Die Filme des Christopher Nolan: «The Prestige»

Hokus Pokus Fidibus: Nach «Batman Begins» tauchte Nolan in die Welt der Magier ein und drehte einen faszinierenden Thriller, der auf dem gleichnamigen Roman von Christopher Priest basiert.

© Warner Bros.

Dieser Artikel ist Teil unserer grossen Christopher-Nolan-Retrospektive, in welcher wir jeden Film des Regisseurs etwas genauer beleuchten. Da Nolan in seinen Filmen gerne mit der Zeit spielt, unterteilen wir die zusammengetragenen Informationen nach der Produktionsphase («Vor dem Dreh», «Während des Drehs» und «Nach dem Dreh»), sagen euch, was für Verbindungen es mit den anderen Filmen des Regisseurs gibt und wo ihr euch den jeweiligen Film ansehen könnt.

Worum geht es?

Ende des 19. Jahrhunderts versuchen die beiden Zauberer Robert Angier (Hugh Jackman) und Alfred Borden (Christian Bale) mit ihren Tricks den jeweils anderen zu übertreffen. Was als freundschaftlicher Wettstreit beginnt, nimmt nach einem schrecklichen Unfall immer düstere und gefährlichere Züge an.

© Warner Bros.

Vor dem Dreh

Schon länger auf der To-Do-Liste

Mit The Prestige beschäftigte sich Nolan nicht erst seit der Fertigstellung von Batman Begins, sondern schon bevor Memento in die Kinos kam. Der Autor der Buchvorlage, Christopher Priest, verhandelte im Jahr 2000 mit Regisseur Sam Mendes, der «The Prestige» als Nachfolgeprojekt zu seinem Oscar-Gewinner American Beauty inszenieren wollte. Doch nachdem Priest eine VHS-Kopie von Nolans Debüt Following gesehen hatte, entschied er sich für den damals unbekannteren Regisseur.

Es dauerte

Ab 2001 arbeitete Christopher Nolan mit seinem Bruder Jonathan während einer Zeitspanne von fünf Jahren immer mal wieder am Skript zu The Prestige. Die grösste Herausforderung war dabei, die Struktur hinzubekommen. Das aus drei Akten bestehende Drehbuch sollte so strukturiert werden, dass es den drei Teilen eines Zaubertricks entsprach: «The Pledge» (das Thema), «The Turn» (der Effekt) und «The Prestige» (das Finale oder «Prestigio»). In der Buchvorlage war dies zwar so umgesetzt, doch mussten die Nolan-Brüder cineastische Wege finden, um diese Struktur aufzugreifen.

Casting

Bevor Hugh Jackman die Rolle des Robert Angier bekam, war Josh Harnett im Gespräch für die Rolle. Als schwierig stellte sich die Verpflichtung von David Bowie heraus. Bowie sollte Nicolas Tesla spielen, doch lehnte der Musiksuperstar die Rolle zunächst ab. Nolan stieg daraufhin in den Flieger, um Bowie zu treffen. Weil Bowie laut Nolan ebenfalls «larger than life» sei, könne nur der Musiker die Sache mit dem Teleportationsgerät überzeugend rüberbringen. Nach dieser Erklärung sagte Bowie zu.

© Warner Bros.

Während des Drehs

Familienbetrieb

Der Säugling von Alfred Borden (Christian Bale) wurde von einem der Kinder von Christopher Nolan und seiner Frau und Produzentin Emma Thomas gespielt.

Genug von Setbauten

Wurden für Batman Begins noch jede Menge Sets aus dem Boden gestampft, hielt man sich bei The Prestige diesbezüglich zurück. Gerade einmal ein einziges Set wurde speziell für den Film erbaut. Es handelt sich dabei um das Kellergeschoss, das sich unterhalb von Angiers Bühne befindet und wo er seine ganze Technik lagert. Der Rest von The Prestige wurde an bereits existierenden Schauplätzen gedreht, wobei die Setdekoratoren vor allem mit dem Verkleiden der Fassaden beschäftigt waren, damit die Gebäude wie vor 100 Jahren aussahen.

Magischer Ricky Jay

An einem Set zu einem Film über Magier darf natürlich auch kein echter Zauberkünstler fehlen. Diesen gab es in der Form von Ricky Jay, welcher auch die Rolle des Magiers Milton spielte. In den Drehpausen half Jay den Hauptdarstellern Jackman und Bale bei der Verbesserung ihrer Fingerfertigkeit. Zudem wusste Jay auch einiges über Rivalitäten zwischen Magiern zu berichten: Jay kritisierte mal David Copperfields Zaubermuseum und bekam daraufhin dort Hausverbot.

© Warner Bros.

Nach dem Dreh

Jump around, jump around

Die Schnittarbeit stellte sich als äusserst anspruchsvoll heraus. The Prestige kommt auf unglaubliche 146 Zeitsprünge - mal geht es in der Zeitachse nach vorne, mal zurück. So springt The Prestige fast jede Minute hin und her und kann auch deshalb seine vielen Twists sehr gut geheimhalten.

Not quite rotten

The Prestige war zu Zeiten seines Releases der von den Kritikern am schlechtesten bewertete Film von Christopher Nolan. Auf Rotten Tomatoes kommt der Film auch heute noch auf «nur» 76% positive Kritikerstimmen. Inzwischen wurde der Film aber von Interstellar abgelöst - der Sci-Fi-Film von 2014 kommt auf 72%. Auch das Publikum hatte zu Beginn Mühe mit The Prestige - mitunter weil es nach Batman Begins was anderes erwartet hatte. Inzwischen gehört der Film von 2006 aber zu den beliebstesten des Regisseurs und ist auf der IMDB-250 auf Platz 47 gelistet.

© Warner Bros.

The Prestige im Nolan Cinematic Universe

- Wie Following und zuvor Memento wird auch The Prestige nicht chronologisch erzählt.

- Christian Bales Magier besitzt im Film eine Münze, die auf beiden Seiten das gleiche Symbol zeigt: einen Kopf. Dieselbe Art Münze besitzt auch Harvey Dent in The Dark Knight.

Wo kann man den Film schauen?

The Prestige ist auf DVD, Blu-ray sowie VoD erhältlich und kann momentan auch auf Netflix gestreamt werden.

© Touchstone Pictures

Christoph Schelb [crs]

Christoph arbeitet seit 2008 für OutNow und leitet die Redaktion seit 2011. Er liebt die Filme von Christopher Nolan, die Festivals in Cannes und Toronto und kann nicht wirklich viel mit Jean-Luc Godard anfangen, was aber wohl auf Gegenseitigkeit beruht. Gewinner des Filmpodium-Filmbuff-Quiz 2019.

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OutNow