Die Filme des Christopher Nolan: «The Dark Knight»

Seit dem Release der Fortsetzung von «Batman Begins» kann Christopher Nolan machen, was er will. Wir schauen auf eine der besten Comic-Adaptionen aller Zeiten - wenn nicht sogar die beste.

© 2008 Warner Bros. Ent. / TM & © DC Comics

Dieser Artikel ist Teil unserer grossen Christopher-Nolan-Retrospektive, in welcher wir jeden Film des Regisseurs etwas genauer beleuchten. Da Nolan in seinen Filmen gerne mit der Zeit spielt, unterteilen wir die zusammengetragenen Informationen nach der Produktionsphase («Vor dem Dreh», «Während des Drehs» und «Nach dem Dreh»), sagen euch, was für Verbindungen es mit den anderen Filmen des Regisseurs gibt und wo ihr euch den jeweiligen Film ansehen könnt.

Worum geht es?

Staatsanwalt Harvey Dent (Aaron Eckhart) will gegen das Verbrechen in Gotham City hart durchgreifen. Seine Entschlossenheit und Integrität machen grossen Eindruck auf Bruce Wayne alias Batman (Christian Bale), der in ihn all seine Hoffnung steckt, um vielleicht schon bald den Umhang an den Nagel hängen und ins Privatleben zurückziehen zu können. Doch mit einem Gegenspieler haben beide nicht gerechnet. Der Joker mit dem Clownsgesicht (Heath Ledger) scheint überhaupt keine Hemmungen zu haben. Er will vor allem eines: Chaos stiften.

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Vor dem Dreh

Inspiration und Drehbuch

Batman Begins, The Dark Knight und The Dark Knight Rises wurden vom Drehbuch- und Comic-Autor David S. Goyer (Man of Steel, Blade: Trinity) von Anfang an als Trilogie konzipiert. Als Hauptinspirationsquelle nennt Goyer die Comic-Reihe «Batman: The Long Halloween», die zwischen 1995 und 1997 erschien und in der die Figuren des Joker und des Staatsanwalts Harvey Dent als Gegenspieler von Batman eingeführt werden.

Interessant ist, dass offenbar nicht von Anfang an Nolan als Regisseur aller drei Filme feststand. Nach dem Erfolg von Batman Begins erhielt er aber den Zuschlag und adaptierte die Geschichte von Goyer mit seinem Bruder Jonathan für das Drehbuch. Für die Konzeption der Joker-Figur sollte sich Jonathan an den Bösewicht aus Das Testament des Dr. Mabuse von Fritz Lang orientieren. Als eigene filmische Inspiration nennt Nolan zudem den Film Heat von Michael Mann.

Inspirationsquellen

Den Zuschlag für Batman Begins erhielt Nolan im Januar 2003. Neben der Regie durfte Nolan auch das Drehbuch schreiben, wobei ihm der Comicexperte David S. Goyer (drehte selbst Blade: Trinity) zur Seite gestellt wurde. Nolan beklagte sich, dass die früheren Batman-Filme vor allem Style-Übungen waren, die das Drama vernachlässigten. Zudem hatte man bisher nie Bruce Waynes «Batman-Werdung» auf der Leinwand gesehen. Nolan wollte vor allem auf die Karten Realismus und Menschlichkeit setzen und ein Epos schaffen, wobei ihm Filme wie Blade Runner, Superman und Lawrence of Arabia als Inspiration dienten. Bevor der Dreh begann, organisierte Nolan ein Privatscreening von Blade Runner und sagte am Ende den Anwesenden, dass er sich genau so seinen Batman-Film vorstelle.

Die Besetzung

Bei der Rollenverteilung gab es einige Variablen und Umverteilungen, bevor es zur definitiven Besetzung kam. Christian Bale soll gleich für alle drei Teile des Batman-Stoffes verpflichtet worden sein, genauso wie Michael Caine, Gary Oldman und Morgan Freeman. Doch für die Rollen des Harvey Dent und des Joker gab es mehrere Anwärter.

Für die Verkörperung des Staatsanwalts Harvey Dent waren Matt Damon, Mark Ruffalo und Hugh Jackman im Gespräch. Schliesslich ging die Rollean Aaron Eckhart, den Nolan bereits für die Hauptrolle in Memento im Auge hatte. Es soll die herausragende Leistung von Eckhart - einem bis dahin unter Wert eingesetzten Schauspieler - in Thank you for smoking gewesen sein, die Nolan beeindruckt habe.

Ähnlich verhält es sich mit Heath Ledger, der sich für die Rolle des Jokers durchsetzt hat. Konkurrenz hatte Ledger niemand Geringeres als beispielsweise Robin Williams, Paul Bettany, Adrien Brody, Steve Carell und Lachy Hulme. Der Joker sollte die Rolle sein, mit der Ledger in die Filmgeschichte eingehen würde.

Vorbereitung auf den Joker

Um sich auf die Rolle des Joker vorzubereiten, liess sich Heath Ledger einen Monat alleine in einem Hotelzimmer nieder. Dort probte er die Figur und schrieb ein Tagebuch aus der Sicht der Figur.

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Während des Drehs

Dreh in Chicago und London, Einwohner schlagen Alarm

Der Hauptanteil der Dreharbeiten fand in Chicago statt; insgesamt wurde 13 Wochen lang gedreht. Einzelne Teile des Films wurden in Hong Kong und in London aufgenommen. Sowohl in London als auch in Chicago meldeten sich Einwohner bei der Polizei, weil sie wegen der lauten Dreharbeiten mit Explosionen befürchteten, es habe Terroranschläge gegeben.

Ton vor Bild

Die Musik für den Film verantworten Hans Zimmer und James Newton Howard. Sie boten Nolan über 10 Sunden Tonaufnahmen an, von denen er sich während des Drehs des Films inspirieren lassen konnte. Zu einem der Schlüsselstücke wurde «Why So Serious?», das neun Minuten dauert und die Figur des Joker untermalen sollte. Während sich Zimmer mehr um Joker kümmerte, befasste sich Howard mit den Stücken, die den Charakter von Harvey Dent unterstreichen sollten.

Bale und seine Stunts

Einen Teil seiner Stunts führte Christian Bale als Batman selbst durch. Er lernte zu kämpfen nach der sogenannten Keysi-Methode.

Tödlicher Stunt

Der Kameramann Conway Wickliffe kam während der Dreharbeiten zum Film in einer Actionsszene ums Leben. Wickliffe und Ledger ist der Film gewidmet worden.

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Nach dem Dreh

Erfolgreichster Film des Jahres

The Dark Knight war bezüglich Ticketeinnahmen der erfolgreichste Film des Jahres 2008. Er spielte weltweit über eine Milliarde US-Dollar ein.

WhySoSerious.com

Um den Film zu vermarkten wurde auf der Internetseite «WhySoSerious.com» ein fiktiver Wahlkampf des Staatsanwalts Harvey Dent inszeniert. Die Fans konnten sich zudem an mehreren Schnitzeljagden beteiligen, die je nach Station und gelöster Aufgabe online Teile und Seiten des Jokers enthüllten.

Awards

Der Film erhielt zahlreiche Nominierungen für verschiedene Filmpreise und eine hohe Anzahl an positiven Kritiken bei Zuschauern und Kritikern. Zu den wichtigsten gewonnen Preisen zählen der «Best Sound Editing»-Oscar (an Richard King) und vor allem das Goldmännchen für die besten tragende Nebenrolle, das posthum an Heath Ledger ging.

Tod von Heath Ledger

Nur wenige Monate nach dem Abschluss der Dreharbeiten und etwa sechs Monate vor der Veröffentlichung des Films starb Ledger an einer Drogenüberdosis. Seine Darstellung verlieh im Kultstatus, sodass seither jede nachfolgende Interpretation des Joker an Ledger gemessen wird.

Inspiration für andere Filmautoren

Sam Mendes behauptet, dass ihn The Dark Knight dazu motiviert habe, Skyfall nicht nur als unterhaltsamen Blockbuster anzusehen, sondern den Film auch dafür zu nutzen, Kritik an unserer Gesellschaft zu üben. Ryan Coogler habe sich von der Darstellung von Gotham City für seinen Black Panther inspirieren lassen.

Vorbild für eine Generation von Superheldenfilmen

Man geht davon aus, dass The Dark Knight einer Generation von Superheldenfilmen, insbesondere aus dem Marvel-Universum, den Weg geebnet hat. Er zeigte, dass es möglich sei, damit politisch Stellung zu beziehen und gleichzeitig künstlerisch anspruchsvoll vorzugehen.

Hinweise auf US-Verschwörungstheorien

Einmal verlässt der Film die strikte Bildwelt des Comics, um einen ironischen Hinweis auf die US-amerikanische Realität zu geben. Fast unkommentiert und nur im Vorbeigehen fängt der Film die Pinnwand im Polizeirevier ein, auf der die Beamten über die wahre Identität von Batman spekulieren. Zu den Bildern der möglichen Verdächtigen gehören Abraham Lincoln und Elvis Presley.

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The Dark Knight im Nolan Cinematic Universe

Nolan wollte Teile des Films, wie zum Beispiel die Anfangsszene mit dem Bankraub, mit einer 70-mm-IMAX-Kamera drehen. Obwohl diese Kameras schwerer, grösser, lauter und teurer als 35-mm-Kameras sind, setzte er sich durch und es entstanden insgesamt 28 Minuten Filmmaterial im IMAX-Format. Mit Ausnahme von Inception hatten nach The Dark Knight alle Nolan-Filme Szenen im IMAX-Format.

Wo kann man den Film schauen?

The Dark Knight ist auf DVD, Blu-ray sowie VoD erhältlich und kann momentan auch auf Netflix gestreamt werden.

© Warner Bros; TM & © DC Comics

Teresa Vena [ter]

Alles begann bei Teresa damit, dass sie, noch viel zu jung dafür, ihren Vater überzeugen konnte, «Gremlins» im Fernsehen schauen zu dürfen. Seitdem gehört absurder Humor und Spannung zu jedem guten Film dazu. Kino aus Asien und Lateinamerika, aber auch aus der Schweiz sind ihre Steckenpferde.

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