniert.

OutNow: Du giltst als ein grosser Spionagefilm-Fan. Was war denn der erste Film dieser Art, den du gesehen hast?
Christopher Nolan: James Bond - The Spy Who Loved Me, den ich damals mit sieben Jahren zusammen mit meinem Vater im Kino gesehen habe. Den schaue ich mir auch heute immer noch sehr gerne an. Dabei werde ich jedes Mal in die Zeit zurückversetzt, als ich ihn zum ersten Mal sah und was ich dabei fühlte. Dieses Gefühl, dass alles möglich ist. Dieses versuche ich mit meinen eigenen Filmen zu vermitteln. Diese Magie von Filmen und was sie auslösen können und zu was sie im Stande sind, wie zum Beispiel im Bond-Film, wo das Auto plötzlich zum U-Boot wird.

Nolan mit John David Washington am Set von «Tenet»
Nolan mit John David Washington am Set von «Tenet» © Warner Bros. Ent. All Rights Reserved.

Der logistische Aufwand

Während Christopher Nolan der Mann mit dem Plan und den Ideen ist, braucht es jemand, der diese dann auch umsetzt. Dabei vertraut Nolan seit jeher auf seine Frau Emma Thomas, die bei allen seinen Filmen als Produzentin waltete und dafür zuständig ist, dass am Set alles reibungslos abläuft - obwohl das jeweils nicht ganz so einfach ist.

OutNow: Was war deine erste Reaktion als Chris dir das Tenet-Skript überreicht hat?
Emma Thomas: Ich bin immer ein bisschen nervös, wenn ich von ihm ein neues Skript in die Hand gedrückt bekomme. Denn es kann alles Mögliche sein. Ich versuche die Drehbücher jeweils zu lesen, als wären sie bereits verfilmt und versuche mir vorzustellen, was für Emotionen der Film beim Publikum auslösen wird. Das macht den ganzen Prozess viel einfacher, denn dann überlegst du nicht mehr so oft daran, wie man etwas umsetzt, sondern weiss stattdessen, wieso man es unbedingt umsetzen möchte. Keiner dieser Filme ist einfach zu machen, aber die Umsetzung ist jeweils immer ein grosser Spass.

«Tenet»
«Tenet» © Warner Bros. Ent. All Rights Reserved.

OutNow: Viel wurde darüber berichtet, dass ihr eine echte 747 für den Film gesprengt habt. Magst du diese Herausforderungen?
Emma Thomas: Rein vom Logistischen her brauchte diese Sequenz unglaublich viel Zeit. Wir haben an einem echten Flughafen gedreht, wo man normalerweise keine Flugzeuge in die Luft sprengt. Alleine die Genehmigung einzuholen, war herausfordernd. Aber wir hatten das Glück, mit einer sensationellen Crew zusammenzuarbeiten und zudem hat man uns an den jeweiligen Drehorten zwar nicht gerade mit offenen Armen, dafür immer freundlich empfangen. Man verstand überall, was unsere Absichten waren und alle wollten unbedingt ein Teil davon sein. Das hat sehr geholfen.

Kenneth Branagh: Ich finde es unglaublich, dass Emma selbst bei den grössten Actionszenen nie ihre Stimme erhoben hat, sondern immer ruhig und sachlich geblieben ist. Ich könnte das nicht. Sie ist eine wahre Magierin.

Tenet läuft ab dem 26. August 2020 in den Schweizer Kinos.

Zum zweiten Teil des Interviews

Christoph Schelb [crs]

Christoph arbeitet seit 2008 für OutNow und leitet die Redaktion seit 2011. Er liebt die Filme von Christopher Nolan, die Festivals in Cannes und Toronto und kann nicht wirklich viel mit Jean-Luc Godard anfangen, was aber wohl auf Gegenseitigkeit beruht. Gewinner des Filmpodium-Filmbuff-Quiz 2019.

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