Warrior Nun - Staffel 1 Review

In der Netflix-Serie wird Ava unfreiwillig zur Anführerin einer Einheit kampferprobter Nonnen. Darauf hat sie aber überhaupt keine Lust. Doch bald bemerkt sie eine Verschwörung in Zentrum der Kirche.

© Netflix

Worum geht's?

Die junge Ava (Alba Baptista) stirbt in ihrem Krankenbett. Im Leichenschauhaus, in dem sie beigesetzt werden soll, bricht ein Krieg zwischen Himmel und Hölle aus. Die lokalen Warrior Nuns, eine Einheit gottgesegneter Kämpferinnen, müssen sich den anstürmenden Dämonen stellen. Dabei kommt die Anführerin Schwester Shannon (Melina Matthews) ums Leben. Der Heiligenschein, den sie in ihrem Rücken trägt, muss vor den Dämonen geschützt werden. So wird er kurzerhand in Ava versteckt - die aus ihrem Totenschlaf erwacht und vor lauter Verwirrung flüchtet.

Schnell stellt sie fest, dass sie übermenschliche Kräfte hat. Sie ist unglaublich stark, heilt sich innert Sekunden und kann sogar durch Wände gehen. Dank diesen neugefundenen Kräften kann sie zum ersten Mal seit Jahren wieder laufen - und läuft dem attraktiven JC (Emilio Sakraya) und seiner Crew in die Arme. Diese zieht von der reichen Zweitwohnung zur nächsten und verbringt ihre Zeit auf Partys. Für Ava eine völlig neue Welt. Die andere neue Welt, gegen die sie sich aktiv wehrt, ist die der Nonnen. Die Truppe um die toughe Shotgun Mary (Toya Turner) und eifersüchtige Schwester Lilith (Lorena Andrea) macht sich auf die Suche nach der Flüchtigen.

Party-Time!
Party-Time! © Netflix

Was ist cool?

Cooler kann eine Prämisse kaum klingen: Nonnen bekämpfen Damönen mit Schrotflinten, Schwertern, Shurikens und blossen Händen. Warrior Nun basiert auf dem kanadischen Manga «Warrior Nun Areala» von 1994 und adaptiert diesen mit neuen und neu interpretierten Figuren. So ist Ava eine frisch kreierte Figur für die Netflix-Serie. Sie ist definitiv eines der Highlights zwischen viel Füller und diversen Lowlights.

Die Portugiesin Alba Baptista trägt die Serie mit Witz und Charme über längere Strecken praktisch allein, den Smirk kriegt man ihr kaum vom Gesicht. Ihre sarkastische Art ist durchwegs sympathisch, aber teilweise etwas fehl am Platz. Die Crew, die sie um sich schart, überzeugt ebenfalls. Love Interest JC ist total liebenswürdig, die Nonnengruppe um die endlos coole Shotgun Mary weiss auch zu gefallen. Einzig der lokale Priester Vincente spricht mit so starkem spanischen Akzent, dass vieles auswendig gelernt wirkt. Dafür ist auch er sehr cool.

Visuell ist Warrior Nun solid. Die Dämonen kommen zwar nur selten richtig vor, aber ihr techno-metallischer Look passt. Und wer schöne Aufnahmen von Kathedralen und andalusischen Landschaften mag, ist ebenfalls bedient. Schade, wird im Score nicht mehr auf Kirchenchöre gesetzt, diese kommen zu selten durch. An gewissen Stellen ist die Musikwahl dafür katastrophal. Der Papst betritt sein Vatikan-Büro zum ersten Mal zu einem fetzigen Rocksong, was schlichtweg nicht funktioniert. Oft versucht die Serie zu krankhaft, cool zu sein, was nicht immer gelingt.

Was ist schlecht?

Die erste Staffel von Warrior Nun scheitert schlussendlich nämlich grandios am Drehbuch. Die Figuren funktionieren vor allem wegen dem Charisma der Darstellerinnen. Sie müssen aber gelegentlich haarsträubend schlechte Dialoge und One-Liner von sich geben. Einen richtigen Fokus hat die Staffel auch nicht und bis zur Hälfte passiert kaum etwas von Relevanz. Kaum Charakterentwicklung, kaum Plot, kaum Geschichte. Dann scheint das Tempo bis zum Schluss erhöht zu werden. Da zu Beginn aber unnötig Zeit versäumt wurde, muss dies mit seltsamen Storyabkürzungen und Vergessen von aufgesetzten Strängen kompensiert werden. Einige dieser Stränge könnten in einer zweiten Staffel wieder aufgenommen werden. Diese ist zur Zeit der Review aber weder geschrieben, geschweige denn überhaupt bestätigt.

Und da kommen wir zu einem riesige Problem von Warrior Nun: Die Staffel ist nicht fertig. Die letzte Folge endet mittendrin und es wirkt, als würde mindestens eine Folge fehlen. Das ist kein Cliffhanger mehr, da wird der Zuschauer mit voller Absicht und voller Wucht die Klippe hinuntergeworfen. Dabei handelt es sich um reines Kalkül von Netflix. Wenn sie mit solchen «Cliffhangern» enden, ist die Chance, dass man für eine zweite Staffel sein Abo erneuert und am besten bis dahin andere ansprechende Serien und Filme gefunden. Ökonomisch mag das klug sein, für die Dramaturgie ist diese Strategie reines Gift. Schade, denn die Serie hätte sonst ganz gut unterhalten.

Wie lautet unser Fazit?

Warrior Nun lässt sich vor allem von seinem Ensemble tragen. Die Protagonistinnen überzeugen allesamt mit Charme und Spiellust. Auch visuell kann sich die erste Staffel der Netflix-Serie sehen lassen. Schade wird die coole Prämisse mit einem subparen Drehbuch verschleudert. Während die erste Hälfte vor sich hin mäandert, muss die zweite einige aufgesetzte Stränge halbpatzig abschliessen oder gar ganz streichen. Und dass beim Skript die letzten paar Dutzend Seiten zu fehlen scheinen, ist ebenfalls mühsam. So empfehlen wir das Abwarten einer zweiten Staffel oder mindestens deren Bestätigung.

3.5 von 6 Sternen

Nicolas Nater [nna]

Nicolas schreibt seit 2013 für OutNow. Er moderiert seit 2017 zusammen mit Marco Albini den OutCast. Ausser für Geisterbahn-Horrorfilme, überlange Dramen und Souls-Games ist er filmisch wie spielerisch für ziemlich alles zu haben. Ihm wird aber regelmässig vorgeworfen, er hätte nichts gesehen.

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OutNow