Die Filme des Christopher Nolan: «Memento»

«Now, Where Was I?» Ach ja, bei unserer Retrospektive geht es nun weiter mit dem ersten Meisterwerk des Regisseurs. Im Thriller «Memento» sucht ein Mann ohne Kurzzeitgedächtnis den Mörder seiner Frau.

© Ascot Elite

Dieser Artikel ist Teil unserer grossen Christopher-Nolan-Retrospektive, in welcher wir jeden Film des Regisseurs etwas genauer beleuchten. Da Nolan in seinen Filmen gerne mit der Zeit spielt, unterteilen wir die zusammengetragenen Informationen nach der Produktionsphase («Vor dem Dreh», «Während des Drehs» und «Nach dem Dreh»), sagen euch, was für Verbindungen es mit den anderen Filmen des Regisseurs gibt und wo ihr euch den jeweiligen Film ansehen könnt.

Worum geht es?

Leonard leidet seit dem brutalen Angriff auf ihn und seine Frau, bei dem seine Frau zu Tode kam, an der Unfähigkeit neue Erinnerungen zu schaffen. Sein Kurzzeitgedächtnis funktioniert nicht. Deswegen macht er Fotos von Dingen und Menschen, an die er sich erinnern will oder schreibt sich wichtige Notizen als Tattoos auf den Körper. Alles dient nur einem Ziel: Er will den Vergewaltiger und Mörder seiner Frau finden und töten.

Vor dem Dreh

Following als Sprungbrett

Das Drehbuch für Memento hatte Christopher Nolan bereits fertig, als sein erster Langfilm Following erst in die Kinoauswertung kam. Die Originalität des Erstlings hat Nolan das Interesse der Produktionsfirma Newmarket Films eingebracht. Dieser hat seine Ehefrau und Produzentin beider Filme Nolans, Emma Thomas, das Drehbuch angeboten und eine Finanzierung von 4.5 Mio. US-Dollar erreicht. Damit startet der zweite Langspielfilm von Nolan mit einem beträchtlichen Budget - vor allem, wenn man bedenkt, dass Following gerade einmal 6000 Dollar kostete.

Zusammenarbeit zwischen Brüdern

Die Geschichte für den Film haben Christopher und sein Bruder Jonathan gemeinsam konzipiert. Jonathan schrieb eine Kurzgeschichte, die Christopher mit einigen Veränderungen für den Film adaptierte. Als weitere Inspirationsquelle diente Nolan die Erzählung «Funes de Memoris» von Jorge Luis Borges, ein Meister der fantastischen Literatur. Auch wenn die Entscheidung, die Geschichte alinear zu erzählen, von Anfang an feststand, schrieb Christopher das Drehbuch in der chronologisch richtigen Reihenfolge.

Während des Drehs

Los Angeles statt Montreal

Dank des grösseren Budgets und um eine «stimmungsvoller» Atmosphäre zu erzeugen, wurde der Dreh nach Los Angeles verlegt. Anfänglich sollte in Montreal, Kanada gedreht werden.

Brad Pitt war für die Hauptrolle vorgesehen

Als Wunschkandidaten für den Protagonisten hatten Nolan und die Produktion Brad Pitt vorgesehen. Dieser konnte aus terminlichen Gründen nicht. Vermutlich kollidierte das Projekt mit seiner Arbeit in Fight Club. Auf jeden Fall ist eine gewisse Ähnlichkeit zwischen Pitt und dem schliesslich für die Rolle in Memento verpflichteten Guy Pearce nicht zu übersehen. Dies gilt nicht nur für die rein äusserliche Erscheinung der beiden Darsteller, sondern auch für die jeweiligen Rollen in den beiden Filmen.

Nach dem Dreh

Nach dem Dreh

Memento hat mit Sicherheit zum internationalen Durchbruch für Nolans Karriere geführt. Der Film gewann auf mehreren internationalen Festivals wie auch beim Sundance-Filmfestival mehrere Auszeichnungen für sein Drehbuch. Das Skript wurde sogar für den Oscar nominiert - verlor dann jedoch gegen Gosford Park.

Danke, Steven

Obwohl er anfänglich keinen Verleih fand, weil viele dachten, der Film sei zu kompliziert in der Rezeption, fuhr er schliesslich beim Kinostart alleine in den USA 25 Mio. Dollar ein und war ein unerwarteter Erfolg. Zur Promotion des Films trug im übrigen niemand anders als Steven Soderbergh (Sex, Lies, and Videotape, Ocean's 11) bei, der den Film sehr mochte und öffentlich Werbung dafür machte.

otnemem.com

Jonathan Nolan hat sich selbst um die Internetseite für den Film gekümmert. Inspiriert von The Blair Witch Project hat er online weiterführende Hinweise zur Geschichte, ähnlich wie bei einer Schnitzeljagd, des Films veröffentlicht. Die Website ist immer noch unter otnemem.com aktiv - die Website-Adresse ist der Filmtitel rückwärts buchstabiert.

Zitate aus der Popkultur

Nolan zitiert an einer Stelle die berühmte US-amerikanische Fotografin Annie Leibovitz, die genau in der Entstehungszeit des Films ihren Karrierehöhepunkt hatte. Des Weiteren wird Leonard einmal von seinem Freund Teddy als «Pocahontas» bezeichnet, deren Geschichte von Disney nur wenige Jahre vorher publikumsträchtig inszeniert wurde.

Memento im Nolan Cinematic Universe

- Memento ist nicht der einzige Film von Nolan, der auf eine nicht chronologische Erzählung setzt, das ist auch bei Following und The Prestige der Fall. Bei Memento haben die Besitzer der DVD oder der Blu-ray des Films die Möglichkeit, den Film in der «richtigen» Reihenfolge abzuspielen. Auf den Bildträgern ist dafür eine entsprechende Funktion eingebaut - ein sogenanntes Easter Egg. Auf der deutschen DVD findet man es, wenn man im Hauptmenü auf Filmstart geht, dann zwei Mal auf die Rechts-Taste klickt und dann den Schriftzug «Memento» auswählt. Auf der deutschen Blu-ray klickt man einfach einmal auf die Rechts-Taste und wählt dann das rechts erscheinende «Film starten» aus.

- Nolan interessiert sich in mehreren seiner Filme wie Inception für die Macht der Autosuggestion, fremder Manipulation und allgemein für die Bedeutung von Erinnerungen.

Wo kann man den Film schauen?

Memento kann man aktuell auf Netflix schauen. Der Film ist zudem auf DVD und Blu-ray erhältlich.

Teresa Vena [ter]

Alles begann bei Teresa damit, dass sie, noch viel zu jung dafür, ihren Vater überzeugen konnte, «Gremlins» im Fernsehen schauen zu dürfen. Seitdem gehört absurder Humor und Spannung zu jedem guten Film dazu. Kino aus Asien und Lateinamerika, aber auch aus der Schweiz sind ihre Steckenpferde.

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