20 Jahre OutNow: Das war das Kinojahr 2004

Harry Potter dominierte die Kinostarts, Brad Pitt stürmte gen Troja, Quentin Tarantino war Jury-Präsident in Cannes und am Ende des Festivals richtig hässig. Unser Rückblick auf 2004.

Shrek 2 © DreamWorks

Nach dem Ende der Lord of the Rings-Trilogie musste es 2004 Harry Potter alleine für die Fantasy-Front richten. Er tat dies ganz anständig, wie die Box-Office-Zahlen belegen. Auch Jesus machte dank Mel Gibson ein Comeback an den Kinokassen, während Shrek 2 zum umsatzstärksten Animationsfilm aller Zeiten wurde.

Die Top-10 der Schweizer Kinocharts 2004 (nach verkauften Tickets):

1. Harry Potter and the Prisoner of Azkaban - 608'204
2. Shrek 2 - 553'148
3. Troy - 453'869
4. Something's Gotta Give - 396'039
5. Lord of the Rings: The Return of the King - 392'114
6. (T)Raumschiff Surprise - Periode 1 - 391'029
7. The Day After Tomorrow - 381'723
8. Spider-Man 2 - 353'728
9. Fahrenheit 9/11 - 350'695
10. Brother Bear - 342'551

Da der letzte Teil von The Lord of the Rings im Dezember 2003 in die Kinos kam, konnte der Abschluss auch 2004 noch viele Tickets verkaufen. Total verzeichnete der Film 919'871 Eintritte, was ihn zum 11.-erfolgreichsten Film der Schweizer Kinogeschichte macht. Lustig auch, dass Michael «Bully» Herbig mit seiner Sci-Fi-Parodie (T)Raumschiff Surprise - Periode 1 jede Menge Hollywood-Produktionen hinter sich lassen konnte.

«(T)Raumschiff Surprise - Periode 1»
«(T)Raumschiff Surprise - Periode 1» © Constantin Film

Die umsatzstärksten Filme weltweit:

1. Shrek 2: $ 928'760'770
2. Harry Potter and the Prisoner of Azkaban $ 795'634'069
3. Spider-Man 2 $ 788'976'453

Die Top-3 überraschen weniger. Schaut man in der Rangliste jedoch ein bisschen weiter runter, findet man nach The Incredibles das Bibel-Drama The Passion of the Christ auf dem fünften Platz mit einem weltweiten Einspielergebnis von über $ 611 Millionen. Alleine in den USA spielte der Film von Mel Gibson über 370 Mio. ein, was ihn dort auch heute noch zum umsatzstärksten R-Rated-Film aller Zeiten macht - vor Deadpool, American Sniper und Joker.

«The Passion of the Christ»
«The Passion of the Christ» © Ascot Elite

Preisträger

Oscar-Gewinner: Million Dollar Baby
Golden-Globe-Gewinner: The Aviator & Sideways
Gewinner der Goldenen Himbeere: Catwoman
Gewinner der Goldenen Palme von Cannes: Fahrenheit 9/11

Das gute Filmjahr war auch bei den Awards deutlich sichtbar, wo sich Clint Eastwood mit Million Dollar Baby und Martin Scorsese mit The Aviator duellierten.

Am meisten zu reden gab jedoch die Verleihung der Goldenen Palme von Cannes. Die meisten Jury-Mitglieder wollten mit der Auszeichnung von Fahrenheit 9/11 ein politisches Statement abgeben - Michael Moore nahm in seinem Film den damaligen US-Präsident George W. Bush ins Visier. Dies passte Jury-Präsident Quentin Tarantino aber gar nicht. Nicht etwa, weil er Moores Film schlecht fand, sondern er den Hauptpreis lieber Park Chan-wooks Rache-Meisterwerk Oldboy gegeben hätte.

Am Ende beugte sich Quentin dem Druck. Die folgenden Jahre sollten Tarantino aber rechtgeben: Der Cannes-Hauptpreis brachte nichts, weil Bush wiedergewählt wurde, und Oldboy gilt heute als einer der besten Filme des neuen Jahrtausends.

«Oldboy»
«Oldboy» © Capelight

«Unnützes» (Film-)Wissen

Der grossartige Schauspieler Marlon Brando stirbt am 1. Juli 2004 an Lungenversagen. Derweil startet Edgar Wright mit Shaun of the Dead seine Cornetto-Trilogie, die ihm auch Aufträge in Hollywood bescheren wird. Emily Blunt, Jonah Hill, Chris Pine, Megan Fox, Jason Momoa, Brie Larson und Amanda Seyfried geben ihr Spielfilmdebüt, wobei Letztere in Mean Girls in einer Komödie mitspielte, die über die Jahre hinweg zu einem kleinen Kultfilm geworden ist.

Der OutNow-Film des Jahres: Eternal Sunshine of the Spotless Mind

Regisseur Michel Gondry hat mit dem Drehbuchautor Charlie Kaufman den richtigen Partner für sein fantastisch-dystopisches Drama gefunden. Er inszeniert den Stoff suggestiv und verhilft Jim Carrey zu einer seiner besten (ernsten) Rollen überhaupt. Der Film gehört zu den eindrücklichsten und düstersten Liebesgeschichten des Kinos. Er stellt zudem eines der interessantesten existentiellen Gedankenexperimente dar, das von einer technikpessimistischen Perspektive geprägt ist.

© Universal

Die besten zehn Filme von 2004 laut der OutNow-Redaktion

1. Eternal Sunshine of the Spotless Mind
2. Spider-Man 2
3. The Machinist
4. Collateral
5. Kill Bill Vol. 2
6. Shaun of the Dead
7. Harry Potter and the Prisoner of Azkaban
8. The Incredibles
9. Before Sunset
10. Garden State

OutNow-Meilenstein

Am 25. August 2004 stellt Redaktor rm die heute legendäre Kritik zu The Brown Bunny online. Der Text, der wie ein Brief an den selbstverliebten Regisseur Vincent Gallo aufgebaut ist, wird aufgrund des Humors von Usern und Kollegen in den Kommentarsektion gefeiert, während Gallo-Fanboys und -Girls ordentlich Gegensteuer geben. User El Chupanebrey übersetzt schliesslich die Review ins Englische und schickt sie Gallo persönlich per E-Mail. Die Reaktion des Regisseurs war ein simples «Yawn».

Christoph Schelb [crs]

Christoph arbeitet seit 2008 für OutNow und leitet die Redaktion seit 2011. Er liebt die Filme von Christopher Nolan, die Festivals in Cannes und Toronto und kann nicht wirklich viel mit Jean-Luc Godard anfangen, was aber wohl auf Gegenseitigkeit beruht. Gewinner des Filmpodium-Filmbuff-Quiz 2019.

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