OutNow Spotify Playlist #45

Ein weiteres Mal gibt es in der SoundNow-Playlist gruselige, schockierende und unheimliche Horrormusik aus Marcos Lieblingsgenre. Also macht es euch ungemütlich, Ohren auf, Augen zu und durch!

Gretel & Hansel © Capelight Pictures

Liner Notes: Da ist es wieder einmal, das Horrorgenre, welches mir so sehr am Herzen liegt. Nicht zuletzt wegen der Kreativität der Komponisten, die sich für Schreckmomente und Hochspannung so richtig ins Zeug legen. Matthew Margeson trat für seinen Score zum Blumhouse-Quatsch Truth or Dare wieder einmal aus dem Hintergrund heraus. Sein Werdegang begann er nämlich als «Additional Composer» und Arrangeur bei einer Reihe riesiger Blockbuster. So klimperte er zum Beispiel bei Angels and Demons im Auftrag von Hans Zimmer auf Synthesizern herum oder war für die Orchestrierung des Actionkrachers The Expendables zuständig.

Dass er es elektronisch mag, zeigt auch das ausgewählte Rooftop Truth or Dare, welches nicht mit atmosphärischen Synthesizerklängen geizt. Besonders spannend an diesem Track ist, wie ein Crescendo bei 0:50 in die komplette Stille führt. Mit weiterer Experimentierfreude kann sicher noch etwas werden aus dem noch jungen Komponisten, der momentan am Score zu The King's Man arbeitet.

Kaum vorzustellen brauche ich Jerry Goldsmith. Immer wieder kehre ich zu seiner Musik zurück, was man von der DVD (wo bleibt die Blu-ray?) des The Haunting-Remakes von 1999 leider nicht behaupten kann. Return to the Carousel kombiniert in einem Track die besten Elemente seines Scores. Angefangen mit Actionmusik, die ganz im Stile seiner späteren Star-Trek-Scores daherkommt und mit kräftigen Bläsern und donnernder Perkussion das Stück eröffnet. Nach zwei Minuten hören wir dann das Karussell, welches von dissonanten Tönen begleitet wird, was der Musik eine schräge und unheimliche Stimmung verleiht. Abgeschlossen wird dann mit dem romantisch-gruseligen Hauptthema, welches aus einfachen Sequenzen absteigender Noten besteht. Ein toller Score, der somit auch das Highlight des Filmes ist.

Meine Liebe zu Horror entdeckte ich 1996 mit Scream und Marco Beltrami hat hier bestimmt auch seinen Teil dazu beigetragen. Die in der Playlist enthaltene Suite ist eine schöne Zusammenfassung des innovativen Scores. Angefangen mit dem einsamen Klavier geht es schnell zum Actionthema über, welches die Definition des Beltrami-Sounds werden sollte. Toll, wie er zum Beispiel das Xylophon einsetzt, welches ansonsten wenig Einsatz in der Filmmusik findet und schräge Tonleitern hinter die Hauptmelodie setzt. Wie ab der Drei-Minutenmarke zu hören ist, kann es auch einmal episch werden. Die Verzweiflung, die beim ersten Mordopfer der Fortsetzung Scream 2 ins Gesicht geschrieben ist, wird musikalisch genial umgesetzt. Beendet wird die Suite mit Sidneys Thema. Eine melancholische Solo-Stimme steht für ihre Verletzlichkeit und ihr Trauma, aber auch für ihre Entschlossenheit.

Der Trailer zu The Mummy bin ich auf Vampire Hunters von Wojciech Kilar aufmerksam geworden. Zu meiner Schande muss ich zugeben, dass es bisher das einzige Stück des Komponisten ist, welches mir bekannt ist. Dabei ist es ein absoluter Klassiker. Dasselbe kann man von Thirteen Ghosts nicht behaupten. Das Remake bleibt höchstens noch durch sein cooles Produktionsdesign in Erinnerung. Der Score aber ist auch nicht schlecht. John Frizzeol hat es trotz seiner guten Arbeit (ich denke da vor allem an The Reaping und Alien Resurrection nie in die Ränge der Genregrössen geschafft. The Machine Destroyed erinnert von seiner Instrumentierung sehr an Marco Beltrami. Kein Wunder also, dass es mir gefällt.

Von «gefallen» kann bei Levantation von Christopher Young nicht gerade die Rede sein. Was er für den Score von Sinister aus seinem Hut gezaubert hat, ist eine verstörende Collage an Sounds und Effekten, die furchteinflössender nicht sein könnten. Da gingen Hans Zimmer und seine Mitarbeiter einen anderen Weg und schrieben ein wunderbares Klavierthema für The Ring. Zeitweise kommen Erinnerungen an den Ballsaal der Geisterbahn im Europapark auf, doch spätestens wenn dann auch noch die Streicher einsetzen, wird in einer ganz anderen Liga gespielt.

Nach dem Ausflug ins Motel geht es mit dem unglaublich atmosphärischen Score zur Gruselüberraschung Gretel & Hansel weiter. Macht man so coole elektronische Musik, darf man sich von mir aus auch «Rob» nennen... Abgeschlossen wird die Playlist von Herrn Silvestri, der ganz episch die Action von Van Helsing untermalt. Fast schon bis zur Parodie wird hier gesungen und gespielt, was zum unglaublich spassigen Film passt, der meiner Meinung nach absolut missverstanden wurde.

OutNow Daily Playlist #45 vom Sonntag, 05.07.2020 - Horror once again!

Marco Albini [ma]

2003 verfasste Marco seine erste Kritik auf OutNow und ist heute vor allem als Co-Moderator des OutCast tätig. Der leidenschaftliche «Star Wars»-Fan aus Basel gräbt gerne obskure Genrefilme aus, aber Komödien sind ihm ein Gräuel.

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