Die Filme des Christopher Nolan: «Tenet»

Zum Abschluss unserer Nolan-Reihe schauen wir selbstverständlich auch auf sein neuestes Werk und verraten euch Dinge, die ihr vielleicht noch nicht zum Spionage-Thriller wusstet.

© Warner Bros.

Dieser Artikel ist Teil unserer grossen Christopher-Nolan-Retrospektive, in welcher wir jeden Film des Regisseurs etwas genauer beleuchten. Da Nolan in seinen Filmen gerne mit der Zeit spielt, unterteilen wir die zusammengetragenen Informationen nach der Produktionsphase («Vor dem Dreh», «Während des Drehs» und «Nach dem Dreh»), sagen euch, was für Verbindungen es mit den anderen Filmen des Regisseurs gibt und wo ihr euch den jeweiligen Film ansehen könnt.

Worum geht es?

Um die Welt vor dem Untergang zu bewahren, steht dem Protagonisten (John David Washington) nur ein einziges Wort zur Verfügung: Tenet. Seine Mission führt ihn in eine zwielichtige Welt der Spionage, in der die Gesetze der Zeit nicht zu gelten scheinen.

© Warner Bros. Ent. All Rights Reserved.

Vor dem Dreh

Keine Nolan-Filmschule

Normalerweise zeigt Nolan seiner Hauptcrew vor Beginn der Dreharbeiten alte Filme, von denen man sich inspirieren lassen sollte. Darauf wurde jedoch bei Tenet verzichtet. Stattdessen sollten sich Cast und Crew an das aufregende Gefühl erinnern, das man in jungen Jahren beim Schauen eines Spionagefilmes (wie zum Beispiel «James Bond») hatte. Dieses Gefühl will Nolan mit Tenet wieder erschaffen und nicht einfach Dinge kopieren, die man bereits anderswo gesehen hatte.

Kip returns

Nach Interstellar arbeitete Nolan auch bei diesem Film wieder mit Astrophysiker Kip Thorne zusammen. Thorne bekam das Skript zu lesen und hat Nolan bei einigen Konzepten geholfen, sodass die Geschichte auf glaubwürdiger Physik basiert. «Wir sagen nicht, dass dies im Film alles wissenschaftlich korrekt ist. Aber es basiert in etwa auf tatsächlicher Wissenschaft», so Nolan.

«Inception» als Vergleich

Mit Tenet drehte Nolan seinen ersten Spionage-Thriller - ein Genre, das den grossen James-Bond-Film-Fan schon länger reizt. «Ich bin mit Spionagefilmen aufgewachsen; es ist ein wirklich lustiges und aufregendes Genre. Aber ich wollte diese Art von Film nur machen, wenn ich das Gefühl hatte, dass ich etwas Neues dazu beitragen könnte. Um es vereinfacht zu sagen: Nachdem wir mit Inception frischen Wind in das Heist-Genre gebracht haben, wollen wir mit Tenet dies nun auch im Spionage-Genre vollbringen.»

© Warner Bros. Ent. All Rights Reserved.

Während des Drehs

Wenn einer sieben Reisen tut

Für die Dreharbeiten reiste der Cast und die Crew in sieben Länder: Estland, Italien, Indien, Dänemark, Norwegen, Grossbritannien und in die USA. Laut Nolan würde dieses Globetrotten der Story zu Gute kommen. «Die internationale Komponente von Tenet ist sehr wichtig. Denn im Film wird die ganze Welt, ja die Existenz überhaupt bedroht. Die in den unterschiedlichen Ländern stattfindenden Einsätze sind integraler Bestandteil des Dramas. Dieses globale Gefühl zu haben, ist entscheidend für den Rhythmus des Films sowie um das Ausmass des Ganzen zu realisieren.»

Hinderschi und fürschi

Da sich in Tenet einzelne Elemente auch mal in der Zeit zurück bewegen, musste Hauptdarsteller John David Washington (übrigens der Sohn von Denzel Washington) seine Kampfszenen vorwärts und rückwärts erlernen. Zwar brachte Washington aufgrund seiner Vergangenheit als Footballspieler schon einiges an Muskelkraft und Tempo mit, doch betrat er wie das gesamte Stuntteam Neuland. «Niemand hatte bisher so etwas gemacht. Wir mussten alle Bewegungen auswendig lernen und viel üben, um einen sauberen Fluss und Rhythmus hinzubekommen,» so der Schauspieler.

Echtes Flugzeug gesprengt

Für eine Szene mit einem explodierenden Flugzeug wollte Nolan zuerst mit Miniaturen arbeiten. Doch dann entdeckte die Crew im kalifornischen Victorville viele ausrangierte Flugzeuge. Es wurde entschieden, dass es effizienter wäre, von dort ein Flugzeug zu kaufen und es dann am Set in echt zu sprengen. So machten sie es dann auch.

© Warner Bros. Ent. All Rights Reserved.

Nach dem Dreh

Nicht so viel Arbeit für das Effekte-Team

Tenet besitzt laut mehreren Berichten gerade einmal 280 Einstellungen, bei denen Computereffekte zum Einsatz kamen. Zum Vergleich: The Dark Knight hatte 650, Inception etwa 500 und Dunkirk 429 mit CGI aufgemotzte Einstellungen. Nolan dreht am liebsten so viel es geht am Set und hilft nur ungern mit Effekten nach; auf Greenscreens verzichtet er komplett.

Nur wenige Einschränkungen wegen Covid-19

Das Coronavirus hat viele Filmarbeiten zum Stehen gebracht - jedoch war Tenet davon kaum betroffen. Die Arbeiten zur ersten Schnittfassung waren bereits vor dem Lockdown abgeschlossen. Weitere Schnittarbeiten wurden dann in Nolans Zuhause in Los Angeles vorgenommen, wo jeder Film des Regisseurs seit The Dark Knight fertig geschnitten wurde. Die Leute, welche am Film arbeiteten, mussten jedoch Masken tragen und das social distancing einhalten. Aufgrund des begrenzten Platzes musste jedoch die Crew von elf auf fünf Personen verkleinert werden. Auch bei den visuellen Effekten lief alles normal ab, denn Nolan arbeitet schon seit Jahren mit einem Studio in London zusammen, sodass die rein virtuelle Korrespondenz für beide Seiten keine Umstellung bedeutete.

Musik

Für den Score zu Tenet heuerte Nolan den Komponisten Ludwig Göransson (Oscar-Gewinn für Black Panther) an, der Hans Zimmer ersetzte, welcher mit der Musik zu Dune beschäftigt war. Eigentlich sollte die Musik von einem versammelten Orchester eingespielt werden, doch wegen des Lockdowns ging das nicht. Stattdessen nahmen die Musiker die Stücke im Home-Office auf und schickten das Material an Göransson, welcher die Musik anschliessend zusammensetzte.

© Warner Bros. Ent. All Rights Reserved.

Tenet im Nolan Cinematic Universe

- Nachdem er in Dunkirk nur zu hören war, sieht man Nolans Glücksbringer Michael Caine in Tenet mal wieder. Somit hat Caine nun schon in sieben von elf Filmen des Regisseurs mitgespielt. Eine Spezialbehandlung bekam der Schauspieler aber nicht: Er erhielt lediglich jene Seiten des Drehbuchs, in welchen er eine Rolle spielt. Das ganze Drehbuch bekam er nie zu Gesicht.

- Mit Martin Donovan kehrt in Tenet ein bekanntes Gesicht in das Nolan Cinematic Universe zurück. Der Schauspieler war bereits in Nolans Insomnia zu sehen - er spielte den Ermittler, der von Al Pacinos Figur erschossen wird. Im ersten Trailer zu Tenet ist es Donovans Figur, die John David Washingtons Protagonisten mitteilt: «All I have for you is a word: Tenet.»

Wo kann man den Film schauen?

Tenet läuft ab dem 26. August 2020 in den Schweizer Kinos.

© Warner Bros. Ent. All Rights Reserved.

Christoph Schelb [crs]

Christoph arbeitet seit 2008 für OutNow und leitet die Redaktion seit 2011. Er liebt die Filme von Christopher Nolan, die Festivals in Cannes und Toronto und kann nicht wirklich viel mit Jean-Luc Godard anfangen, was aber wohl auf Gegenseitigkeit beruht. Gewinner des Filmpodium-Filmbuff-Quiz 2019.

  1. Artikel
  2. Profil
  3. E-Mail
  4. Twitter
  5. Letterboxd
Teilen
Auf Facebook teilen  Auf Twitter teilen 
Datum
Quelle
OutNow
Thema