Die Filme des Christopher Nolan: «Insomnia»

«Memento» war für Nolan der Durchbruch. Doch trotzdem wollte das Studio Warner Bros. dem damaligen 32-jährigen keinen teuren Thriller anvertrauen - bis Steven Soderbergh auf den Tisch haute.

© Warner Bros.

Dieser Artikel ist Teil unserer grossen Christopher-Nolan-Retrospektive, in welcher wir jeden Film des Regisseurs etwas genauer beleuchten. Da Nolan in seinen Filmen gerne mit der Zeit spielt, unterteilen wir die zusammengetragenen Informationen nach der Produktionsphase («Vor dem Dreh», «Während des Drehs» und «Nach dem Dreh»), sagen euch, was für Verbindungen es mit den anderen Filmen des Regisseurs gibt und wo ihr euch den jeweiligen Film ansehen könnt.

Worum geht es?

Ermittler Will Dormer (Al Pacino) ist auf seinem Gebiet eine Legende. Mit seinem Partner Hap (Martin Donovan) führt ihn die Spur eines grausigen Mordes von Los Angeles in die Einöde von Alaska. Dem Mörder wird eine Falle gestellt, doch dann passiert ein Unglück. Im dichten Nebel erschiesst Will aus Versehen seinen Partner. Nun versucht Will den Tod seines Partner dem Killer in die Schuhe zu schieben. Doch dieser weiss, was wirklich passiert ist. Ein gefährliches Katz-und-Maus-Spiel beginnt.

© Warner Bros.

Vor dem Dreh

Das ist alles nur geklaut

Nolan wird immer wieder dafür gelobt, dass er originelle und neue Geschichten erzählt. Das kann im Falle von Insomnia jedoch nicht behauptet werden. Denn Nolans dritter Langfilm ist ein Remake eines gleichnamigen norwegischen Thrillers aus dem Jahre 1997, in dem der bekannte Charakter-Darsteller Stellan Skarsgård die Rolle des Ermittlers spielte. Die Hauptfigur im Original ist dabei ein ziemliches Arschloch, welches in einer Szene sogar eine Zeugin sexuell belästigt. Im Gegensatz dazu ist Pacinos Ermittler im Remake eine Figur, die sich relativ anständig benimmt. Nolan legte mehr einen Fokus auf die Schuld, mit der Pacinos Figur zu kämpfen hat. So schafft es Nolan, dass man seiner Hauptfigur während der ganze Laufzeit hindurch Sympathien entgegenbringt.

Abgelehnt!

Gleich nachdem er das Original im Kino gesehen hatte, wollte Nolan ein Remake umsetzen. Er schrieb sogar ein Drehbuch und reichte es beim Studio Warner Bros. ein, wo man im Besitz der Remake-Rechte war. Doch Warner war nicht beeindruckt von Nolans Drehbuch und lehnte es ab. Nolan verfilmte schlussendlich das Skript von Hillary Seitz, welches laut Nolan seinen Vorstellungen recht nahe kam. Insomnia ist übrigens der einzige Film von Nolan, bei dem er nicht offiziell am Drehbuch mitgeschrieben hat.

Steven Soderbergh haut auf den Tisch

Fast hätte es für Nolan auch nicht mit dem Regiejob bei Insomnia geklappt. Nolan gelang es damals nicht mal, diesbezüglich ein Meeting bei Warner Bros. zu bekommen. Angeblich zögerte das Studio, weil sie ihren 45-Millionen-Thriller nicht einem Studio-Neuling anvertrauen wollten - Following und Memento wurden unabhängig und ohne grosses Studio produziert. Oscarpreisträger und Memento-Fanboy Steven Soderbergh (Traffic) lief laut Nolan dann zum Produktionschef von Warner und soll diesem gesagt haben: «Du bist verrückt, wenn du diesen Regisseur nicht treffen willst!» Es dauerte danach nicht lange und Nolan bekam den Job. Seit Insomnia arbeitet Nolan stets mit Warner zusammen und ist aufgrund der sensationellen Einspielergebnisse seiner Filme beim Studio so etwas wie dessen Lieblings-Regisseur geworden.

Ersetze Grummli durch Schreihals

Der grummelnde Harrison Ford hätte fast die Hauptrolle in Insomnia bekommen. Die Macher entschieden sich letzten Endes jedoch für Oscarpreisträger Al Pacino, der vor allem für seine laute Stimme bekannt ist. Pacino war nicht der einzige mit einem Oscar ausgezeichnete Schauspieler am Set. Robin Williams, welcher den Mörder spielt, bekam seine Goldstatue 1998 für seine Rolle in Good Will Hunting, während Hilary Swank ihr erstes Goldmännchen 2000 für ihren Part in dem Drama Boys Don't Cry bekam. Dank Million Dollar Baby hat Swank inzwischen sogar zwei Oscars bei sich zu Hause rumstehen.

Investigator Sleep

Pacinos Ermittler, der im Film Mühe mit dem Einschlafen hat, trägt den Namen Will Dormer. Dieser Name wurde nicht ganz ohne Hintergedanken gewählt. «Dormire» entstammt dem Lateinischen und bedeutet «schlafen».

© Warner Bros.

Während des Drehs

Alaska, Kanada

Obwohl die Handlung in Alaska spielt, wurde fast nur in Kanada gedreht. Die Filmcrew reiste zwar auch nach Alaska, doch wurden die Kameras praktisch nur für Aufnahmen aus der Luft angeworfen.

Star Trek

Bei der Verfolungsjagd im Nebel über Stock und Stein wollte man natürlich die Darsteller nicht verletzen. Laut Kameramann Wally Pfister wurden deshalb Styropor-Felsbrocken eingeflogen, welche schon bei der Original-Star-Trek-Serie zum Einsatz kamen.

40-60 Heli-Flüge

Bei der angesprochenen Verfolgungsjagd spielt auch ein kleines Holzhaus eine Rolle. Dieses Haus wurde von der Filmcrew zwei Mal gebaut, einmal im Studio und einmal in der Natur. Da das Aussenset schwer zu erreichen war, wurden die Crew-Mitglieder jeweils jeden Tag mit dem Boot hingefahren, während für das Baumaterial laut Pfister 40 bis 60 Flüge mit dem Helikoper nötig waren.

Robin Williams hatte während den Dreharbeiten einen Rückfall

In einem Interview offenbarte der 2014 verstorbene Robin Williams, dass er wegen des isolierten Drehortes einen Rückfall hatte und wieder vermehrt zur Flasche griff: «Die kleine Stadt, in der wir drehten, befand sich zwar nicht am Rand der Welt, doch man konnte den Rand der Welt vom Drehort aus sehen. Ich fühlte mich allein und ängstlich. Ich dachte nur, dass es vielleicht hilft, wenn man trinkt.»

© Warner Bros.

Nach dem Dreh

«Jetzt ist es aber auch mal gut mit der krassen Gewalt.»

Insomnia ist der letzte Film von Nolan, der in den USA mit einer Freigabe ab 17 in die Kinos kam. Alle folgenden Filmen von Nolan bekamen die US-Freigabe PG-13.

Was meint der Regisseur des Originals zum Film?

Regisseur Erik Skjoldbjærg, der den 1997er-Insomnia drehte, war recht zufrieden, was Nolan auf die Beine gestellt hatte: «Als ich das Remake zum ersten Mal sah, war es eine sehr seltsame Erfahrung, weil es stilistisch dem Original sehr nahe kam. Es ist ein gut gemachtes intelligentes Remake, weil ein wirklich guter Regisseur dafür verantwortlich war.»

© Warner Bros.

Insomnia im Nolan Cinematic Universe

Da Nolan das Skript nicht selbst geschrieben hat, lassen sich kaum Verweise auf andere Filme des Regisseurs finden. Wenn man nach einer Verbindung zu anderen Filmen suchte, würde man bei Martin Donovan fündig werden. Der Schauspieler, welcher in Insomnia jenen Cop spielt, der von Pacinos Ermittler erschossen wird, spielt auch bei Tenet wieder mit. Donovan ist die Person, welche im Tenet-Trailer den Satz «All I Have for You is Word: Tenet» fällen lässt.

Wo kann man den Film schauen?

Insomnia ist auf DVD, Blu-ray und VoD erhältlich.

© Insomnia

Christoph Schelb [crs]

Christoph arbeitet seit 2008 für OutNow und leitet die Redaktion seit 2011. Er liebt die Filme von Christopher Nolan, die Festivals in Cannes und Toronto und kann nicht wirklich viel mit Jean-Luc Godard anfangen, was aber wohl auf Gegenseitigkeit beruht. Gewinner des Filmpodium-Filmbuff-Quiz 2019.

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