«Judas and the Black Messiah»: Unser Hintergrundbericht zum heisserwarteten Thriller-Drama

In dem Film wird die wahre Geschichte des Aktivisten Fred Hampton und des FBI-Informanten William O'Neil erzählt. Wir nennen euch die Hintergründe und haben mit den Machern des Filmes gesprochen.

© Warner Bros.

Wow, war das ein starker Trailer! Nicht nur wir waren begeistert von der ersten Vorschau zum Thriller-Drama "Judas and Black Messiah". Über das Wochenende wurde der Trailer millionfach angeklickt, geteilt und darüber diskutiert. Somit ist «JATBM» - neben Tenet natürlich - der meistbesprochene Film der letzten Tage. Wir werfen einen Blick hinter die Kulissen und sagen euch, was es mit der Geschichte auf sich hat. Zudem hatten wir das Vergnügen, an einer virtuellen Pressekonferenz zum Film teilzunehmen, an der Regisseur Shaka King, die Produzenten Ryan Coogler (Black Panther) und Charles D. King sowie Fred Hampton Jr. zugegen waren.

Der geschichtliche Hintergrund

In Judas and the Black Messiah wird die wahre Geschichte des Bürgerrechtlers Fred Hampton erzählt, welcher ein Aktivist der «Black Panther Party» war und mit 20 Jahren den Chicagoer Ortsverband gründete. Schnell geriet Hampton ins Visier des staatlichen Aufstandsbekämpfungsprogrammes COINTELPRO, da man in ihm eine Bedrohung sah. Vom FBI wurde dann der straffällig gewordene Afroamerikaner William O'Neal als Informant eingeschleust, welcher Hampton dann letztendlich verriet.

Während in den USA viele schon von Fred Hampton und dessen Tod gehört haben, weiss man diesbezüglich in unseren Breitengraden eher weniger Bescheid. Doch genau dies möchten die Macher dieses Filmes ändern. Laut Produzent Charles D. King wolle man hier eine Geschichte erzählen, über welche die Leute auf dieser Welt Bescheid wissen sollten. «Dies ist eine globale Geschichte. Unterdrückung gibt es überall», so King. Seine Produktionsfirma MACRO verfolgt schon seit mehr als fünf Jahren das Ziel, afroamerikanische Storys zu erzählen, die im Idealfall Brücken für mehr Verständnis schlagen sollen. Zuvor hat MACRO bereits die eindrücklichen Dramen Fences und Just Mercy produziert.

«Just Mercy»
«Just Mercy» © Warner Bros. Ent. All Rights Reserved.

Eine Geschichte über zwei Männer

Wie der Titel schon deutlich macht, ist Judas and the Black Messiah nicht etwa ein gewöhnliches Biopic über Fred Hampton. Mit dem Ziel einen lehrreichen, aber auch unterhaltsamen Film zu schaffen, wollten die Drehbuchautorenbrüder Kenneth und Keith Lucas auch den FBI-Informanten William O'Neal ins Zentrum der Erzählung rücken. Regisseur Shaka King erklärt: "Als die Lucas-Brüder mir von ihrem Drehbuch erzählen, kannte ich zwar Fred Hampton, aber ich wusste nichts über O'Neal. Der Film soll auch Aufschluss darüber geben, wie jemand wie O'Neal sowas tun kann.»

Produzent Charles D. King ergänzt: «William O'Neal war ein Opportunist und Kapitalist, der zum FBI-Informanten wurde. Die Informationen, die er mit dem FBI teilte, wurden dafür verwendet, um Fred Hampton zu töten. Im Film wird man die Komplexität sehen und was für ein Mann er ist. Man wird dabei viele Parallelen zu heute sehen und wie Leute vom System manipuliert werden.»

Der echte Fred Hampton

Doch natürlich geht es in dem Film auch um Fred Hampton selbst. «Hampton war ein Revolutionär, ein Diener des Volkes, er war ein Black Panther. Er wusste, dass man für Frieden einen hohen Preis bezahlen muss - und er war gewillt, diesen zu bezahlen», so beschreibt Fred Hampton jr. seinen Vater.

Regisseur Shaka King ergänzt: «Fred Hampton war, als er starb, gerade einmal 21 Jahre alt. Trotzdem hatte er diese Gravitas und diese Reife, dass man das Gefühl hatte, dass da eine alte Seele in einem jungen Körper steckt. Vor allem, wenn man sich Reden von ihm anhört, merkt man, wie intelligent er war, aber trotzdem diese jugendliche Schlagfertigkeit besass.»

Dass Shaka King mit Daniel Kaluuya einen Mann aus Grossbritannien für die Rolle des bekannten US-afroamerikanischen Aktivisten gewählt hat, bereitet ihm dabei keine Kopfschmerzen: «Man bekommt die ganze Debatte natürlich mit. Wir Schwarzen sind auf der ganzen Welt verteilt, doch haben wir aufgrund unserer Erfahrungen mehr gemeinsam als wir denken. Die Black-Panther-Bewegung gab es nicht nur in den USA, sondern war eine internationale Organisation. Von dem her denke ich nicht, dass die Verpflichtung von Daniel Kaluuya ein Problem darstellt.»

Neben Daniel Kaluuya und Lakeith Stanfield spielen in dem Film weiter Jesse Plemons, Lil Rel Howery, Ashton Sanders und Martin Sheen mit. Judas and the Black Messiah hat noch keinen Starttermin, doch soll er im nächsten Jahr in die Kinos kommen.

© 2020 Warner Bros. Entertainment Inc. All Rights Reserved

Christoph Schelb [crs]

Christoph arbeitet seit 2008 für OutNow und leitet die Redaktion seit 2011. Er liebt die Filme von Christopher Nolan, die Festivals in Cannes und Toronto und kann nicht wirklich viel mit Jean-Luc Godard anfangen, was aber wohl auf Gegenseitigkeit beruht. Gewinner des Filmpodium-Filmbuff-Quiz 2019.

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