Universal plant, exklusives Kinofenster auf 17 Tage zu kürzen

Momentan bleibt wegen des Coronavirus in der Filmbranche kein Stein auf dem anderen. Nun beabsichtigt das Hollywood-Studio Universal, Kinofilme noch viel früher als sonst als VoD anzubieten.

«Fast & Furious 9» © Universal Pictures International Switzerland

Zu sagen, dass die Filmbranche momentan turbulente Zeiten durchlebt, wäre eine massive Untertreibung. Die grossen Studios halten ihre fertigen Grossproduktionen zurück, bis die Corona-Sache ausgestanden ist, vielerorts mussten Dreharbeiten gestoppt werden, und die Kinos selbst haben mit heftigem Zuschauerschwund zu kämpfen.

Letztere sahen es deshalb gar nicht gern, als Universal im März 2020 bekanntgab, dass man Blockbuster wie Trolls: World Tour und The Hunt nicht wie geplant in die Kinos bringen, sondern direkt als Video on Demand anbieten werde. Universal-Chef Jeff Shell äusserste sich zudem, dass man sich vorstellen könne, in Zukunft Filme zeitgleich im Kino und als VoD zu lancieren.

Vor allem die grosse Kinokette AMC war über diese Pläne äusserst empört und gab bekannt, dass sie zukünftig keine Filme von Universal mehr in ihren Sälen zeigen wird. Da Universal jedoch das Studio hinter kommenden Blockbustern wie Fast & Furious 9 und Minions 2 ist, war es nur eine Frage der Zeit, bis sich die Streithähne an einen Tisch setzen würden. Was dann jedoch an diesem Tisch beschlossen wurde, sorgt für jede Menge Aufsehen.

«Minions: The Rise of Gru»
«Minions: The Rise of Gru» © Universal Pictures International Switzerland. All Rights Reserved.

Universal wird in Zukunft das Recht haben, seine Filme bereits 17 Tage nach dem Kinostart als «Premium Video on Demand» anzubieten. «Premium VoD» bedeutet, dass die Filme einzeln für einen festgeschriebenen Preis bei Anbietern wie Google oder iTunes für einen kurzen Zeitraum gemietet werden können. Für Trolls: World Tour lag der Preis in der Schweiz zum Beispiel bei 20 Franken. Ganz wichtig: Netflix bietet momentan kein «Premium-VoD» an, da man beim Streaming-Gigant keine einzelnen Filme mieten kann, sondern das Businessmodell mit Monatsabos funktioniert, mit denen man unlimitiert Serien und Filme streamen kann.

Mit diesem Deal verkleinert Universal das exklusive Kinofenster massiv. Bisher konnte man Kinofilme erst 70 bis 90 Tage nach dem Kinostart als Video on Demand streamen. Wer die Filme vor diesen 70 bis 90 Tagen sehen wollte, musste ins Kino gehen, was natürlich im Sinn der Lichtspielhäuser war. Nun sollen es also nur noch 17 Tage sein.

Warum aber genau 17 und nicht 14 Tage? Dies hat mit den Kinostarts in den USA zu tun, die jeweils am Freitag sind. Mit 17 Tagen können drei Wochenenden abgedeckt werden. Es soll aber Universal überlassen sein, ob man die Filme dann auch wirklich nach 17 Tagen als Premium VoD veröffentlichen wird. Für kleinere Filme wie zum Beispiel das Drama Never Rarely Sometimes Always der Universal-Tochterfirma Focus Features würde man dies wohl eher machen als für einen Blockbuster wie Jurassic World: Dominion, der auch nach 17 Tagen nach dem Start immer noch genug Geld in die Kinokassen spült.

«Never Rarely Sometimes Always»
«Never Rarely Sometimes Always» © Universal Pictures International Switzerland. All Rights Reserved.

Doch wieso sollte die Kinokette AMC einem solchen Deal zustimmen? Ganz einfach: Laut Hollywood Reporter soll AMC 10 Prozent von jeder VoD-Filmmiete erhalten. AMC wurde von der Corona-Pandemie hart getroffen und war kurz davor, Konkurs anzumelden. Mit dieser Vereinbarung hofft AMC, für die Zukunft gerüstet zu sein - auch weil die Kinokette verspricht, nun doch wieder Universal-Filme in ihren Kinos zu zeigen.

Dieser Deal wurde vorerst nur für den US-Markt und nur zwischen Universal und AMC abgeschlossen. In den kommenden Wochen möchte sich Universal die Sache auch in Europa ansehen, wo AMC ebenfalls Kinos betreibt, darunter in England, Deutschland und Spanien. Es bleibt abzuwarten, was die anderen grossen Studios (Disney, Warner Bros., Sony Pictures, Paramount) und Kinoketten machen werden. Eines scheint sicher: Die Film- und Kinobranche wird sich in den kommenden Jahren deutlich verändern.

Christoph Schelb [crs]

Christoph arbeitet seit 2008 für OutNow und leitet die Redaktion seit 2011. Er liebt die Filme von Christopher Nolan, die Festivals in Cannes und Toronto und kann nicht wirklich viel mit Jean-Luc Godard anfangen, was aber wohl auf Gegenseitigkeit beruht. Gewinner des Filmpodium-Filmbuff-Quiz 2019.

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Hollywood Reporter
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